Keine Zugeständnisse II

Wer Material gewonnen hat, der sollte danach trachten, weiteres Material vom Brett zu tauschen. Je einfacher die Stellung wird, desto weniger kann der Gegner die Lage komplizieren und zu Schummelchancen kommen. Im Idealfall steht am Ende ein einfach gewonnenes Endspiel auf dem Brett.

So weit, so wahr. Aber: Vorsicht!vorsicht.jpg

Wohl kaum ein Konzept wird beim Schach derart überstrapaziert wie das Abtauschgebot für Spieler, die einen oder zwei Bauern oder gar eine Figur gewonnen haben. Wahrscheinlich sind schon Millionen Partien gekippt, weil eine Seite plötzlich das Schachspielen eingestellt hat, nachdem sie Material gewonnen hatte.

Abtauschen ja, Zugeständnisse nein.

Abtauschen darf niemals zur obersten Maxime werden. Zuvorderst geht es weiterhin darum, dem Gegner Schwächen anzudrehen, Raum zu gewinnen, Angriffe zu initiieren, kurz: Vorteile anzuhäufen. Eine gute Stellung besser zu machen, ist umso einfacher, wenn unsere Armee größer ist als die des Gegners.

Ein besonderer Fall tritt ein, wenn wir in ein Bauernendspiel abwickeln können. Bauernendspiele sind  fast immer einfach gewonnen für die Seite mit einem oder gar zwei Mehrbauern, sobald sich diese Seite einen Freibauern bilden kann (und der Gegner nicht), also einen Bauern, der bis zur gegnerischen Grundlinie durchlaufen kann, ohne von gegnerischen Bauern geschlagen zu werden.

So einen Fall haben wir hier vor uns.

Antwort 24:

Renate Löwner – Stefan Lipphaus, November 2017

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Schwarz tauscht auf e1 geschwind alle Schwerfiguren ab und steuert die Partie in ein gewonnenes Bauernendspiel.

Nach 1…De6xe1+ 2.Dd2xe1 Te8xe1+ 3.Kf1xe1 steht es so:

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Sein Mehrbauer beschert dem Schwarzen eine Bauernmajorität am Damenflügel. Dort wird er sich, unterstützt von seinem König, einen Freibauern bilden. Der läuft entweder durch, oder der Weiße stoppt ihn mit seinem König, muss dann aber seine Königsflügelbauern im Stich lassen. Während Weiß am Damenflügel den Freibauern aufhält, wird der Schwarze genüsslich den weißen Königsflügel abräumen.

Der Gewinnplan sieht so aus:

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Schwarz marschiert mit seinem König nach d5, um den Vormarsch seiner Bauern am Damenflügel zu unterstützen. Sein a-Bauer läuft nach a5, sein c-Bauer nach c5 und dann weiter nach c4. Sobald Weiß auf c4 schlägt, wird der schwarze a-Bauer zum entfernten Freibauern, und den kann Weiß nur aufhalten, wenn er seine anderen Truppen im Stich lässt. Schlägt Weiß nicht auf c4, wird der schwarze d-Bauer, unterstützt zum König, Richtung Grundreihe drängeln.

Merke: Im Endspiel wird der König zu einer enorm starken Figur. Während wir ihn bei vollem Brett besser in Sicherheit bringen und behüten, lassen wir ihn gerne mitmischen, wenn sich das Brett geleert hat.

Wer Zweifel hat, ob er die schwarze Stellung gewinnen kann, der spielt sie einfach mal gegen den Computer. Und wer sie tatsächlich nicht gewinnt, der übt halt ein bisschen, bis es klappt. Schwierig ist es nicht.

Ein Klick hier öffnet ein Brett, auf dem das Endspiel schon aufgebaut ist, und an dem ein Computergegner zum Üben bereitsteht.

5 Kommentare zu „Keine Zugeständnisse II

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