Vincent Keymers Gegner im Grand Prix

World Chess hat jetzt die Auslosung der Vorrundengruppen für den Berliner Grand Prix (ab 3. Februar) bekanntgegeben, der Auftakt der Turnierserie. Vincent Keymer wird sich in seiner Vorrundengruppe mit Levon Aronian, Daniil Dubov und Vidit Gujrathi auseinandersetzen. Diese vier Elitegroßmeister spielen über sechs Partien ein doppelrundiges Rundenturnier (jeder zweimal gegen jeden). Nur der Erste kommt weiter.

Gespielt wird im World Chess Club Berlin:

Die Sieger der vier Vorrundengruppen ziehen ins Halbfinale ein. Die beiden erfolgreichsten Teilnehmer der drei Grand-Prix-Turniere (Februar, März, April) qualifizieren sich fürs Kandidatenturnier 2022, bei dem der WM-Herausforderer 2023 ermittelt wird.

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Nach Angaben des Veranstalters ist der Chinese Wei Yi kurzfristig ausgeschieden. Ihn ersetzt der Inder Pentala Harikrishna. Die Runden werden täglich um 15 Uhr beginnen. Bis zu 30 Zuschauer pro Runde sind, Stand jetzt, zugelassen. Tagestickets kosten 28 Euro.

Vincent Keymers Gegner im Einzelnen:

Levon Aronian (Elo 2772, Weltrangliste Nr. 6)

Levon Aronian in der Schachbundesliga. | Foto: Theo Heinze

Einer der prägenden Großmeister der 2000er und 2010er-Jahre, auch als mittlerweile 39-Jähriger im beginnenden Herbst seiner Karriere unverändert ein Teil der Weltelite, einstiger Weltmeister im Schnellschach und im Blitzschach, mehrfacher WM-Kandidat. Im Februar 2014 erreichte Aronian mit 2835,5 (Live-Liste) die vierthöchste Elo-Zahl jemals. Aronian hat alles gewonnen, was es im Schach zu gewinnen gibt – bis auf eines: Ein WM-Match ist ihm stets verwehrt geblieben.

2003/4 war der Wahlberliner für eine kurze Zeit für den Deutschen Schachbund spielberechtigt, entschied sich dann aber, wieder für sein Heimatland Armenien zu spielen. Mit der armenischen Nationalmannschaft gewann Aronian 2006, 2008 und 2012 die Schacholympiade. 2011 führte er seine Armenier bei der Mannschaftsweltmeisterschaft zum Titel. 2021 machte Aronian mit einem neuerlichen Verbandswechsel Schlagzeilen. Den Grand Prix 2022 wird er voraussichtlich unter US-Flagge spielen.

Der große Bluff: Als Dennis Wagner Levon Aronian an der Angel hatte.

Daniil Dubov (Elo 2720, Weltrangliste Nr. 24)

Daniil Dubov beim Tata Steel Chess 2022. | Foto: Tata Steel Chess

Nominell war Daniil Dubov nie unter den besten 20 der Welt. Und doch würde niemand bestreiten, dass Daniil Dubov jeden von denen, die vor ihm stehen, schlagen kann. Und das sogar mit großer Leichtigkeit, wenn es gut läuft. Als mittlerweile 25-Jähriger ist der genialische Dubov dem Talentstatus entwachsen. Stattdessen genießt er, unabhängig von Elozahl und Weltranglistenplatzierung, den Status eines der respektiertesten Großmeister der Welt.

Seine schachliche Prägung scheint bis heute durch: Daniil Dubov ist durch die Schule von Alexander Morozevich gegangen. Heute darf er als legitimer Nachfolger seines Mentors gelten, des einstigen Weltranglistenzweiten. Die Vielzahl der von Dubov erdachten Ideen und Konzepte hat schon 2018 dazu geführt, dass Magnus Carlsen ihm anbot, zum Teil seines WM-Teams zu werden. Die Zusammenarbeit setzte sich fort, auch vor dem WM-Match 2021 gegen Ian Nepomniachtchi fütterte Dubov den Titelverteidiger mit Ideen und Analysen. In seiner russischen Heimat war darüber mancher Beobachter nicht amüsiert:

https://youtu.be/2o2J0331N-A
Groß ist die Zahl Dubovscher Glanzpartien, dieses ist eine der bekanntesten, gespielt bei der Mannschatseuropameisterschaft 2018. Leidtragender des Dubovschen Feuerwerks: Rasmus Svane

Vidit Gujrathi (Elo 2727, Weltrangliste Nr. 22)

Vidit Gujrathi beim Tata Steel Chess 2022, das er nach fünf Runden anführt. | Foto: Tata Steel Chess

Wer wird Viswanathan Anand nachfolgen? Diese Frage stellen sich indische Schachfreunde seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Anfangs ruhten die Hoffnungen auf Pentala Harikrishna (35), später gesellte sich Vidit Gujrathi (27) dazu. Beide erfüllten die Hoffnungen insoweit, als sie sich in der erweiterten Weltklasse etablierten, aber auf einen Giganten vom Format Anands warten die Inder weiterhin. Jugendliche Kandidaten, diese Rolle auszufüllen, gibt es einige im schachverrückten Riesenland.

Im aktuellen WM-Zyklus müssen es aus indischer Sicht noch einmal die Schachfreunde Harikrishna und Vidit richten. Letzterer hat sich seinen Status als etabliertes Mitglied des 2700-Clubs hart erkämpft. Weil er finanziell nicht dazu in der Lage war, starke Turniere in Europa zu spielen, musste Vidit bis zum 18. Lebensjahr auf den GM-Titel warten, obwohl er schon als 15-Jähriger die 2500-Elo-Marke überschritten hatte. Was schachlich in ihm steckt, zeigt Vidit dieser Tage beim Tata Steel Chess, wo er nach fünf Runden gemeinsam mit Richard Rapport und Shakhriyar Mamedyarov das Feld anführt:

(Titelfoto: Theo Heinze, Tata Steel Chess, FIDE)

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Frank
Frank
8 Monate zuvor

Die anderen Gruppen kommen mir aber noch als größere Hämmer vor, v.a. Gruppe B. Geht für Vincent doch wohl eher darum, noch mehr Erfahrung in diesem Umfeld zu bekommen.

Kommentator
Kommentator
8 Monate zuvor

Mit der Aussage hinsichtlich attraktives Schach hast du aber bei den Shirov-Fans bestimmt nicht besonders beliebt gemacht (sollten die Senioren nicht eigentlich zusammenhalten?:-) )

Thomas Richter
Thomas Richter
8 Monate zuvor

Wie man die Spieler der vier Lostöpfe bewertet – stark/hammerhaft oder nicht ganz so stark, attraktive Spielweise oder eher nicht – ist Ansichtssache: Topf 1 – alles etablierte Weltklassespieler Topf 2 – Nakamura und Dominguez sind vielleicht ehemalige Weltklassespieler. Für Rapport geht es dagegen – nachdem er lange sehr wechselhaft war – aufwärts. Vidit ist ein bisschen Fremdkörper – nur leicht besser als Topf 3, da wäre er wohl z.B. wenn Duda oder Karjakin sich nicht beim Weltcup für das Kandidatenturnier qualifiziert hätten. Topf 3 – etwa gleichwertige Spieler, Dubov am bekanntesten oder populärsten (Fedoseev spielt mitunter ähnlich, aber Dubov… Weiterlesen »

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