Elisabeth Pähtz: “Turnier meines Lebens”

GM-Titel, Grand-Prix-Qualifikation, vielleicht sogar Kandidatenturnier? Elisabeth Pähtz hat es jetzt in der Hand. Nach ihrem Siebtrundensieg über Natalija Pogonina liegt Pähtz beim Grand Swiss der Frauen mit 5,5 Punkten aus 7 Partien auf dem alleinigen zweiten Platz. Heute spielt sie mit Weiß gegen die große Dame des russischen Schachs, Alexandra Kosteniuk, ihres Zeichens GM. Kosteniuk ist die dritte GM, gegen die Pähtz im Lauf des Turniers spielt, was für die potenzielle dritte GM Norm wichtig sein wird: Die für die Norm erforderlichen drei GM-Gegner hat sie nun beisammen, jetzt muss “nur noch” die Performance (2685 bislang) über 2600 bleiben.

Die vier deutschen Großmeister haben beim offenen Grand Swiss lange kollektiv den Traum am Leben gehalten, dass auch im Parallelturnier einer aus diesem Quartett nach den Sternen greift. Nach vier Niederlagen in der rabenschwarzen siebten Runde ist dieser Traum ausgeträumt, alle vier stehen jetzt bei 50 Prozent.

Die heutigen Paarungen (via Schachbund):

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Bild

Liveübertragung (ab 13 Uhr):

auf chess.com
auf chess24 (offen) und Frauen

Elisabeth Pähtz in Riga. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Auf dem YouTube-Kanal der FIDE hat Elisabeth Pähtz nach dieser Partie ein Interview gegeben:

Wir haben zugehört und fürs deutschsprachige Publikum übersetzt:

Elisabeth, du hast angedeutet, Natalija sei in deine Vorbereitung gelaufen.

Ja, das ist sie. Vor der Partie hatte ich meinen Coach sogar gefragt, was passiert, wenn sie im 21. Zug auf b3 schlägt. Er sagte, das sei schlecht, dann solle ich einfach zurückschlagen und hätte Vorteil (der Springer gelangt aufs schwache Feld c6, Anm. d. Red.). Also habe ich zurückgeschlagen, ein paar Züge gespielt – und festgestellt, dass die Angelegenheit nicht so einfach ist. Der Computer sagt zwar, Weiß steht auf Gewinn…

…was der Computer sagt, ist etwas anderes, als wenn ein Mensch davorsitzt.

Allerdings. Ich würde es eher so beschreiben, dass ich nach 21.Sa5 aus dem Buch war und es nicht einfach fand, meinen Vorteil nachzuweisen.

Sieben Runden gespielt, wie fühlt sich das Turnier bislang für dich an?

Ich kann mich nicht beschweren (lacht). Ganz objektiv ist es bis jetzt das Turnier meines Lebens. Eine solche Performance habe ich noch nie abgeliefert. Zumindest kann ich mich an nichts Ähnliches erinnern.

Ist dir erst heute aufgegangen, dass du so gut spielst wie nie zuvor?

Nein, ich dachte von Beginn an, dass ich in guter Verfassung sein sollte. Meine Turniere vorher waren sehr ordentlich. Aber dass ich hier mit 5,5 Punkten aus 7 Partien starte, hatte ich natürlich nicht erwartet.

Und jetzt? Voller Selbstvertrauen und bereit für alles, was noch kommt?

Ich denke schon. Teil meiner Performance ist allerdings, dass ich in der Partie gegen Jiner Zhu Glück hatte. Hoffentlich bleibt das Glück bis zum Ende an meiner Seite.

Welchen Anteil hat der Glücksfaktor beim Schach?

Manche Leute sagen ja, dass Glück beim Schach keine Rolle spielt. Ich glaube eher, dass glückliche Fügungen Teil des Wettkampfs sind. Manchmal patzt der Gegner, das würde ich als Glück bezeichnen. Nehmen wir die Partie gegen die Chinesin: Ich habe gesehen, wie sie einfach gewinnen kann, aber sie hat mir erlaubt, in dieses Endspiel mit Minusqualität zu entkommen, das remis sein sollte. Das habe ich dann wieder schlecht gespielt, sie bekam noch eine Gewinnchance – und hat sie wieder nicht genutzt. Ich sehe eine solche Folge von Ereignissen als Zeichen: Das Glück ist auf meiner Seite.

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Martin
Martin
1 Monat zuvor

Die 2600+ Leistung muss man aus 9 Runden erbringen oder? Also selbst wenn Runde 10 & 11 in die Hose geht, in Runde 9 aber ein Remis (?) ausreicht um bei über 2600 zu bleiben sollte das passen mit der Norm?

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[…] hat Pähtz gewonnen, und es wurde tatsächlich das vielzitierte „Turnier ihres Lebens“. Pähtz hat sich als Zweite in einem Weltklassefeld für den weiteren WM-Zyklus 2021/22 […]

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[…] am ersten Brett einen potenziellen Anker, der Halt und Sicherheit geben kann. Und der mit einem Riesenerfolg im Rücken […]