“Mir hat nie jemand die Red-Bull-Dose am Brett verboten.”

Im Kragen-Konflikt um Spieler-Sponsoren fordert US-Großmeister Hikaru Nakamura jetzt von der FIDE, energisch einzugreifen, um der Angelegenheit ein Ende zu bereiten.

Grand-Prix-Organisator World Chess will die Sponsoren der Spieler zur Kasse bitten, andernfalls dürften sie beim Grand Prix nicht präsent sein. Nach dem Inder Vidit und dem Niederländer Anish Giri ist Nakamura der dritte Grand-Prix-Teilnehmer, der in dieser Sache deutlich Stellung bezieht. Das Ansinnen des Veranstalters hat er in einem Schreiben an World Chess scharf zurückgewiesen. Das und mehr sagte Nakamura jetzt auf YouTube.

World Chess organisiert und vermarktet im Auftrag der FIDE den Grand Prix, der am 3. Februar in Berlin beginnt, voraussichtlich das letzte FIDE-Turnier unter World-Chess-Obhut. Ende vergangener Woche bekamen die 24 Teilnehmer Post von World-Chess-Chef Ilya Merenzon. Darin stand, sollten die Spieler wünschen, dass ihre Sponsoren sich im Rahmen des Grand Prix präsentieren, sollten sie sich melden, und sie bekämen ein Angebot. Unter anderem hieß es laut einem Bericht auf chess24:

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Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass einige Spieler Verträge mit neuen und bestehenden Sponsoren für das Jahr 2022 aushandeln. Gerne bieten wir Ihren Sponsoren Sichtbarkeit während der Grand-Prix-Turniere an. Das Paket beinhaltet das Recht, das Logo auf der Jacke des Spielers und die digitale Präsenz anzuzeigen. Wenn Sie möchten, dass Ihre Sponsoren während der Grand-Prix-Serie beworben werden, lassen Sie es mich wissen, und ich stelle Kontakt mit unserem Partner-Spezialisten her.

Im Klartext: World Chess will den persönlichen Sponsoren der Spieler keine Sichtbarkeit während der drei Grand-Prix-Turniere in Berlin und Belgrad zugestehen – außer sie zahlen dafür.

Dieses Vorgehen repräsentiert eine Kehrtwende gegenüber dem bislang im Spitzenschach üblichen. Wer im WM-Zyklus das Logo seines Sponsors tragen wollte, musste das anmelden und bekam stets den Segen der FIDE. “Mir hat nie jemand die Red-Bull-Dose am Brett verboten”, sagt Nakamura.

Betroffen ist unter anderem Vincent Keymer, der eher keine Getränkemarke vorzuzeigen gedenkt, aber am Brett stets mit dem Grenke-Schriftzug auf der Brust oder am Kragen zu sehen ist. Die Anfrage dieser Seite bei der Grenke AG, wie sie das World-Chess-Vorgehen einordnet und damit umzugehen gedenkt, hat das Unternehmen nicht beantwortet.

World-Chess-Chef Ilya Merenzon sagt, er wolle potenziellen Konflikten vorbeugen. Sponsoren suchten Verlässlichkeit. Ein von Mastercard gesponserter Grand Prix könne schlecht einen von Visa gesponserten Spieler dessen persönliches Sponsorenlogo präsentieren lassen, so das von Merenzon konstruierte Beispiel.

Nicht ohne meine Dose: Die Partnerschaft Nakamura-Red Bull besteht noch, ist aber in der jüngeren Vergangenheit zu einer der kleineren geworden, die der auf Twitch und YouTube mit jeweils mehr als einer Million Followern gesegnete Schach-Unterhalter pflegt. | Foto via Sinquefield Cup

Nakamura schließt sich der Argumentation seiner Kollegen an: Schach sei noch viel zu klein, um solche Konflikte zu produzieren, außerdem sei es für die Spieler schwierig genug, Unterstützer zu finden. So lange der Status des Nischensports Bestand habe, sei es vordringliche Aufgabe von Organisatoren, den Spielern zu helfen, anstatt deren Unterstützer abzuschrecken.

Mit Nakamuras Stellungnahme dürfte die Frage um seine Grand-Prix-Teilnahme beantwortet sein. Als der US-Amerikaner nach einem positiven Corona-Test bei der Rapid- und Blitz-WM in Warschau gestrandet war, hat er überlegt, der Pandemie wegen auf den Grand Prix zu verzichten, für den er den Freiplatz der FIDE bekommen hat. Angesichts seines Engagements in der Sponsorensache sieht es nun aus, als beabsichtige Nakamura, in Berlin den Kampf um die letzten beiden Tickets fürs Kandidatenturnier 2022 aufzunehmen.

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Thorsten
Thorsten
4 Monate zuvor

Gewagte These zum Schluss: Oder er hat genau deshalb keine Lust. Interessant ist, ob es bereits unterschriebene Spielervereinbarungen oder so etwas gibt. Wer schließt so etwas mit wem ab? World Chess mit den Spielern? Die Fide mit den Spielern? Verstößt Red Bull gegen die Doping-Bestimmungen, finde ich spannender in Bezug auf die Brause? Immerhin verleiht das angeblich Flügel. Red Bull selbst wohl aufgefallen.
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