Eine Datscha für Ding, den sanften Krieger

Im Mai 2018 brach sich Ding Liren die Hüfte, als er während des Altibox-Turniers in Norwegen vom Fahrrad stürzte. Zwei Monate lang konnte er nicht Schach spielen und in den Monaten danach nur unter Schmerzen gehen. Dummerweise fiel die Schacholympiade 2018 in diese Monate danach. Die angeknackste Hüfte hat ihn nicht davon abgehalten, für seine Chinesen das Spitzenbrett zu hüten.

Als sich mit Turnierbeginn herausstellte, dass im georgischen Spielsaal die Wege weit sind, insbesondere der zur Toilette, hat sich die chinesische Nummer eins einem radikalen Regiment unterworfen: Ding Liren spielte seine Partien während der Schacholympiade 2018, ohne zu trinken, um den quälenden Gang zur Toilette zu vermeiden.

Mit Spezialstuhl, ohne Getränk: Dehydriert und mit schmerzender Hüfte half Ding Liren seiner Mannschaft zum Sieg in Batumi. || Foto: Schacholympiade 2018

Dehydriert und schmerzender Hüfte hat er eine 2873-Performance am ersten Brett abgeliefert. Wenn es gegen leichte Gegner ging, durfte Ding sich schonen, aber wenn Matches gegen die Top-Teams anstanden, musste Ding Liren ran. 5,5 Punkte aus 8 Partien entstanden unter diesen Umständen, Niederlagen: keine. Am Turniersieg seiner Mannschaft hat er wesentlichen Anteil.

Wenn das einer wegsteckt, dann Ding Liren

Beim Kandidatenturnier in Jekaterinenburg tritt er jetzt wieder gehandicapt an. Seit Wochen kann der 27-Jährige die elterliche Wohnung kaum verlassen, weil draußen das Coronavirus lauert. Sein geplantes Trainingslager fiel aus, und er wird gemeinsam mit der chinesischen Delegation mehr als zwei Wochen vor Beginn des dreiwöchigen, härtesten Schachturniers überhaupt anreisen. Fünf Wochen in der Fremde, die ersten zwei davon von der Außenwelt abgeschirmt.

Wenn das einer wegsteckt, dann Ding Liren. „No big deal“ hat er gesagt, als ihn die Schachseite chess.com jetzt zur Lage daheim und seiner gestörten Vorbereitung auf das wichtigste Turnier seiner Karriere befragte.

Und wenn das schon keine große Sache ist, dann wird er auch einen Weg finden, mit zwei Wochen im goldenen Käfig umzugehen. Allemal wird er es dort komfortabel haben. Die FIDE wird ihm und dem Rest der Delegation voraussichtlich eine Datscha bei Moskau organisieren, medizinische Betreuung inklusive.

Dort werden die Chinesen ihre Zeit bis zum Turnierbeginn absitzen. Auf diese Weise soll sichergestellt sein, dass Ding Liren auf jeden Fall nach Jekaterinenburg kommen kann, unabhängig davon, wie sehr sich dort die Einreiseregeln verschärfen.

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