Donchenko vertraut nur sich selbst, Nisipeanu stichelt gegen Meier

Mit Liviu Dieter Nisipeanu und Alexander Donchenko haben sich jetzt die deutsche Nummer zwei und drei zu den Vorgängen im Leistungssport geäußert. Während Donchenko sich im Gespräch mit dem Gießener Anzeiger hinsichtlich Verbandsdingen desillusioniert gibt („vertraue nur mir selbst“), scheint bei Nisipeanu der Stachel der Trennung vom mit ihm befreundeten Bundestrainer Dorian Rogozenco tief zu sitzen. Er wirft Georg Meier in der Zeitschrift Schach persönliche Motive vor. Meier sei es beim Koordinieren des Spieleraufstands auch um seinen Platz in der Nationalmannschaft gegangen, lässt Nisipeanu durchblicken.

Der jüngst in den A-Kader aufgerückte Donchenko hatte das Ultimatum der B-Kader-Spieler nicht unterzeichnet. „Ich halte mich in dieser Diskussion zurück, weil ich eigentlich nie sonderlich viel Kontakt zu Verband und Bundestrainer hatte“, erklärte er gegenüber der Gießener Tageszeitung. Die jüngste Entwicklung bewertet er gleichwohl positiv: „Das Präsidium kommuniziert nun immerhin mit den Spielern.“ Das habe es vorher so nicht gegeben.

Aber er, Donchenko, begreife sich ohnehin eher als Einzelsportler, der nicht viel vom Verband erwartet: „Mit dem habe ich ja nicht erst seit einem Jahr zu tun. Man hat sich fast schon daran gewöhnt, nur auf sich selbst zu vertrauen.“ Sollte es jetzt zu einer „faireren Behandlung der Spieler, auch faireren Nominierungen für die Nationalmannschaft“ kommen, fände Donchenko das gut.

Liviu Dieter Nisipeanu und Alexander Donchenko beim Ausüben ihres Jobs. | Foto: DSB

Liviu Dieter Nisipeanu verwies gegenüber der Zeitschrift Schach auf Meiers durchwachsene Bilanz bei den vergangenen drei großen Mannschaftsturniere. Darin seien dessen „lauten öffentlichen Äußerungen“ begründet. „Vielleicht sollten wir ihm ein lebenslanges Spielrecht in der deutschen Nationalmannschaft einräumen – dann könnten wir uns wieder auf unseren Job – ja, Schach spielen! – konzentrieren“, sagt Nisipeanu.

Persönliche Gefühle spielen auf Seiten Meiers bestimmt eine Rolle. Mit Beginn der Pähtz-Affäre hat er sich mehrfach zurückgesetzt und gekränkt gefühlt. Auf Twitter ist nachzulesen, zu welch harscher Einschätzung seiner Gesprächspartner (bzw. -verweigerer) in der Schachbund-Chefetage Meier im Lauf der vergangenen Monate gelangt ist: der eine „verdient keinerlei Vertrauen“, der andere sei „ein Blender, dessen Motive ein Mysterium sind“. Beides wird Meier in den vergangenen Wochen beim Schmieden der Spieler-Allianz nicht einfach so ausgeblendet haben.

Um seinen Platz in der Nationalmannschaft geht es dem Banker aus Baden-Baden eher nicht, da liegt Nisipeanu mit höchster Wahrscheinlichkeit falsch. Gegenüber dieser Seite hat Meier mehr als einmal gesagt, dass er in der Nationalmannschaft kommender Jahre in erster Linie die derzeit groß aufspielenden Youngster sieht. Der Einschätzung, dass er schon 2021 einer von mehreren Großmeistern sein könnte, die allenfalls für das fünfte Brett infrage kommen, hat Meier nie widersprochen.

Konkurrenzdenken gegenüber den Kollegen klang nie durch, im Gegenteil: Als einziger via Twitter und Twitch öffentlich sichtbarer deutscher Spitzengroßmeister zeigt Meier kontinuierlich seine Begeisterung für Vincent Keymers Schach ebenso wie sein Daumendrücken für Matthias Blübaum. Dessen EM-Halbfinale gegen Alexei Shirov hat Meier via Twitch live kommentiert.

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