Oh là là, le Blü!

Einen Spitznamen für Alexander Donchenko hat die Schach-Fangemeinde schnell gefunden. Donchenko ist „Der Don“. Bei Matthias Blübaum gestaltet sich die Suche komplizierter. Bislang sind drei Varianten im Umlauf: „Blübi“, „Matze“ und „Blümi“.

Seitdem Matthias Blübaum der einstigen Nummer zwei der Welt Levon Aronian am gestrigen Sonntag eine Französisch-Lehrstunde erteilt hat, bietet sich eine vierte Variante an: „Le Blü“.

Blübaum zerlegt Aronian: Klick auf „Play“ startet die kommentierte Partie.

Zum Auftakt des Opera Euro Rapid, aktuelles Turnier der Carlsen-Tour, war es für Blübaum knüppeldick gekommen: fünf Partien gegen den Weltmeister und vier WM Kandidaten. Wir haben gestern darüber berichtet – und festgestellt, dass die deutsche Nummer eins eine Schippe wird drauflegen müssen, will er unter die besten acht des Elitefelds kommen und sich damit für die K.o.-Endrunde qualifizieren.

https://twitter.com/zugzwang_76/status/1358529086323326978

Mit einem Schwarzsieg gegen Levon Aronian ging es am zweiten Tag super los. Und es sollte noch besser kommen. Eine Stunde später am Ende einer auf- und abwogenden Partie gegen den genialischen Russen Daniil Dubov sah Matthias Blübaum ein gewonnenes Turmendspiel vor sich.

Der a-Bauer soll durchlaufen, wie geht das? Klick auf „Play“ startet das kommentierte Endspiel.

Einen präzisen Königszug musste er noch machen, und Dubov hätte sich bald geschlagen gegeben.

Tja. Der König landete auf dem falschen Feld, die Partie wurde remis, und am Ende des Tages ging unglücklich eine beidseitig ambitioniert vorgetragene Partie gegen Jan-Krzysztof Duda verloren, eine Partie, die Blübaum nie und nimmer hätte verlieren müssen. Wieder so ein Turmendspiel.

Duda-Blübaum nach 68…b3: Mit 69. Kc5! führt Weiß die Partie ins remis. Der weiße König wird gebraucht, um die schwarzen Bauern zu halten und ggf. in Zusammenarbeit mit dem Turm den vorwitzigen b-Bauern abzuholen. Der Unterschied offenbart sich nach Blübaums 69.g5? -+ b2 70.Tb1 Ta2!: Jetzt steht Weiß dem Vormarsch des a-Bauern hilflos gegenüber, während sein g-Bauer niemals Land sehen wird.

Matthias Blübaum steht jetzt bei 3,5/10, und er wird sich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht für die Endrunde qualifizieren. Heute geht es ab 17 Uhr gegen die Herren Grischuk, Giri, Nepomniachtchi, Nakamura, Vidit (Liveübertragung hier). Es wären mindestens 4/5 nötig, besser 4,5/5, um noch den Sprung unter die besten acht zu schaffen.

Zuschauen lohnt sich trotzdem. Nach den heutigen fünf Runden werden wir aller Voraussicht nach nicht so bald wieder in den Genuss kommen, einen Landsmann im Wettbewerb mit der Elite zu sehen.

Bericht und kommentierte Partien bei chess.com.

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