Zweite Bundesliga, geschenkt

Wettbewerbsverzerrung in der zweiten Bundesliga Ost beklagt Jörg Wengler, Vorsitzender der Schachabteilung des FC Bayern München. Zwei irreguläre Ergebnisse am vergangenen Doppelspieltag, ein in stiller Übereinkunft geschobenes 4:4 und eine Niederlage einer Mannschaft, die mit nur vier Spielern angetreten war, können Auf- und Abstieg beeinflussen.

Die zweite Bundesliga Ost bietet ohnehin ein schiefes Bild, seitdem die SF Bad Emstal/Wolfhagen zurückgezogen haben. Den Grund für den Rückzug offenbart ein Blick auf den Kader der “Emswölfe”:

Die ersten 16 Spieler der Hessen, darunter 15 Ukrainer.

Um den Aufstieg in die Schachbundesliga kämpfen, so schien es bis zu diesem Wochenende, der Erfurter SK, der SV Deggendorf und ESV Nickelhütte Aue. Letztere hatten am siebten Spieltag am vergangenen Samstag das Spitzenspiel in Erfurt vor der Brust – für beide die Chance, die Tabellenführung zu übernehmen.

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Es passierte dieses:

“Visaprobleme der ungarischen Avantgarde” lesen wir auf der Website der Auer. Und eine Neubewertung des Saisonziels: “Trotz dieser Schlappe ist Mannschaft stabil auf Klassenerhaltskurs.”

Tags darauf trafen in München der abstiegsgefährdete SK Passau und die aller Ambitionen wie Sorgen ledige MSA Zugzwang München aufeinander. Ein Foto dieser Begegnung gibt es nicht, sie war zu schnell vorbei.

Die “ersatzgeschwächten” Münchner waren an den ersten sieben Brettern leichter Elofavorit und am achten klarer Außenseiter. Aber auch Wolfgang Linhart (Passau, Elo 2129) gab seine Partie gegen Edwin Heydari (München, Elo 1727) remis.

“Hitzefrei” verkündete wenig später auf Facebook Zugzwang-Spieler Gerald Hertneck, Leistungssportreferent des Deutschen Schachbunds. Hertneck erklärte, es sei unterträglich heiß gewesen.

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Links spielt der FC Bayern II gegen Regensburg, rechts hat Passau einen wichtigen Punkt gegen den Abstieg schon geschenkt bekommenunter Dach und Fach gebracht. | via FC Bayern München/Twitter

Vielleicht nur in einer Hälfte des Raums?

Drei Meter weiter kämpften Regensburg und die Bayern, beide noch nicht frei von Abstiegssorgen, ungeachtet der Temperatur ihr Match aus: 4,5:3,5 für die jetzt geretteten Regensburger, während der FC Bayern II, theoretisch zumindest, noch absteigen könnte.

Nachdem die Bayern schon auf Twitter von einem “Geschenk” an Passau gesprochen hatten, schlug wenig später auf der Bayern-Website der Vorsitzende Jörg Wengler in dieselbe Kerbe:

“Punkte zu verschenken in Situationen, in denen es für einen selbst weder nach oben noch nach unten mehr um etwas geht, und dabei in den Aufstiegs- oder Abstiegskampf einzugreifen, ist sicher mehr als nur fragwürdig. Und hierfür sind weder Corona noch Hitzewelle passende Entschuldigungen.

Bleibt zu hoffen, dass die durch einen Rückzug ohnehin schon reichlich beschädigte Saison 2021/2022 in der 2. Bundesliga Ost in zwei Wochen zu einem vernünftige Ende kommt und nicht vollends zur Farce wird. Hierfür kann man nur an alle Beteiligten appellieren, sich noch einmal auf das zu konzentrieren, wofür man eigentlich einen Startplatz in der 2. Bundesliga hat: Schach spielen! 

Das Mitwirken des Leistungssportreferenten, der ohnehin angeschlagene Spielbetrieb und natürlich die Frage, ob Mannschaftsschach tatsächlich schon ab Liga zwei nur noch Larifari statt Leistungssport ist, haben sogleich eine Debatte in der deutschen Twitter-Schachblase ausgelöst.

Auszüge:

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acepoint
acepoint
5 Monate zuvor

Jetzt wird es ja aller Wahrscheinlichkeit nach – und mit dem Modell, das meines Wissens auch der SBNRW bevorzugt – zukünftig eine weitere Ebene mit sechs 3. Ligen à 10 Mannschaften geben. Auf dass dem Leistungssportgedanken noch mehr gefrönt werden kann.

Last edited 5 Monate zuvor by acepoint
Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
5 Monate zuvor
Reply to  acepoint

Sind dann gemeldete einheimische ausgebildete Kader-Spieler eher Exoten oder geduldet.
Oder muss man für jeden aus der Region stammenden Spieler eine Buße zahlen.
Wo bleibt die richtige Reform die Probleme lösen sollten.