Massaker des Übermüdeten: Magnus Carlsen fegt Ding Liren vom Brett

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Müder Krieger: Ding Liren (Foto: Lennart Ootes)

Wen würde der Jetlag am wenigsten plagen? Die Antwort auf diese Frage sollte entscheidende Bedeutung für den Ausgang des „Champions Showdowns“ zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und dem WM-Kandidaten Ding Liren haben. Von einer Simultanvorstellung im fernen Deutschland war der Norweger in St. Louis angereist, aus seiner fernöstlichen Heimat der Chinese.

30 Partien Schnell- und Blitzschach galt es auszufechten und 100.000 Dollar Preisgeld zu verteilen, 60.0000 für den Sieger, 40.000 für den Verlierer. Wer würde dafür nicht gerne seinen Biorhythmus durcheinanderbringen?

Zeitzonen-Hopping

Natürlich war der begnadete Schnell- und Blitzschachspieler Carlsen favorisiert, aber längst nicht so klar, wie es am Ende ausging. Mit 67:25 fegte er den kaum weniger begnadeten Chinesen vom Brett. Vergleichsweise am besten kam Ding Liren beim Blitzschach am letzten Spieltag davon, dem ersten Tag, an dem es ihm gelungen war, bis sieben Uhr zu schlafen, anstatt schon um vier hellwach durchs Hotel zu geistern.

Gerade hatte er seinen Jetlag besiegt, da musste Ding Liren schon wieder Zeitzonen-Hopping betreiben, um pünktlich beim Grand Prix in Palma de Mallorca am Brett zu sitzen. Das Grand-Prix-Finale, bei dem die letzten beiden Plätze fürs Kandidatenturnier ausgespielt werden, dürfte trotz neuer Müdigkeit ein weitaus entspannteres Turnier für den Chinesen werden als der Wettkampf in St. Louis: Auf Mallorca wird ihm Magnus Carlsen garantiert nicht begegnen, und seinen Kandidatenstatus hat er schon sicher.

tarrasch
Siegbert Tarrasch

Amüsant anzuschauen war das Ding-Massaker in der US-Schachhauptstadt allemal, aber ohne sportliche Aussagekraft. Mit im Laufe des Wettkampfs sukzessiv verkürzter Bedenkzeit unterliefen beiden Kontrahenten reihenweise Überseher, die manche Partie zu einem Würfelspiel mit gewaltigen Ausschlägen mal in die eine, mal in die andere Richtung machte.

„Sitzt auf euren Händen“, hat einst der gestrenge Schachlehrmeister Siegbert Tarrasch seinen Schülern als Rezept empfohlen, um Voreiligkeiten zu vermeiden, automatisch erscheinende Züge zum Beispiel, die sich erst beim zweiten Hinsehen als Fehler entpuppen.

So wie dieser:

carlsen ding.jpg

Ding Liren hat gerade auf e1 einen weißen Turm herausgeklopft, und Carlsen schlug automatisch sofort zurück. Hätte er auf seinen Händen gesessen, wäre seine Bedenkzeit längst abgelaufen gewesen ihm aufgefallen, dass stattdessen 25.Kg2 oder 25.Kh2 gewinnt.

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