Angekommen!

Hat hier jemand geunkt, Alexander Donchenko werde nun mit null aus drei ins Tata Steel Chess fehlstarten? Von wegen. WM-Kandidat Anish Giri kam mit den weißen Steinen nicht einmal in die Nähe eines Vorteils, geschweige denn in die Nähe von Gewinnchancen. Am heutigen Dienstag ab 14 Uhr hat Donchenko Weiß gegen den Polen Radoslaw Wojtaszek. Morgen ist Ruhetag.

„So wie die Partie lief, habe ich sogar Grund, nicht vollständig zufrieden zu sein. Wahrscheinlich stand ich von Anfang bis Ende etwas besser. Andererseits fühlt es sich nach den beiden Auftaktniederlagen nun endlich an, als sei ich in diesem Turnier angekommen“, sagte Alexander Donchenko nach der Partie gegeg Giri. „Obwohl ich seit Freitag das getan habe, was ich immer tue, meiner normalen Turnierroutine nachgegangen bin, war es, als sei ich immer noch nicht hier, als sei ich immer noch unterwegs, anstatt an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Ich bin sehr froh, dass sich das jetzt geändert hat.“

Die Partie: Wie Alexander Donchenko den WM-Kandidaten Anish Giri auf Distanz hielt.

Im Kurzinterview mit dem Veranstalter erklärte Donchenko den Nachteil, so kurzfristig in ein Turnier dieses Kalibers zu rutschen. „Hätte ich es für eine Woche oder zwei gewusst und mich darauf einstellen können, wäre das nicht so schlimm gewesen. So brauchte ich ein wenig Zeit, um mir klarzumachen, was gerade passiert, und mich darauf einzustellen, dass ich jetzt jeden Tag mein Allerbestes abrufen muss.“

Tabelle und Bericht zur dritten Runde bei chess.com.

Er habe ja bis zum Anruf des Turnierdirektors Jeroen van den Berg „auf der Couch gesessen“ und sei davon ausgegangen, zwei, drei Monate nichts zu tun zu haben. Sich von heute auf morgen darauf einzustellen, nun 13 Turnierpartien gegen sehr starke Spieler absolvieren zu müssen, sei nicht einfach.

Absagenhagel in Österreichs Bundesliga

Nach seinen zwei Auftaktniederlagen war Donchenkos Vorsprung auf Matthias Blübaum in der Live-Elo-Liste auf 0,1 Punkte geschrumpft. Nun liegt er 1,4 Punkte vorne. Abseits des Wettkampfs um die deutsche Nummer eins ist das Elorennen um den Nummer-eins-Spot im deutschsprachigen Raum ein weiteres, kleines Nebengeräusch des Donchenko-Auftritts in Wijk.

Screenshot via 2700chess

Der mit 2680 Elo führende Österreicher Markus Ragger und Matthias Blübaum sind in dieser Hinsicht zur Untätigkeit verurteilt. Zwar hat das Präsidium des Österreichischen Schachbunds vergangene Woche beschlossen, die für den 22. bis 24. Januar vorgesehenen Runden der Österreichischen Bundesliga und Frauenbundesliga durchzuziehen, aber sowohl Blübaums (Schachclub Sparkasse Jenbach) wie Raggers Verein (SC MPÖ Maria Saal) verweigern die Teilnahme.

Statt mit zwölf wird die Liga jetzt mit sieben Teams ausgetragen. Betroffen sind eine Reihe deutscher Spieler in Diensten österreichischer Clubs. Allein bei Jenbach sind neben Blübaum Liviu Dieter Nisipeanu, Rasmus Svane, Dennis Wagner, Luis Engel, Uwe Bönsch und Philipp Schlosser gemeldet.

Noch abgespeckter stellt sich jetzt die österreichische Frauenbundesliga dar. Statt der vorgesehenen zehn Teams spielen nur vier.

(Foto und Titelfoto © Jurriaan Hoefsmit – Tata Steel Chess Tournament 2021)

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