Carlsen-Tour: Blübaum ist raus

Die Französisch-Wertung beim aktuellen Turnier der Carlsen-Tour hat Matthias Blübaum klar gewonnen. Drei Punkte aus vier Schwarzpartien, eine Leistung jenseits der 2900. Nachdem “Le Blü” am zweiten Turniertag dem Weltranglistenfünften Levon Aronian eine Französisch-Lektion erteilt hatte, musste am dritten der Weltranglistenvierte Ian Nepomniachtchi zuschauen, wie ein Blübaumscher Springer seine ins schwarze Lager ragende Bauernkette zertrümmerte.

Matthias Blübaums erteilt WM-Kandidat Ian Nepomniachtchi eine Französisch-Lektion. Klick auf “Play” startet die kommentierte Partie.

Nicht nur in der Französisch-Wertung dominierte die deutsche Nummer eins das mit Weltklassespielern gespickte Feld. Auch in der Kohlenstoffoxid-Wertung lag Blübaum vorne, wenngleich nicht ganz so deutlich.

https://twitter.com/AirthingsGlobal/status/1358773248851337219

“Wir empfehlen, ein Fenster zu öffnen”, lautete die Empfehlung von Toursponsor Airthings für Müffel-Matthias. Nur übersah die Frischluftfirma, dass der Bielefelder Mathematikstudent auch die Alpin-Wertung des Turniers gewonnen hätte, hätte es denn eine gegeben.

In Bielefeld war Wintereinbruch, und das in einem Maße, dass auf Twitter der Hashtag #Bielefeld trendete: 70 Kilometer lang staute sich der Verkehr auf der eingeschneiten, an der ostwestfälischen Metropole vorbeiführenden Autobahn 2.

Mutmaßlich türmten sich auch vor Blübaums Behausung und auf den Fensterbänken die Schneemassen. Mal abgesehen vom zu erwartenden Temperatursturz in seiner Behausung: Vielleicht ließen sich Blübaums Fenster unter diesen Umständen gar nicht öffnen? Und wenn doch, wahrscheinlich wäre die weiße Pracht nicht leise hereingerieselt, sondern lawinenartig hineingedonnert.

Die Chance für mehr war da

Was sollte er unter diesen Umständen machen? Matthias Blübaum bestritt den dritten Turniertag mit einem unzureichend mit Sauerstoff versorgten Denkwerkzeug. Trotzdem reichte es, siehe oben, um den möglichen kommenden WM-Herausforderer aus Russland vorzuführen, während der WM-Kandidat Grischuk am deutschen Franzosen abprallte. Sogar den WM-Kandidaten und Wijk-Co-Sieger Anish Giri hatte Blübaum an der Angel. Leider riss die Schnur, als er bereit war, auch diesen Fisch an Land zu ziehen.

Der Dreifach-Sieg in der Französisch-, Kohlenstoffoxid- und Alpin-Kategorie geht leider nicht in die Gesamtwertung ein. Für die zählen nur schnöde Schachpunkte, und von denen hätte Blübaum mindestens zwei mehr sammeln müssen, um sich unter den ersten Acht zu platzieren und im Turnier zu bleiben. Die Gelegenheiten dafür hatte er.

Bericht und kommentierte Partien zum Ende der Vorrunde.

Eingerahmt von den WM-Kandidaten Alexander Grischuk und Ding Liren, landete Blübaum auf Rang 15. Der Chinese absolvierte das Turnier mit dem Handicap, das ihn regelmäßig trifft, seitdem Eliteschach in erster Linie online gespielt wird: Die jeweilige Runde begann um Mitternacht seiner Zeit und zog sich bis in die Morgenstunden. Immerhin hielt dieses Problem Ding nicht davon ab, dem Vorrundensieger und Weltmeister Magnus Carlsen eine von zwei Niederlagen zuzufügen.

Überraschend ist in erster Linie das Ausscheiden der Schnellschach-Spezialisten Nakamura und Nepomniachtchi.

Die K.o.-Endrunde beginnt mit diesen Matches:

Screenshot via chess.com

Liveübertragung heute ab 17 Uhr hier.

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