Ein Stelldichein der Supergroßmeister: die Rapid-Team-WM in Düsseldorf

Ob Fabiano Caruana der Name Rainer Becker etwas sagt? Ob Levon Aronian je von Manfred Schneider gehört hat? Falls nicht, wird sich das bald ändern. Ab dem 26. August bei der Rapid-Team-WM in Düsseldorf werden Becker, Schneider, Caruana und Aronian als Teamkameraden Seite an Seite um den WM-Titel spielen.

Manfred Schneider (37) engagiert sich heute vor allem als Schiedsrichter im Schach. Vor etwa 20 Jahren hat er die Schach-AG des Gymnasiums Koblenzer Straße („Kobi-Gymnasium“) in Düsseldorf betreut. Unter seinen Schachschülern: Wadim Rosenstein, der als CEO der „WR Group“ die Rapid-Team-WM der FIDE miterdacht hat und sie unterstützt.

Stelldichein der Spitzengroßmeister: die “World Rapid Team Championship” vom 26. bis 28. August in Düsseldorf. | Foto via Rheinterrasse/Facebook

Schneider hat Rosenstein einst zum SC Baumberg gelotst, dem ersten Schachclub des Talents aus der Kobi-Schach-AG. Rainer Becker (51), Elo 2128, war Rosensteins erster Mentor und Trainer. Beiden habe er viel zu verdanken, sagt Rosenstein – und schenkt seinen frühen Wegbegleitern jetzt ein schachliches Bonbon: Mit den Weltklassegroßmeistern Fabiano Caruana, Levon Aronian, Dommaraju Gukesh und der georgischen Großmeisterin Keti Tsalashvili werden Schneider und Becker in Düsseldorf ein Team bilden, das im Kampf um die Medaillen ein Wörtchen mitreden kann.

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Leicht wird dieser Kampf nicht. Der dreitägige Wettbewerb in den Düsseldorfer Rheinterrassen verspricht ein Stelldichein von Weltklassespielern, wie es das in Deutschland allenfalls bei den Schacholympiaden 1970 in Siegen und 2008 in Dresden gegeben hat. Zwar wird die vollständige Liste aller Teams erst nach dem Anmeldeschluss am 10. Juni veröffentlicht, aber allein die bekannte Aufstellung des Teams „WR Chess“ lässt den bevorstehenden Super-GM-Aufgalopp am Rheinufer erahnen: Nepo, Keymer, Pragg, Duda, Abdusattorov, So, Hou Yifan, Kosteniuk, Rosenstein, Gustafsson (Coach).

Team WR Chess, ein Kandidat für die Goldmedaille.

Zuschauerinnen und Zuschauern wird sich die Gelegenheit bieten, diese und andere Stars des Denksports aus nächster Nähe zu erleben. Der Eintritt in den Rheinterrassen mir ihrer markanten Doppelturmfassade wird frei sein. Wer einmal den Caruanas und Keymers über die Schulter schauen möchte, muss nichts weiter tun, als vom 26. bis 28. August vorbeizukommen.

Neben der Weltklasse wird die deutsche Elite fast vollständig versammelt sein. Während Keymer und Gustafsson sich dem WR-Team angeschlossen haben, haben die Nationalspieler Matthias Blübaum, Alexander Donchenko, Rasmus Svane und Dmitrij Kollars sich als „Team Germany and friends“ angemeldet. Das Frauenbrett besetzt Luisa Bashylina, das U-2000-Brett der Ukrainer Bohdan Lobkin, der seit dem vergangenen Jahr für den Godesberger SK spielt.

„Team Germany and friends“ wird aller Voraussicht nach bei weitem nicht die einzige Quasi-National- oder -Kontinentalmannschaft im Feld sein. Ein israelisches Team ist schon gemeldet, ebenso ein afrikanisches und ein ukrainisches. Bei der Komposition ihrer Mannschaften sind alle Teilnehmenden gefordert, eben nicht nur die möglichst elostärksten Spielerinnen und Spieler aus ihren Reihen zusammenzutrommeln.

Mit Huschenbeth, Rabiega und Pähtz: das Berliner WM-Team.

Das U-2000-Brett ist der Clou, der diesen Teamwettbewerb von anderen unterscheidet. Es repräsentiert einen Grundgedanken des Turniers: „normalen“ Schachspielerinnen und -spielern eine Chance eröffnen, auf dem Weltklasselevel mitzuspielen. An fünf der sechs Bretter mögen die Teams noch so viele Elopunkte versammeln; alle sind gezwungen, einen Amateur einzubauen, dessen Elozahl nie die 2000 überschritten hat. Bohdan Lobkin vom „Team Germany“ etwa steht bei überraschend moderaten 1795 Elo. Wer die DWZ-Auswertungen vergangener Monate studiert, der sieht das sportliche Kalkül hinter seiner Nominierung: DWZ 2049.

Bis zu 45 Teams können an der ersten „World Rapid Team Championship“ teilnehmen. Startgeld pro Team: 1.000 Euro. Preisfonds: 250.000 Euro.  Nach dem Anmeldeschluss wird die FIDE am 12. Juni die 45 teilnehmenden Mannschaften verkünden: die 10 besten nach Eloschnitt, außerdem die 35, die sich zuerst angemeldet haben. Gespielt werden 12 Runden Schweizer System, Bedenkzeit: 15+10.

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Thomas Richter
Thomas Richter
11 Monate zuvor

„normalen“ Schachspielerinnen und -spielern eine Chance eröffnen, auf dem Weltklasselevel mitzuspielen” Nun, sie werden wohl generell an Brett 6 gegeneinander spielen, wenn auch nahe an den GMs. Als Spieler diesen Niveaus konnte man früher auch in Gibraltar mitspielen und kann man bei Europameisterschaften mitspielen (wobei da die absolute Weltklasse fehlt). Wadim Rosenstein hat sich das vielleicht auch, oder vor allem deshalb ausgedacht, damit er selbst auch mitspielen kann ohne Erfolgschancen des Teams zu gefährden? “Bei der Komposition ihrer Mannschaften sind alle Teilnehmenden gefordert, eben nicht nur die möglichst elostärksten Spielerinnen und Spieler aus ihren Reihen zusammenzutrommeln.” Aus welchen ‘Reihen’? Team… Weiterlesen »

Last edited 11 Monate zuvor by Thomas Richter
Mungo Gerry
Mungo Gerry
11 Monate zuvor

Scheint ja ein großes Geheimnis zu sein, wer alles sonst noch so mitspielt. Eine Teilnehmerliste der Mannschaften und einzelnen Spieler will man anscheinend erst nach Meldeschluss veröffentlichen. Sehr seltsam.

Ralf Westerhoff
Ralf Westerhoff
11 Monate zuvor

Wir sind keine Quasi-Nationalmannschaft aus der Ukraine, wir sind die Zukunft!

Uwe Safika
Uwe Safika
11 Monate zuvor

Da werde ich gerne vorbei schauen, da ich in der Nähe zu Düsseldorf wohne. Nach welchen Modus wird denn gespielt? Schweizer System ist klar, aber welche Feinwertung wird bei Punktgleichheit herangezogen?

chesshans
chesshans
11 Monate zuvor

Sollte ein Team noch einen U2000 Spieler suchen, ich wäre bereit (ELO 1905, DWZ 1943) 🙂