Der Rochade-Verweigerer

Ob die Rochade überschätzt ist? Alexander Donchenko kommt beim Open in Krakau jedenfalls oft ohne aus. Er lässt seinen h-Bauern laufen, den König im Zentrum, und das funktioniert wunderbar. Nach sieben von neun Runden liegt er mit sechs Punkten auf dem alleinigen ersten Platz und in der Live-Weltrangliste mit 2674 Elo als deutsche Nummer eins gut vier Punkte vor Matthias Blübaum. Die achte Runde wird am heutigen Sonntag ab 16 Uhr gespielt.

Den Auftakt der forgesetzten Rochade-Verweigerung markierte Donchenkos Schwarzpartie aus der zweiten Runde, eine Najdorf-Demonstration, die in einem hübschen Springer-(Schein-)Opfer gipfelte, nachdem dem Weißen strategisch das eine oder andere misslungen war.

Wie decken wir den angegriffenen Bauern d6? Mit …Ke7 natürlich.

In der sechsten Runde, wieder mit Schwarz, dieses Mal gegen einen Trompowsky, wartete Donchenko nur darauf, dass sein Gegner kurz rochieren würde. Kaum war der weiße König auf g1 gelandet, ging es los:

Ein ambitioniertes Konzept: Der schwarze König verharrt in der Brettmitte, während Schwarz am Königsflügel eine Attacke gegen den weißen Monarchen inszeniert. Weiß muss seinerseits schnell das Zentrum aufreißen und Drohungen gegen den schwarzen Chef inszenieren. In der Partie gelang ihm das nicht.

Wer Donchenkos Sieg in der siebten Runde sah, wieder eine Demonstration, den befiel das Gefühl, dass Schach womöglich doch ganz einfach ist: Verteidiger des Königs abtauschen, h-Linie öffnen, Partie gewinnen.

Und wieder war ein weißer König im Zentrum mit von der Partie. Der stand nämlich auf d2 sicher und unbedrängt, während sich sein schwarzer Wiederpart schon ausgangs der Eröffnung unter Feuer widerfand.

So kann das weitergehen.

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