Bayerischer Meister ist – ein Württemberger!

Unser Autor Philipp Müller hat intensive Schachwochen hinter sich. Erst die deutsche Pokalmeisterschaft in Magdeburg, bei der er nach verkorkstem Start zumindest erfolgreich Schadensbegrenzung betrieb und bei 50 Prozent aufschlug. Den anschließenden Gala-Abend des Schachbunds ließ er sausen, um bei der Jugendversammlung nach dem DSB-Kongress mitzuhelfen, dass eine fundamentale Weiche des deutschen Schachs richtig gestellt wird.

Philipp Müller ist nicht nur ein exzellenter Schachspieler, womöglich ist er ein noch besserer Trainer. Als einer der wenigen A-Trainer in Deutschland hat er manches Talent in die nationale Spitze begleitet, darunter Ex-U16-Weltmeisterin Annmarie Mütsch. Mehr über Müller auf seiner Homepage. | Foto: Peter Eberl

Nach einem zu kurzen Aufenthalt im Magdeburger Hotelbett eilte Müller morgens zum Bahnhof. Nach siebenstündiger Zugfahrt in Rosenheim angekommen, ging es dort sogleich wieder ans Brett: Auftakt der Bayerischen Einzelmeisterschaft. Als passives Mitglied des SK Rochade Augsburg darf er dort mitspielen, sich allerdings nicht auf diesem Weg für die nationale Meisterschaft qualifizieren. Aktiv gemeldet ist Müller bei den württembergischen Schachfreunden Heilbronn-Biberach, bei denen er seit geraumer Zeit in der Nachwuchsabteilung für das Trainieren und Turnierbetreuen bei vielen Deutschen Vereinsmeisterschaften zuständig ist.

Die Voraussetzungen, in Rosenheim etwas zu reißen, waren nicht ideal. Trotzdem erreichte uns kurz nach Turnierende diese WhatsApp-Nachricht:

Tatsächlich:

In der letzten Runde hätte Müller ein Remis zum Turniersieg gereicht, aber sein Gegner brauchte einen Sieg, um sich für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Also wurde gekämpft. Und wie. Philipp Müller hat die Partie für uns kommentiert.

Philipp Müller (2171) – Andreas Ciolek (2230)
Bayerische Einzelmeisterschaft 2020 (9), Rosenheim

Kommentar: Philipp Müller

Lichtgestalt Andreas Ciolek könnte der beste Spieler des Schachbezirks Bodensee sein. Aber er musste ja unbedingt nach Bayern umziehen. Das Bild zeigt ihn bei den Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften 2019 am Tegernsee. | Foto: Thomas Müller

In der Schlussrunde ging es mit einem halben Zähler Vorsprung gegen einen alten Bekannten. Andreas Ciolek und ich trafen vor einem Jahrzehnt in einem Deizisauer Open aufeinander, damals zockten wir noch halbgare Varianten. Heute ging es um nichts Geringeres als um den Bayerischen Meistertitel – in meinem Fall – respektive um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft 2021, was ihn anbelangt. Dadurch, dass ich als passives Mitglied eines bayerischen Vereins quasi außer Konkurrenz spielte und Max Hess als Dritter bei der eben zu Ende gegangenen Deutschen Meisterschaft in Magdeburg schon vorberechtigt ist für 2021, konnte sich heute theoretisch noch der Vierte auf die Qualifikation für Magdeburg freuen. Ich fragte im Vorfeld bei Andreas ab, ob ihm nur ein Sieg genüge. Weil er dies bejahte, versprach ich ihm höflich zu sein und auf jede nervige Remisanfrage zu verzichten. Und los ging es!

1. e4

Und schon stützte Andreas den Kopf in die Hände. Hatte er sich etwa auf 1.c4 eingestellt und nicht damit gerechnet, dass ich mit dem offenen Visier und voller Selbstvertrauen in die letzte Runde gehe?

1… g6

Aha, die Moderne Verteidigung! Ich habe in Magdeburg in der Schlussrunde der Deutschen Pokaleinzelmeisterschaft eine sehr schöne Partie gewonnen, wofür ich mich noch bei IM Christof Sielecki bedanken wollte. Seine Repertoirevorschläge der
Keep-it-simple-Buchreihe sind an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

2. d4 Bg7 3. Nc3 d6 4. Be3

Der Spanische Großmeister Vallejo Pons empfiehlt die Nebenvariante 4. Bg5, doch wie ich vor ein paar Jahren in meiner Remis-Partie gegen Jens-Uwe Maiwald gelernt habe, ist es häufig der Weiße, der sich hier selbst aufs Kreuz legen kann. Die weiße Idee besteht in der Anfesselung der schwarzen e7-f6-Felder. Wenn Schwarz den Läufer mit …h6 befragt, kann Weiß den Läufer beliebig wegziehen, um entweder auf e7 & f6 zu schielen oder die schwarze Rochade zu erschweren, weil der Bauer h6 schwach wird. Diese Pläne sind jedoch grundverschieden und in bestimmten Zugfolgen funktioniert mal der eine Plan besser, mal der andere. Für eine nervenaufreibende Partie wie die heutige wäre dies somit zwar eine Überraschung für meinen Gegner, aber auch ein Risiko gewesen, sich selbst ein Ei zu legen. Also 4.Le3. Damit lasse ich allerdings darauf ein, dass mein Gegner meine Partie von vergangenem Samstag kennen könnte.

4… a6 5. f4 b5 6. Be2 Nd7 7. e5

Um schwarzes …e7-e5 aus der Stellung zu nehmen.

7… Bb7 8. Bf3

Die Sielecki-Empfehlung. Ist erst einmal der Weißfelder abgetauscht, spielt sich die Stellung für Weiß sehr angenehm.

8… Qc8

(Eine Verbesserung gegenüber der Magdeburger Partie! Mein Gegner in der Deutschen
Pokalmeisterschaftsendrunde spielte stattdessen schlechter 8… Bxf3 9. Qxf3 und verfolgte mittels 9… e6 10. Nge2 d5 den Ansatz, alles zu verschließen. Ich unterschätzte hier mein Spiel mit g2-g4 am Königsflügel, weil ich …h7-h5 als unangenehm für Weiß einstufte – zu viele Abtausche, zu viel Spannung, ohne rochiert zu haben. 11. O-O Ne7 Mein nun begonnenes Spiel am Damenflügel war zweifellos nicht frei von Ungenauigkeiten, aber dennoch war ich mit meinem Spiel sehr einverstanden: 12. a4 b4 13. Na2 Rb8 14. Nac1 Nf5 15. Bf2 h5 16. Nb3 Bf8 17. Rfc1 Rc8 18. c4 Nb6 19. Na5 c5 20. cxd5 (20. dxc5 +- war noch besser.) 20… Nxd5 21. Nb7 Qb6 22. Nxc5 Nxd4 (Diagramm) Hatte ich übersehen, aber als ich jetzt rechnen musste, war die Taktik schnell entschlüsselt: 23. Bxd4 Bxc5 24. Rxc5 Rxc5 25. Qf2 +- 1-0 (25) Müller, P-Othmer, M Deutsche Pokalmeisterschaft 2020 2020)

9. Bxb7 Qxb7

10. Qf3

Die schwarze Dame steht nicht verkehrt. Weiß möchte ihren Druck auf der langen Diagonalen neutralisieren und sich das Feld e4 angeln, welches von entscheidender Bedeutung sein wird.

(Sich mit 10. Nf3 der bloßen Entwicklung zu widmen, wäre schematisch. Schwarz behält Druck auf der langen Diagonalen, die weiße Dame sucht noch nach einer Aufgabe.)

10… Qxf3 11. Nxf3 e6

(Ich rechnete mit 11… Nb6, wonach der Springer nach c4 strebt zwecks Gabel auf b2 und e3, doch das simple 12. O-O-O führt zu einer angenehmen Stellung für Weiß, während Schwarz mit seinem Damenflügelspringer zwei Mal gezogen hat und sich somit quasi festgelegt hat, was er damit machen will. Auch 12.a4 b4 13.Se4 += gefiel mir.)

12. a4

Ein konkreter Ansatz, den schwarzen Aufbau zu bekämpfen. Der Turm a8 ist ungedeckt, die schwarzen Figuren schlafen alle noch ein wenig.

12… b4

„Wenn ein Bauer im letzten Zug von einem Bauern angegriffen wurde, spielen wir diesen tendenziell vorbei“, sage ich meinen Schülern oft. Das hat mit dem Streben des Verteidigers zu tun, die Stellung möglichst geschlossen zu halten. Hier ist 12…b4 klar der stärkste Zug, das sah mein Gegner genau so wie ich.

13. Ne4

13… Ke7?

Eine erste Ungenauigkeit. Aber verständlich und von mir während der Partie auch nicht als grob fahrlässig erkannt.

(Computer lassen den Bauern auf d6 ungedeckt, ein Indiz dafür, dass die Stellung aus menschlicher Sicht für Weiß leichter zu spielen ist: 13… Ne7 14. a5 (Die Idee des vorübergehenden Bauernopfers ist: 14. exd6 Nd5 15. Bd2 f5 16. Neg5 cxd6 17. Nxe6 Bf6 18. O-O-O h6 (Diagramm) Der Springer e6 bekommt große Probleme. 19. Bxb4 Nxb4 20. Nc7+ Kf7 21. Nxa8 Rxa8 mit leichtem schwarzen Vorteil. Eine aus gedrückter Stellung heraus sehr schwer zu antizipierende Zugfolge für Schwarz!) 14… Nd5 15. Bd2 f5 und Schwarz übernimmt die Initiative.)

14. a5!

Legt den Finger in die Wunde. Um ehrlich zu sein, ist dies ein von zahlreichen Toppartien abgespickter Zug. Ich war einfach glücklich, diesen Zug im Spirit vieler Carlsen-Caruana-Partien in Italienischen Partien selbst mal ausführen zu dürfen. Die simple Idee ist die Abkopplung des b4-Bauern von seinen Nachbarkollegen. Da Weiß griffig auf c5 ist und …a5 durch Blockade unterbunden hat, ist dieser Bauer nun ein gefundenes Fressen.

14… Rb8

Prophylaktische Überdeckung. Mancher Spieler mag angesichts so eines Zuges von seinem Ursprungsplan ablassen. Ich versuche aus der Inititiative heraus, eine gewisse Konsistenz zu wahren: „Wer A sagt, muss B sagen!“

15. Ra4

Konsistent ja, das Beste aber nicht unbedingt. Aber wer kann schon Zug für Zug das Beste spielen? Die weiße Idee ist einfach Le3-d2 und Eroberung des b4-Bauern. Zudem würde der weiße Läuferschwenk über den Bauerngewinn hinaus als Umgruppierung auf die Fesselungsdiagonale a3-f8 durchgehen, also quasi eine multifunktionale Idee (Gewinn des b4-Bauern, Verbesserung des Läufers e3, der mittelfristig nämlich immer mit …Sg8-h6-f5/g4 Probleme bekommen kann. Diesen Problemen wäre mit Le3-d2 prophylaktisch vorgebeugt.)

15… b3

Clever.

16. c4

Hatte ich mir zurechtgelegt. Kurz vor dem Ausführen meines Zuges fand ich aber auch 16. c3 sehr attraktiv, weil die lange Diagonale geschlossen bleibt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das zweite Brett schon längst remis vereinbart und mir war klar, dass mir ein Remis zum Meistertitel reichen würde. Aber ich fühlte, dass ich griffig in der Partie war und einen gewissen Stellungsvorteil hatte. Und was soll bitte mein Gegner denken, wenn er ein Remis bekommt und sich trotzdem haarscharf nicht für die Deutsche qualifiziert? Also legte ich den Fokus auf Wettkampforientierung und suchte Chancen, nahm dabei aber Risiken in Kauf.

16… f6

Hatte ich glatt übersehen. Wenigstens hatte ich hier eine gute halbe Stunde Zeitvorteil, sodass ich mir diese Stellung mit Bedacht anschauen konnte. Das Problem ist, dass der Bauer e5 sehr weich wird.

(Dummerweise hatte ich nur mit 16… f5 gerechnet, wonach ich mir die nette Umgruppierung 17. Nf2 mit der Idee Sf2-d3, Ke1-d2-c3, Th1-a1-a3 und völliger Dominanz zurechtgelegt hatte.)

17. exd6+?

Eine Ungenauigkeit.

(Sowohl 17. Ke2 Nh6 18. c5 d5 (18… dxe5 19. dxe5 c6 20. Rd1 Ng4 21. Rad4 Rhd8 22. Bd2 +-) 19. Nf2 +- als 17. O-O Nh6 (17… dxe5 18. dxe5 fxe5 19. fxe5 Nxe5 20. Bg5+ Kd7 21. Nc5+ Ke8 22. Nxe6 +-) 18. c5 bewertet die Engine bereits als gewinnträchtig für Weiß.)

17… cxd6 18. c5 dxc5

19. Nxc5

Ich schlug mit dem Springer, weil ich riesigen Respekt vor …f6-f5 hatte: Mein Se4 müsste ziehen, dann ginge auf b2 ein Bauer verloren.

19… Nxc5

Was sonst, a6 hing.

20. dxc5

Bei gleichem Material hat Weiß ab sofort einen gefährlichen Freibauern. Ich schätzte ab, dass mir dieser Bauer nicht zwangsweise abhanden kommen würde. Im worst Case würde ich dafür mindestens den b3-Bauern bekommen.

20… Nh6

(Nach 20… f5 21. Bd4 zahlt sich der weiße Entwicklungsvorsprung in Form von Felderkontrolle aus.)

21. Ke2

Stark. Räumt die 1. Reihe für den Turm und stellt sich aufs vernünftigste Feld. Auf der offenen d-Linie würde der König erst ein Schach per …Td8+ kassieren und beim Weitermarsch nach c3 gleich noch eines via …f6-f5. Die Sache mit der Königsaktivierung im Endspiel bei objektiver Einschätzung der Königssicherheit ist oft ein spannender Trade-Off!

21… Ng4 22. Bd4

Der Läufer geht in die „Ampel“. So nenne ich den Zwei-Felder-Abstand zwischen schräg schlagender Figur (Bauer, König, Läufer oder Dame) und gegnerischem Springer. Schräg schlagende Figur und Springer nehmen sich dann nämlich wechselseitig am meisten Felder, eine gewisse gegenseitige Dominanz. Hier profitiert insbesondere Weiß, weil der Springer g4 nicht gestützt ist und mit h2-h3 vertrieben werden kann (nach h6, wo er also herkam). Der Läufer d4 kann zwar auch mittels …e6-e5 vertrieben werden, jedoch setzt dies schwarze Zugeständnisse voraus!

22… Rhc8

Wiederum sehr clever.

23. Rc1?

Mir ist nichts Sinnvolles eingefallen, außer seinen Zug zu kopieren. Mein Läufer d4 soll entlastet werden, was die unbedingte Deckung des c5-Freibauern anbelangt.

23… e5!

Ein sehr starker Hebel im richtigen Augenblick.

24. h3?!

Die sanfte Fortsetzung. Weiß steht immer noch nicht schlechter!

(24. Bc3! exf4 (nicht 24… Rxc5? 25. fxe5 mit Abzug auf der vierten Reihe. 25… Nxe5 26. Bxe5 +-Der Turm c1 hängt, der Turm b8 aber auch – Weiß hat eine Leichtfigur gewonnen. Diese nette Taktikabfolge hatte ich sogar gesehen.) 25. Rxf4 Ne5 fand ich wegen der c1-h6-Diagonalen etwas besorgniserregend. Hinzu kam der nicht mehr vom Turm gedeckte a-Bauer, wobei ich verkannt habe, dass dieser bereits vom Läufer c3 gedeckt ist. Aber in der Vorausberechnung war mir ebensowenig klar, was ich mit meinem c5-Bauern anstellen sollte, außer diesen traurig abzuschreiben. 26. Re4 oder 26. Rd1 wäre aber deutlich besser für Weiß.))

(Auch interessant: 24. fxe5 Nxe5 25. Bxe5 fxe5 und Spiel mit Springer vs. Läufer. Wäre mir aufgefallen, dass Schwarz nach 26.Re4 über keinen überzeugenden Zug verfügt, hätte ich mich vielleicht für dieses Abspiel entschieden. 26… Kd7 (26… Ke6?! 27. Ng5+ Kd5 (27… Kf5?? 28. h4 läuft sogar in ein Mattnetz. 28… Kf6 29. Rf1+ Ke7 30. Rf7+ Ke8 31. Rxg7+-) 28. Rd1+ Kxc5 29. Ne6+ Kb5 30. Nxg7 Rc2+! ist deutlich besser, aber trotz Mehrfigur noch lange nicht trivial gewonnen für Weiß. Der Springer auf g7 ist kaum ein Faktor.) 27. Rd1+ Kc6 28. Nxe5+ +=)

24… exd4

(Schlechter wäre 24… Nh2?! Ich hatte das nur halbherzig angerechnet. Zu meinem Erstaunen lebt Schwarz immer noch. 25. fxe5 Nxf3 26. exf6+ Bxf6 27. Bxf6+ Kxf6 28. Kxf3 In diesem Doppelturmendspiel mit einem Mehrbauern gibt es noch Remishoffnungen für Schwarz. Aber natürlich spielt das mein Gegner nicht freiwillig!)

25. hxg4 f5

Die kritische Stellung. Weiß steht nur noch marginal besser. Aber ich muss keine einzigen Züge finden.

26. gxf5

(26. Kd3!? fxg4 27. Re1+ Kd7 28. Ne5+ Bxe5 29. Rxe5 Kc6 30. g3= könnte die präziseste Zugfolge für ein glattes Remis sein.)

26… d3+

Räumung für …Lxb2. Alles gesehen, die kritische und schärfste Variante.

27. Kxd3 Bxb2!

Nun hat Schwarz nachgezogen, was die Bildung eines Freibauern anbelangt. In erster Linie keine angenehme Wendung aus weißer Sicht, dem ja ein Remis reicht. Aber der b-Bauer sollte nicht zur Dame werden.

28. Re1+

Ein fieses Zwischenschach, da Schwarz in Zeitnot so viele potenzielle Züge hat und eigentlich das Ausschlussverfahren anwenden sollte. Doch genau das ist wegen Zeitnot kaum zu bewerkstelligen!

28… Kf8

Auch 28… Kd7!? ging in Ordnung.)

29. Rb1

Tc1-e1-b1 sieht so aus, als hätte ich es mir anders überlegt. In der Tat hatte ich zuerst Kc4 nebst Tb4 und Schlagen des b3-Freibauern geplant.

(Dreist weiterschlagen 29. fxg6 Rxc5 30. gxh7 Kg7 31. Rh1 kam in Betracht, war mir aber nicht geheuer. Mit weißer Kontrolle hat das nichts mehr zu tun.)

(29. Kc4? Zum Glück erkannte ich, dass nach 29… Rb5! 30. Rb4 Rbxc5+! 31. Kxb3 Bc3 -+ etwas nicht mit rechten Dingen zugeht für Weiß 😉 )

29… Bf6

30. Rc4

Ein netter Zug, der den Bauern c5 noch nicht aufgibt.

(30. Ne5? Bxe5 31. fxe5 Rxc5 32. Ra3 war meine anfängliche Hauptvariante. Nur steht hier Schwarz deutlich besser, wenn nicht auf Gewinn. Aus diesem unbefriedigenden Gefühl heraus, zwang ich mich, etwas Besseres zu suchen und fand 30.Tc4!)

30… gxf5 31. Ne5 Bxe5 32. fxe5 Rb5 33. Kd4

Wie gesagt, den c5 geben wir nicht ab!

33… Rd8+ 34. Kc3 Rc8

35. c6

Zu Zugwiederholung und Remis führt 35. Kd4

(35. Rxb3 Rbxc5 36. Rxc5 Rxc5+ 37. Kd4 Rxa5 Rb7 h5= mit einem klassischen (0.00)-Engineremis. Aber wenn hier noch einer auf den ganzen Punkt knetet, dann Weiß. Im Turmendspiel zählt Aktivität von Turm und König, und hier liegt beide Male Weiß obenauf.)

35… Rxa5 36. Rxb3 Rxe5 37. Rb7

37… Re7?!

(Am einfachsten war 37… Re6 38. Rb6 a5 39. Ra6 Ke7 40. Rxa5 Rexc6 41. Rxc6 Rxc6+ 42. Kd4 = Weiß kann auch so abwickeln, dass er nicht einen Minusbauern erhält, aber angesichts seiner Aktivität hat er keine Schwierigkeiten, den halben Punkt zu bekommen.)

38. Kb4!?

Jetzt muss Schwarz seinen Fehler wieder gutmachen.

38… Ke8?

Das verliert die Partie.

(38… Re6! ist die einzige Rettung für Schwarz. 39. Rb6!? Re5 40. Rxa6 Rb8+ 41. Kc3!? Re3+ 42. Kd4 Re4+ 43. Kc5 Rxc4+! 44. Kxc4 mit weißem Vorteil. Seine Aktivität sichert Weiß zumindest praktische Gewinnchancen.)

(Die Falle 38… Rxc6? funktioniert nicht. 39. Rb8+! Zwischenschach!)

39. Ka5!

Droht einfach Txe7 Kxe7 nebst c7, gefolgt von Kb6 und Kb7 und der c-Bauer läuft durch. Schwarz kann den Tc8 nicht per …Kd7 decken, da der König mittels eines d-Linien-Schachs weggekickt wird.

(Natürlich nicht 39. Kc5?? Rxb7! -+ Zwar verfolgen 39.Kc5 und 39.Ka5 dieselbe Idee, nämlich den König nach b6 zu aktivieren. Kc5 ist nur deswegen schlimm, weil dadurch der c-Bauer gefesselt ist und somit der Turm b7 ungedeckt. Ansonsten wäre Kc5 sogar stärker, weil es sich offen hält, ob der König über b6 oder d6 reingeht. Positionelle Feinheiten sind aber unwichtig, wenn das taktische Gerüst fehlt!)

39… Re5+

Verzweiflung.

40. Kxa6

(oder 40. Kb6, aber mir ging es nicht um den genauesten Sieg, sondern um Risikominimierung. 40… Rb5+ 41. Kxa6 +-)

40… Ra8+ 41. Kb6!

(nicht 41. Ra7? Rxa7+! 42. Kxa7! Kd8! 43. Kb7 Rb5+! und Schwarz hat zwar eine geringe Schachdistanz zum weißen König, aber diese reicht gerade so aus!)

41… Kd8

(oder 41… Re1 42. c7 Rb1+ 43. Kc6! Ra6+ 44. Kd5 und der c-Bauer wandelt sich um.)

42. Rxh7 Rb8+ 43. Rb7! Kc8 44. Rh4

Jetzt, da der h-Bauer bereits verschwunden ist, droht Th8 mit Matt.

44… Re8

Verteidigt die Grundreihe, aber das reicht hier nicht.

45. Rxb8+ Kxb8 46. Rh7

Der Turm und der c-Bauer erledigen den Rest.

46… Rf8

(Sonst könnte Weiß statt dem schnellsten Gewinntrick in ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern abwickeln: 46… Rd8 47. Rf7 Rg8 48. Rxf5 +- Grundreihenverteidigung okay, aber Matt ist nun mal Matt.)

47. Rb7+ Kc8

(oder 47… Ka8 48. Ra7+ Kb8 49. c7+ Kc8 50. Ra8+ Kd7 51. Rxf8 +-)

48. Ra7 f4

Der Gegner schenkt mir das Matt. 🙂

49. Ra8#

Weiß stand nie schlechter, aber es gab einige kritische Augenblicke, in welchen er wachsam sein musste.

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Schachhorizont – Philipp Müllers Website

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