Stuttgarter Zeitung: Schach bleibt drin

Die wöchentliche Schachspalte in der Stuttgarter Zeitung und in den Stuttgarter Nachrichten bleibt erhalten, wenngleich in etwas kleinerem Format als bislang. Das bestätigte gestern Norbert Wallet dieser Seite, mit dem Journalistenpreis des Schachverbands Württemberg ausgezeichneter politischer Korrespondent des traditionsreichen Stuttgarter Blattes.

Kaum hatte gestern Abend Wallet die frohe Botschaft verkündet, verbreitete sie schon Claus Seyfried, Vorsitzender Stuttgarter Schachfreunde, in den Sozialen Medien (und in der Kommentarspalte dieser Seite). Vor knapp einem Jahr war Seyfrieds lesenswertes Schreiben („… in die Funktionärsszene abgedriftet …“) an Chefredakteur Joachim Dorfs öffentlich geworden. Seitdem war in der Schachszene bekannt, dass die Schachspalte 71 Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen 1949 vor dem Aus steht.

Theo Schuster hat sie einst gegründet, vier Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen der Zeitung im September 1945, und fast 50 Jahre lang bis zu seinem Tod 1998 geführt. Nach Schusters Tod übernahm Harald Keilhack. Der führt die Schachspalte bis heute und, wie nun festeht, auch in Zukunft.

Die Schachkolumne der Stuttgarter Zeitung im Dezember 2019, gut 70 Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen. Demnächst wird sie etwas kleiner sein.
Schachfreund und Korrespondent in
Berlin: Norbert Wallet. | Screenshot via
Youtube/tv.berlin

Die schachliche Kehrtwende in der Stuttgarter Verlagsgesellschaft ist eine Überraschung, hatte es doch vor einem Jahr geheißen, die Angelegenheit sei entschieden. „Aber die Schach-Community hat ihre Meinung deutlich zum Ausdruck gebracht“, sagt Wallet. „Das ist sicher in die Entscheidung eingeflossen.“ Ohnehin habe es sich die Redaktion mit der Entscheidung gegen die Schachspalte nicht einfach gemacht. Als die Macher der Zeitung nun einmal mehr darüber nachdachten, wie ihre Beilage am Wochenende künftig aussehen soll, entstand ein neues Konzept, das nun eben doch Raum für das wöchentliche Schachhäppchen lässt.

Harald Keilhack hat nun binnen kurzer Zeit ein zweites Mal Anlass zu schachpublizistischer Freude. Nachdem er im vergangenen Jahr mit „Game Changer/Zeitenwende im Schach“ das Schachbuch des Jahres 2019 aus dem Englischen ins Deutsche übertragen hatte, hat er diesen Coup nun wiederholt. Auch David Smerdon’s „The Complete Chess Swindler“ hat Keilhack übersetzt (auf Deutsch ist es noch nicht erhältlich) und wenig später erfreut zur Kenntnis genommen, dass der Englische Schachverband das Werk zum Buch des Jahres 2020 kürte.

Wie fische ich erfolgreich nach Chancen? Wie nutze ich aus, dass der Gegner im Gefühl des sicheren Sieges nachlässt? Wie drehe ich Dinger, wenn die Angelegenheit verloren erscheint? David Smerdons Werk über Schwindeln im Schach ist das Buch des Jahres 2020.
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