960-Weltmeisterschaft: Abdusattorov dominiert, Donchenko sekundiert, Blübaum kämpft um Platz sieben

Nach durchwachsenem bis verkorkstem Verlauf hat Matthias Blübaum die Vorrunde der 960-Weltmeisterschaft in Island versöhnlich beendet – mit einem Partiegewinn gegen Vladimir Fedoseev, von dem er sich im zweiten Match dieser beiden 1:1 trennte. Trotzdem muss sich Blübaum mit dem vierten und letzten Platz seiner Vorrundengruppe hinter Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura und Fedoseev begnügen.

Den Ergebnissen nach wurde Matthias Blübaum in der Vorrunde unter Wert geschlagen. Auch gegen Magnus Carlsen war mehr drin (siehe Video).

Nach dem heutigen Ruhetag spielt Blübaum am Sonntag ein Match um den siebten Platz im Gesamtklassement gegen den Vierten der anderen Vorrundengruppe, den isländischen Großmeister Hjörvar Steinn Grétarsson. Es geht um immerhin 5.000 Dollar Preisgelddifferenz: Der Siebtplatzierte der 960-WM gewinnt 15.000 Dollar, der Achtplatzierte 10.000.

Dominierende Figur des Wettbewerbs ist bislang der gerade 18-jährige Usbeke Nodirbek Abdusattorov. Mit 9,5 Punkten aus den ersten 10 Partien stand er schon als Gruppensieger fest, bevor ihn beim 0,5:1,5 gegen Wesley So seine erste Partie- und seine erste Matchniederlage dieser WM ereilte.

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Titelverteidiger So half dieser Sieg nicht. Er beendete seine Vorrunde als Gruppendritter hinter Abdusattorov und Ian Nepomniachtchi. Der US-Amerikaner wird am Samstag gegen Vladimir Fedoseev ein Match um Platz fünf spielen. Seinen Titel kann er nicht verteidigen.

Nodirbek Abdusattorov, in der Vorrunde die dominierende Figur der WM, hier mit einem Sieg über den Weltranglistendritten Ian Nepomniachtchi, der alle vier Partien gegen Abdusattorov verlor.

Dem 18-jährigen Usbeken hilft seine glänzende Vorrunde nicht für alles Weitere. Im Halbfinale fangen die Kontrahenten beim Stand von 0:0 neu an. Abdusattorov trifft auf Nakamura, während Carlsen und Nepomniachtchi eine Neuauflage des WM-Matches 2021 bestreiten. Die Gewinner dieser Matches stehen sich am Sonntag im Finale gegenüber.

Matthias Blübaum, die deutsche Nummer zwei, ist nicht der einzige Deutsche im Feld. Auch Alexander Donchenko, die Nummer drei, weilt in Island – als Sekundant von Vladimir Fedoseev. Seinen schachlichen Beitrag schätzt Donchenko allerdings gering ein. Er begleite Fedoseev eher, um ihm Gesellschaft zu leisten, sagte Donchenko auf Anfrage dieser Seite.

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Mittendrin, aber am Brett nicht dabei: Alexander Donchenko (links) sekundiert Vladimir Fedoseev. | Foto: Lennart Ootes/FIDE

Für die Vorbereitung bleibt allen Akteuren nur ein 15-Minuten-Zeitfenster nach der Auslosung der Position.

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Magnus Carlsen vertieft sich in dieser Viertelstunde mit seinem Sekundanten Peter Heine Nielsen in die Stellung. Lokalmatador Gretarsson hat die isländische Schachlegende Helgi Olafsson für diese 15-Minuten-Vorbereitung angeheuert, einen der ganz wenigen Großmeister, die mit Bobby Fischer Fischer-Schach gespielt haben. Er habe damals die ersten beiden Partien gewonnen, aber die folgenden vier verloren, berichtete der 66-Jährige am Rande der Veranstaltung.

https://twitter.com/fischer_random/status/1585726540499025921

Andere WM-Teilnehmer haben erst gar keinen Sekundanten mitgebracht und sind stattdessen mit Familie angereist. Nodirbek Abdusattorov etwa sitzt in den 15 Minuten vor Partiebeginn allein vor einem Brett mit der zu spielenden Position, bewegt Figuren hin und her und erkundet die Möglichkeiten. Auch Matthias Blübaum bereitet sich alleine vor – ohne Figuren zu bewegen. Der 24-jährige analysiert im Kopf, während er vor der Stellung sitzt. Hikaru Nakamura und Wesley So haben derweil ein Team gebildet. Die beiden schauen sich die jeweilige Startposition gemeinsam an.  

https://twitter.com/fischer_random/status/1585721657448026112
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Matthias Kribben
27 Tage zuvor

Phantastische Analysen zur chess960-Weltmeisterschaft! Bei Kommentar- Einstieg zur Partie-Mitte sollte aber immer erwähnt werden, welcher Spieler noch welches Rochaderecht besitzt, weil sich das nicht immer automatisch erschließt. Für 960-Fans: Ende Januar großes Schach960-Turnier der Schach960-Stiftung in Berlin, u.a. mit David Navarra und Georg Meier.