Naiditsch: „Notfalls aus eigener Tasche“

Noch würde für den Wechsel von Arkadij Naiditsch zur deutschen Föderation ein mittlerer vierstelliger Betrag an Wechselgebühren fällig. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte Naiditsch jetzt, er bezahle sie notfalls aus eigener Tasche. Allerdings sei weder in seinem E-Mail-Austausch noch in seinem fünfminütigen Telefonat mit DSB-Präsident Ullrich Krause zur Sprache gekommen, wie mit eventuellen Gebühren umzugehen sei.

Die Alternative zum Bezahlen wäre, ein paar Monate zu warten. Für Staatsbürger entfallen bei einem Wechsel zur heimischen Föderation die Gebühren zwei Jahre, nachdem sie zuletzt für eine andere Föderation gespielt haben. Im Fall von Arkadij Naiditsch wären diese zwei Jahre am 2. November 2021 abgelaufen.

Europameisterschaft Batumi 2019: Aserbaidschan mit Arkadij Naiditsch am Spitzenbrett beendete das Turnier mit einem 3:1 gegen Slowenien, Deutschland mit einem 1,5:2,5 gegen England. Für Naiditsch markierte das Turnier einen weiteren gescheiterten Versuch, sich aus einer sportlichen Krise zu befreien. Im Lauf des Jahres 2019 verlor er mehr als 100 Elo, stürzte von knapp 2740 auf gut 2620 ab. | Screenshot via chess24

Nach seinem verbalen, von den meisten Beobachtern als weit überzogen empfundenen Rundumschlag gegen die DSB-Spitze via Twitch gab sich Naiditsch gegenüber der Tageszeitung reflektiert: „Ich habe immer gesagt, was ich denke, aber ich habe nie an die Form gedacht und hätte vieles besser ausdrücken können. Ich habe sicher viele Fehler gemacht.“ Seinen Fenner-Tweet hat Naiditsch in der Zwischenzeit gelöscht.

„Krass, dass sie mir das verbieten“

Der 35-Jährige betonte abermals, dass er hinsichtlich potenzieller Einsätze in der Nationalmannschaft keinerlei Ansprüche stelle. „Mir geht es nur um die Flagge hinter meinem Namen“, hatte Naiditsch schon im Gespräch mit dieser Seite gesagt. Außerdem bestätigte er, was er schon in seiner Twitch-Sondersendung angekündigt hatte: „Dass sie mir jetzt verbieten, unter deutscher Flagge zu spielen, ist krass. Ich nehme mir einen Anwalt und lasse erst mal prüfen, ob sie es mir verbieten dürfen.“

Die Entscheidung der Funktionäre, von denen Naiditsch nach eigener Aussage keinen persönlich kennt, hat derweil Bestand. Unumstritten ist sie innerhalb des Deutschen Schachbunds gleichwohl nicht. Berlins Vizepräsident Paul Meyer-Dunker kündigte an, vom Präsidium via Arbeitskreis der Landesverbände zumindest eine Begründung einzufordern, die die bislang von Krause vorgebrachte Formel „Gesamtschau der Bewertungskriterien“ mit Inhalt füllt.

(Titelfoto: Maria Emelianova/chess.com)

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