Zum Fest drei Bücher, ein Titel und den Bart ab

Dieser Herr bräuchte nur einen roten Mantel und eine Mütze, um als Weihnachtsmann aufzutreten. Einen Rauschebart müsste er sich nicht ankleben, den hat er schon. Aber nicht mehr lange.

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Der Bart kommt jetzt ab: Großmeister Aman Hambleton. (Foto: Eric Rosen)

Im Februar 2017 hat der kanadische Internationale Meister (IM) Aman Hambleton gelobt, sich erst wieder zu rasieren, wenn ihm der Großmeistertitel (GM) sicher ist. Zwar fehlte ihm nur noch eine von drei erforderlichen GM-Normen, trotzdem kann so ein Gelöbnis leicht nach hinten losgehen. „Großmeister“ ist der höchste im Schach zu vergebende Titel, und die dazugehörige Norm gibt es nur für Leute, die ein Turnier mit einem Weltklasseergebnis abschließen. So etwas lässt sich weder planen noch aus dem Ärmel schütteln, das gilt auch für so starke Spieler wie Hambleton.

(Ok, warum beschäftigt sich ein deutsches Provinzblog mit einem kanadischen Schachspieler, von dem kaum ein Alemanne je gehört hat, mag sich der Leser fragen. Ganz einfach, im Internet ist Aman Hambleton ein Star. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner GM Eric Hansen und dem US-amerikanischen (in Holland lebenden) ehemaligen Top-10-Spieler Yasser Seirawan betreibt er auf Twitch und Youtube den erfolgreichen Kanal „Chessbrah“. Deren Shows sind oft unterhaltsam und immer instruktiv, sobald Seirawan seinen fast 40 Jahre jüngeren Mistreitern die Elektromucke leiser dreht und aus dem Nähkästchen eines Weltklassespielers plaudert. Überragend in dieser Beziehung waren die Chessbrah-Live-Shows während des unlängst beendeten World Cups. Großes Kino, zumindest für Freunde des Denksports.)

Talent, Wissen und Wettkampfhärte

Im kommenden Jahr wird Aman Hambleton nicht über seinen Bart stolpern, und er wird nicht zur Heckenschere greifen müssen, um das wuchernde Gestrüpp in seinem Gesicht zu bändigen. Pünktlich zu Weihnachten hatte er sich schon vor der letzten Runde bei einem stark besetzten Turnier in Sitges (Spanien) die finale Großmeisternorm gesichert. Im Zwischennetz jubeln die Chessbrah-Fans, und im Chessbrah-Badezimmer wird jetzt der Rasierer brummen.

Zu Weihnachten der Großmeistertitel, davon können wir in Überlingen mangels Talent, Wissen und Wettkampfhärte nur träumen. Wir backen kleinere Brötchen und beschenken uns stattdessen mit ein paar Büchern, die, wenn gewissenhaft durchgeackert, wenigstens den Weg zum Kleinmeister ebnen könnten. War das eine Freude, als noch vor Heiligabend der DHL-Weihnachtsmann unser Schachpäckchen ablieferte.

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Die beiden englischsprachigen Werke sind für die Zielgruppe dieses Blogs eher nicht geeignet, noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht erwacht ja eines Tages in einem jungen Überlinger der Wunsch, der Kreisklasse Bodensee zu entwachsen, sich mit ernsthaften Gegnern nicht nur anzulegen, sondern diese reihenweise niederzumähen. Dafür sind wir jetzt präpariert. Einfach Artur Jussupows mehrfach preisgekrönte und in den Himmel gelobte Tigersprung-Reihe durcharbeiten, und schon entsteht ein Fundament, wo jetzt ein Vakuum ist auf dem sich eine prächtige DWZ aufbauen ließe.

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