Wolfgang Uhlmann (1935-2020)

Vor einiger Zeit hat die FIDE einen Unterstützungsfonds für verdiente Schachmeister im fortgeschrittenen Alter aufgelegt. Unter denen, die daraus Mittel beziehen sollten, war Wolfgang Uhlmann. Der deutsche Großmeister lehnte ab. Uhlmann bat den Weltverband, jemanden zu finden, der das Geld dringender braucht als er.

Diese Episode erzählte jetzt FIDE-Direktor Emil Sutovsky auf seinem Facebook-Account, nachdem er vom Tod Wolfgang Uhlmanns erfahren hatte. Sutovsky reihte sich ein in die lange Reihe derer, die Uhlmanns Klasse als Mensch und als Schachmeister rühmen.

„Wolfgang Uhlmann ist nicht Trends gefolgt. Er hat sie gesetzt“, schreibt der Schweizer Großmeister Yannick Pelletier in seinem von schachlicher Dankbarkeit geprägten Nachruf:

Uhlmann war Dresdner, 85 Jahre lang. Im sächsischen Elbflorenz wurde er 1935 geboren, hier überlebte er als Kind die alliierten Flächenbombardements im Februar 1945, hier wohnte er bis zu seinem Tod am vergangenen Montag. Buchdrucker und Industriekaufmann hat der junge Wolfgang einst gelernt, diese Berufe aber kaum ausgeübt. Wolfgang Uhlmann war Schachspieler.

Welches Potenzial in ihm schlummert, offenbarte sich spätestens 1951, als Uhlmann die gesamtdeutsche Jugendmeisterschaft gewann. Schon drei Jahre später der erste Anlauf Richtung Weltmeisterschaft: Teilnahme am Zonenturnier in Marienbad, die erste von vielen im Lauf eines Vierteljahrhunderts.

Anders als in der Sowjetunion wurde Schach in der DDR kaum gefördert. Aber das galt nicht für einen Ausnahmekönner wie Wolfgang Uhlmann. „Ich bin privilegiert gewesen“, sagte er im Nachhinein hinsichtlich all der Reisen, die ihm als Vorzeigesportler erlaubt waren.

Weltklasse

Die staatliche Unterstützung zahlte Uhlmann mit sportlichen Erfolgen zurück. Neben elf DDR-Meister-Titeln stehen gewonnene Partien gegen mehrere Weltmeister, unzählige Turniersiege und nicht zuletzt die Qualifikation für die Kandidatenwettkämpfe 1971. Im Viertelfinale unterlag er dem Dänen Bent Larsen in einem umkämpften Match 3,5:5,5.

Uhlmann gegen Fischer 1970. Der Amerikaner gehört zu den fünf Weltmeistern, die Wolfgang Uhlmann im Lauf seiner Karriere besiegt hat.

Wie stark Uhlmann war, zeigt seine beste historische Elozahl vom Dezember 1970: 2696. Wolfgang Uhlmann war Weltklasse, ein Top-Ten-Spieler, hätte es damals schon eine Top Ten gegeben.

Im Seniorenalter ließ Uhlmanns Spielstärke ein wenig nach, die Leidenschaft fürs Schach nicht. Zwei Mal gewann er die deutsche Seniorenmeisterschaft. Bei Seniorenweltmeisterschaften mischte er stets ganz vorne mit, auch wenn es für den Titel nie reichte. Noch mit 81 spielte Wolfgang Uhlmann für seinen USV Dresden in der Bundesliga, wahrscheinlich ein Rekord für die Ewigkeit.

Auf der Homepage des Dresdner Vereins nimmt Wegbegleiter, Großmeister und der einstige Bundestrainer Uwe Bönsch Abschied:

Uwe Bönsch. | Foto: DSB

„Mit Wolfgang verbinden mich viele persönliche Erinnerungen und zahlreiche gemeinsame Wettkämpfe und Lehrgänge in der DDR-Nationalmannschaft. Immer habe ich Wolfgang als einen herausragenden Kämpfer und tadellosen Mannschaftskollegen erlebt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere seiner Ehefrau Christine, die ihn immer unterstützt und häufig auf seinen Reisen begleitet hat.

Für viele Jahrzehnte vertrat Wolfgang seine Heimatstadt Dresden und den USV Dresden. Auch hier war Wolfgang ein Vorbild für Generationen junger Schachspielerinnen und Schachspieler, von denen er selbst einige bis ins hohe Alter hinein trainierte.“

Erinnerungen von den 1940ern bis in die 1990er: Wolfgang Uhlmann beim Zeitzeugenportal

Seine besten Partien gegen die Besten der Welt hat Wolfgang Uhlmann im ChessBase-Studio kommentiert: Weltklasseschach.
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