An die Elbe, nicht über den Jordan? Schachgipfel 2019 in Magdeburg

(Update, 30. Oktober: Die Stellungnahme des Vereins “Schachfestival Dresden” ist jetzt in den Text eingearbeitet und verlinkt.)

Der Deutsche Schachgipfel 2019 findet statt. Nicht in Radebeul, nicht unter der Regie des Vereins Schachfestival Dresden mit seinem in Ungnade gefallenen Präsidenten Dirk Jordan, sondern in Magdeburg  mit einem neuen Ausrichter unter der Regie des Deutschen Schachbunds. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die der DSB am Montagabend zum “Fall Jordan”  veröffentlicht hat.

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Dirk Jordan vor dem DSB-Logo, eine Kombination, die der Schachbund für die Zukunft ausschließt. (Foto: Schach-ticker)

Eine Woche später konterte gleichwohl der Dresdner Verein mit einer Mitteilung, nach der der Schachgipfel eben doch unter seiner Regie in Radebeul stattfinden soll. Die Ankündigung des Schachbunds “widerspricht den vertraglichen Bindungen, die der DSB mit uns als Veranstalter eingegangen ist”, so die Dresdner. Diesen Vertrag betrachtet der Verein als nicht kündbar. Eine seitens der Dresdner gesetzte Frist, ihn bis zum 30. Oktober zu bestätigen, habe der DSB ausschließlich mit seiner Stellungnahme auf der DSB-Website beantwortet. Und in der steht in aller Deutlichkeit, dass der Schachbund in der gegenwärtigen Konstellation keine Grundlage mehr für eine weitere Zusammenarbeit mit “Schachfestival Dresden” und seinem Präsidenten Dirk Jordan sieht. Über die Vertragslage zwischen den Parteien steht dort allerdings nichts. Darüber zerbrechen sich wahrscheinlich gerade beiderseits Juristen die Köpfe.

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Nachdem sich der DSB im Juni vom Dresdner Schachmacher getrennt hatte, stand beinahe das gesamte Turnier-Veranstaltungsprogramm des Schachbunds für das kommende Jahr auf der Kippe: Deutsche Meisterschaft, Amateurmeisterschaft, Seniorenmeisterschaft.

Ein Vakuum drohte deswegen noch lange nicht. Schach-Amateurturniere für die gesetzte Teilnehmerschaft lassen sich profitabel organisieren, ein Geschäftsmodell, das nicht nur die Dresdner Organisatoren entdeckt haben. Jemand anderes wäre eingesprungen, um derartige Veranstaltungen in eigener Regie anzubieten, womöglich Jordan und sein Verein selbst.

Die Marke “Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft” hatte er eine Woche nach einem Gespräch mit der Verbandsspitze in Berlin über die Amateurmeisterschaft angemeldet, bei dem unangenehme Fragen aufgetaucht waren. Als der DSB sich letztlich von Jordan trennte, lief dessen Markenanmeldung schon seit drei Wochen. Gegen diese Anmeldung will der DSB rechtlich vorgehen, eine von mehreren juristischen Fronten zwischen den nun endgültig geschiedenen Parteien.

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Ullrich Krause, Präsident des DSB. (Foto: Wikipedia)

Der DSB mit seinem Präsidenten Ullrich Krause an der Spitze stand vor der Frage, ob er das Vakuum füllen kann, bevor ein anderer einspringt. Für das intern nicht unumstrittene und von außen wegen der Trennung von einem bewährten Organisator vielfach angefeindete Präsidium galt es obendrein, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Hinsichtlich der Amateurmeisterschaft scheint das gelungen zu sein. Anfang September verkündete der DSB, dass die DSAM weitergeht, organisiert von einem DSB-Team. Hinsichtlich der Seniorenmeisterschaft sind die Fronten verhärteter und der Bund zwischen Spielern und nicht mehr erwünschtem Organisator fester. “Wir arbeiten mit der Seniorenkommission an einer Lösung”, teilt der DSB mit. Aus Sicht des DSB ist sicher, dass die Seniorenmeisterschaft 2019 nicht wie geplant in Radebeul unter der Regie des Dresdner Vereins stattfindet. Andererseits spekuliert wahrscheinlich der Verein “Schachfestival Dresden” darauf, zumindest diese Veranstaltung mit ihren vielen ihm gewogenen Teilnehmern auszurichten.

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Ob der DSB 2019 in Magdeburg den Dresscode durchsetzen kann, der 1925 beim Deutschen Schachkongress in Breslau galt? Ob er ein ähnlich starkes Turnier auf die Beine stellt? Die Nachnamen dieser geschniegelten Herren, darunter mancher Gigant des Schachs, entnehmen wir der Website von Harald E. Balló. Obere Reihe: Schreier, Wagner, Moritz, Sämisch, Römmig, Becker, Kmoch, Walter. Mittlere Reihe: Mendelsohn, Blümich, Epstein, Krüger, Grünfeld, v. Schweinichen, Rubinstein, Kramer. Sitzend: Nimzowitsch, Réti, v. Gottschall, Bogoljubow, Tarrasch, Löw, Robinow, Seger, Tietz

Sportlich relevant sind diese Turniere ebenso wenig, wie es zuletzt die Deutsche Meisterschaft war. Letztere, so der ursprüngliche Plan, sollte mit dem Deutschen Meisterschaftsgipfel 2019 neu erblühen, Fortsetzung einer 1879 begonnenen Tradition, die 1931 in Swinemünde endete (oder 1943 in Wien, wenn wir den “Großdeutschen Schachbund” als legitime Organisation betrachten). Damals waren die Schachkongresse ein sportliches Großereignis, bei dem die Spieler den Besten des Landes ermittelten und zugleich die Funktionäre ihre zentralen Sitzungen abhielten. So soll es wieder werden. Weil die Endrunde der Amateurmeisterschaft 2019 in den Gipfel eingebettet wird, erwartet der DSB mehr als 500 Schachspieler in Magdeburg zum Gipfeltreffen.

Als Zeitrahmen ist die Woche vom 25. Mai bis 1. Juni geplant. Mit dem Kongress des Deutschen Schachbundes am 1. Juni soll die Veranstaltung enden. Die Verträge mit dem neuen, noch ungenannten Organisator stünden kurz vor der Unterzeichnung, heißt es.

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Raymund Stolze
Raymund Stolze
3 Jahre zuvor

Dass der Deutsche Schachbund auf seiner Homepage Kommentare zur Stellungnahme des DSB-Präsidenten Ullrich Krause und seinem Stellvertreter Klaus Deventer veröffentlicht, ist schon bemerkenswert angesichts der bisher doch defensiven Öffentlichkeitsarbeit. Link: https://www.schachbund.de/news/stellungnahme-des-dsb-praesidenten-und-seines-stellvertreters.html. Besonders interessant, finde ich den Beitrag von Achim Nowack, weil er sich in der vom DSB angestrebten unvermeidlichen rechtlichen Auseinandersetzung mit Dr. Dirk Jordan nicht von subjektiven Vermutungen, Spekulationen oder Anschuldigungen leiten lässt, sondern eine fundierte argumentative Sicht der „Tatbestände“einbringt. Aber lesen Sie selbst! Achim Nowack am 24. Oktober 2018, 11:58 Uhr: An das Präsidium des Deutschen Schachbundes Sehr geehrter Herr Krause, sehr geehrter Herr Deventer und sehr geehrter… Weiterlesen »

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[…] Baustellen im nationalen und internationalen Schach, die Bedeutung der FIDE-Wahl für den DSB, die Trennung von Dirk Jordan, sowie um die jüngste Schacholympiade. Hocherfreut zeigte sich Ullrich Krause über die […]

Wolfgang S.
Wolfgang S.
3 Jahre zuvor

Die Art und Weise der Öffentlichkeitsarbeit des DSB lässt seit dem Amtsantritt von Herrn Dr. Marcus Fenner zu wünschen übrig. Herr Dr. Fenner folgt typisch amerikanischen Verhaltensweisen, die jeglichen Respekt vor irgendwelchen Traditionen vermissen lassen. Zudem ist der DSB bei vielen aktuellen Ereignissen nicht präsent. Liesst man die Erklärung vom 22.10. genau durch, so fällt auf, dass der eigentliche Strippenzieher Herr Deventer ist. Herr Deventer, ein angesehener Richter, verfolgt offensichtlich das Ziel Herrn Dr. Jordan mit allen Mitteln vernichten zu wollen. Vieles wirkt konstruiert und weltfremd. Kürzlich bei einem Besuch in der Schweiz wurde ich mit dem Thema “Chaosbude Berlin”… Weiterlesen »

TGrunwald
TGrunwald
3 Jahre zuvor

Kommentar Perlen vom Bodensee In manchen Fernsehkrimis ist der Bankräuber der „Held“, und die Polizeibeamten sind die „Bösen“. In der realen Welt ist es jedoch genau umgekehrt, und deshalb kommt es einen beim Lesen mancher Kommentare vor als wäre man im total falschen Film. Die vom Präsidium des Deutschen Schachbunds öffentlich gemachte Faktenlage sieht so aus: Unbestreitbare Tatsache ist, dass der frühere DSAM Beauftragte Dirk Jordan viele Jahre lang seine vorgesetzten Präsidenten belogen und systematisch erhebliche Geldsummen durch geheime Nebenabsprachen mit den Hotels abgezweigt hat. Für jede einzelne Übernachtung hat er sich eine „Spende“ auszahlen lassen, die auf die Konten… Weiterlesen »

TGrunwald
TGrunwald
3 Jahre zuvor

Kommentar zum Deutschen Meisterschafts-Gipfel 2019 Der Meisterschafts-Gipfel in Radebeul sollte der “krönende Zahltag” für den geschäftstüchtigen Profi-Organisator werden. Dieses Geschäft hat ihm der DSB gründlich vermasselt, daher kann es niemanden verwundern, dass der Jordan-Clan jetzt stinksauer ist. Dumm gelaufen, Herr Jordan! Auf der DSB Website hat das Präsidium den Sachverhalt wie folgt geschildert: „Der Meisterschaftsgipfel sollte in den Jahren 2019-2021 bekanntlich in Radebeul stattfinden. Ein Vertrag ist aus unserer Sicht noch nicht zustande gekommen und wir haben dem Verein Schachfestival Dresden e.V. zwischenzeitlich mitgeteilt, dass wir anderweitig planen. Dies wurde vom Verein Schachfestival Dresden bisher nicht akzeptiert. Ob es hier… Weiterlesen »

Detlev Wolter
Detlev Wolter
3 Jahre zuvor

Sehr geehrter Herr Stolze, vielen Dank für Ihren Beitrag Auch mir sind die Beiträge oftmals zu emotional und subjektiv. Statt subtiles Krisenmanagement und juristisch präzise Argumentation, wird in den Foren und selbst in der Stellungnahme des DSB oft eher anekdotische Evidenz oder auch Spekulation bemüht. Auch ist es unseriös, Herrn Nowak und andere unsachlich zu beschimpfen. Um seine Argumente zu widerlegen, muss man schon juristische Gegenargumente bringen, z.B. dass die DSB-Satzung doch vorsieht, „Schenkungen“ zu vollziehen. Da Herr Dr. Jordan aktuell (z.B. Bergedorfer Lokalblatt) zu Protokoll gibt, dass er „nichts falsch gemacht“ hat, gilt die Unschuldsvermutung, solange bis er rechtskräftig… Weiterlesen »

TGrunwald
TGrunwald
3 Jahre zuvor

Kaum zu glauben – aber manche Leute können oder wollen es einfach nicht begreifen! Herr Jordan ist vom DSB Vorstand wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten völlig zurecht gefeuert worden. Die Beweise für illegale Nebenabsprachen sind eindeutig, seine Unschuldsbeteuerungen kann sich der gescheiterte „Profi-Organisator“ für seine Gerichtsverhandlung aufsparen. Aufgrund des zerrütteten Vertrauensverhältnisses musste der DSB Vorstand die Zusammenarbeit mit Herrn Jordan und seinem Verein verständlicherweise aufkündigen. Was hätte er auch sonst tun sollen – gleichzeitig prozessieren und kooperieren? Im Prinzip kann man übrigens jeden Vertrag kündigen, sofern ein wichtiger Grund vorliegt, was bei solch schwerwiegenden Vorwürfen ohne Zweifel der Fall ist. Aber laut… Weiterlesen »

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[…] hatte sich damit erledigt, und das, kurz bevor die Serie 2018/19 beginnen sollte. Die hat der DSB nun selbst organisiert, und das soll, trotz Zeit- und Personalnot, schon im ersten Anlauf recht gut funktioniert […]

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[…] aber de facto entmachtet, nicht mehr zu Unterschriften und Entscheidungen befugt, und er werde beim Schachgipfel im Sommer in Magdeburg nicht wieder zur Wahl […]