Carlsen entthront: Blitzschach-Weltmeister Maxime Vachier-Lagrave

Maxime Vachier-Lagrave ist Weltmeister im Blitzschach. Nachdem der Franzose die WM mit 15 Punkten aus 21 Partien auf dem geteilten ersten Platz beendet hatte, besiegte er im Playoff Jan-Krzysztof Duda. Der Pole wurde Zweiter, Alireza Firouzja Dritter, nachdem er zwar ebenfalls 15/21 erzielt hatte, damit aber nicht für den Tiebreak qualifiziert war.

Die 17-jährige kasachische IM Bibisara Assaubayeva hat in überlegener Manier den Frauentitel gewonnen. Mit 14/17 wurde sie Erste, gefolgt von Alexandra Kosteniuk (12,5/17) und Valentina Gunina (12/17). Polina Shuvalova erzielte zwar ebenfalls 12/17, bekam aber aufgrund schlechterer Wertung nicht die Bronzemedaille.

Rasmus Svane und Alexander Donchenko beendeten die Blitz-WM mit jeweils 12,5/21 auf dem geteilten 24. Platz. Beide gewannen nach Angaben des Schachbunds gut 1.200 Dollar Preisgeld. Bei den Frauen wurde Elisabeth Pähtz geteilte Achte mit 11/17.

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Speziell Rasmus Svane blickt auf ein glänzendes Turnier zurück, bei dem er sich immer wieder in Tuchfühlung zur Spitzengruppe bewegte. Niederlagen in Runde 19 und 20 sowie ein Remis zum Abschluss sorgten dafür, dass seine schlussendliche Platzierung kaum seine Leistung spiegelt. Donchenkos Blitz-WM war über die Distanz gefühlt weniger gelungen – aber ein gewaltiger Endspurt mit 4/4 inklusive eines Sieges über Sergej Karjakin zum Schluss hievte den Gießener noch in die Preisränge.

Nicht nur dank dieses Schwarzsiegs über Fabiano Caruana sah es lange so aus, als würde Rasmus Svane bei bei Blitz-WM ganz oben mitspielen.

Wie die Schnellschach-WM endete die Blitzschach-WM mit einer Debatte um die offenkundig wenig sinnhafte Tiebreak-Regelung für die Spitzenränge, die sich leicht verbessern und transparenter gestalten ließe:

Schon vor einem Jahr im Gespräch mit dieser Seite hat Paul Meyer-Dunker angemerkt, dass das Schach vom eSport lernen kann. Die Rapid- und Blitz-WM legt einmal mehr nahe, dass er Recht hat.

Begonnen hatte der Tag für die meisten Spieler mit langem Anstehen vor der improvisierten Covid-Test-Station:

Für die Veranstalter begann er mit den ersten Covid-Fällen des Turniers. Drei Spieler wurden positiv getestet, darunter Hikaru Nakamura. Nach Angaben der FIDE haben die Veranstalter die Gegner der betroffenen Spieler kontaktiert. Zumindest ein Gegner (der Namakura zum Auftakt ein Remis abgenommen hatte) konnte das nicht bestätigen:

https://twitter.com/MaxB1994/status/1476541185225277445

Der Fortgang des Turniers stand eine zeitlang auf der Kippe. Erst verzögerte sich erste Runde um 30 Minuten, dann um eine Stunde. Seitens der Spieler stand die Sorge im Raum, ob sie zum neuen Jahr nach Hause reisen können. Ein positiver Test hätte Flugreisen unmöglich gemacht.

Hikaru Nakamura zog sich derweil in sein Hotelzimmer zurück, um von dort aus seinen Twitch-Kanal mit einem Blitz-WM-Stream zu füttern. Seinen positiven Test sah er mit einiger Bitterkeit: „Ich war vorsichtig, habe zum Beispiel auf das Grand Swiss verzichtet. Eine schreckliche Ironie, jetzt hat es mich doch getroffen.“ Ob die Infektion seine Entscheidung beeinflusst, den Grand Prix (ab 3. Februar in Berlin) zu spielen, ließ Nakamura offen: „Ich denke darüber nach.“

Letztlich entschieden die Veranstalter, das Turnier fortzusetzen. Masken wurden empfohlen, nicht vorgeschrieben, und weiterhin entschieden viele Spieler, während der Partien darauf zu verzichten.

Der vermeintliche kommende Blitz-Weltmeister hatte sich schon am ersten Tag abgezeichnet, als Levon Aronian bei 10/12 aufschlug. Den zweiten Tag begann Aronian mit 3,5/4, er schien dem Feld davonzuziehen, konnte aber diese Schlagzahl nicht halten.

Gan anders der Titelverteidiger, der als Weltmeister aller drei Disziplinen nach Warschau gekommen war. Magnus Carlsen hatte den ersten Tag mit zwei Niederlagen beendet und schaffte am zweiten die nötige Aufholjagd allenfalls in Ansätzen.

Vor der letzten Runde standen sechs Spieler punktgleich mit 14/20 an der Tabellenspitze: Aronian, Dubov, Artemiev, Duda, MVL und Firouzja. Dahinter mit 13,5/20 unter anderem Magnus Carlsen.

“Wollte unbedingt gewinnen”

Als Erster schied Daniil Dubov aus dem Titelrennen aus, indem er Anish Giri ein schnelles Remis zugestand. Währenddessen besiegte Duda Artemiev, Firouzja gewann gegen Aronian und Vachier-Lagrave brachte Carlsen die sechste Niederlage des Turniers bei.

Bild
Zwischen den Runden. | Foto: Rafal Olieksiewicz/FIDE

Leidtragender der Tiebreak-Regelung war diesmal Alireza Firouzja, der sich mit einem gewaltigen Schlussspurt noch auf den geteilten ersten Platz vorgespielt hatte, aber nach Wertung trotzdem außen vor blieb. Das Finale bestritten die beiden Wertungsbesten, MLV und Duda. Es bedurfte dreier Tiebreak-Partien bis zum Triumph des Franzosen.

„Ich wollte in diesem Jahr unbedingt noch etwas gewinnen“, erklärte hinterher ein freudig-erleichterter MVL. Oft sei er nahe dran gewesen und doch immer knapp gescheitert. Umso schöner, dass es nun bei der letzten Gelegenheit des Schachjahres 2021 geklappt hat.

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Anton Schwaiger
Anton Schwaiger
20 Tage zuvor

“Als Erster schied Dubov aus dem Titelrennen aus, indem er Anish Giri ein schnelles Remis zugestand …”
Dieser Absatz scheint doppelt im Artikel zu sein?!

schwichtd
schwichtd
20 Tage zuvor

Hat sich Karjakin schon zu Wort gemeldet?! Er will uns bestimmt mitteilen, wer diesmal daran schuld ist, warum Russland nicht alle Weltmeister-Titel an sich reißen konnte. Mein Tipp: Dubov. Der hat bestimmt wieder interne Geheimnisse an den Rest des Feldes weitergegeben.

Gerald
Gerald
16 Tage zuvor
Reply to  schwichtd

Viele Russen haben einen beinharten Patriotismus, der oft eine objektive Sicht auf die Dinge verhindert. Dubov ist da ein angenehm sachlicher Gegenpol.