Fat Fritz fliegt raus: Stockfish und ChessBase einigen sich vor Gericht

ChessBase darf ein Jahr lang keine Produkte vertreiben, die Stockfish enthalten. Das betrifft insbesondere das Schachprogramm “Fat Fritz 2”, um das ein Streit wegen Verstößen gegen die Lizenzbestimmung zum Vertrieb von Open-Source-Software entbrannt war. Künftig soll unter dem ChessBase-Dach ein „Free Software Compliance Officer“ sicherstellen, solche Verstöße zu vermeiden. Schadenersatz für vergangene Verstöße muss ChessBase nicht leisten. Das ist das Ergebnis einer Einigung, die das Stockfish-Team und ChessBase jetzt vor dem Münchner Landgericht erzielt haben.

Die Open-Source-Gemeinschaft versus ChessBase: Ende Februar hat chess.com den Fall dokumentiert. Vier Monate später klagte das Stockfish-Team.

Im Sommer 2021 hatten die Entwickler der Schachengine Stockfish, Tord Romstad und Stéphane Nicolet, Klage eingereicht. Gegenstand der Klage: die GPLv3-Lizenz und die damit verbundenen Pflichten: Wer derart lizenzierte Produkte verteilt, muss transparent machen, was er verkauft, und den Benutzern Zugang zum Programmcode geben. Teil der jetzt erzielten Einigung ist das Eingeständnis des Hamburger Unternehmens, die Lizenzbestimmungen nicht erfüllt zu haben.

Die nun erreichte Vereinbarung zwischen beiden Parteien (siehe am Ende dieses Beitrags) enthält zehn Punkte, zuvorderst das Verbot, “die Software Stockfish für den Zeitraum von einem Jahr nach Abschluss dieses Vergleichs zu verbreiten und/oder öffentlich zugänglich zu machen, sei es alleine oder als Teil eines Produkts mit weiterer Software. Dies gilt für alle Programmversionen von Stockfish in bearbeiteter oder unbearbeiteter Form, soweit die Kläger an dieser Software berechtigt sind”. Nicht betroffen sind Produkte, die Kunden bereits erworben haben. Solche können sie weiterhin aus dem Shop herunterladen, “sofern das Downloadangebot konform mit den Lizenzpflichten der GPL-3.0 erfolgt”.

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Auf allen Websites, die auf Fat Fritz 2 oder Houdini 6 verweisen, muss ChessBase auf die Lizenzbedingungen hinweisen – und auf den Umstand, dass die Produkte bis zum 7. November 2023 nicht erhältlich sind. Aus dem ChessBase-Shop ist Fat Fritz 2 bereits verschwunden. Anderswo war das Programm zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags noch erhältlich, bei Amazon etwa.

Auf den ChessBase-Websites findet sich zu “Fat Fritz” jetzt eine Ergänzung:

Zu den “AlphaZero-Algorithmen” und der “japanischen KI-Technologie” hat sich auf den ChessBase-Websites jetzt der Stockfish-Lizenz-Hinweis gesellt.

Ab dem 7. November 2023 darf ChessBase wieder Stockfish bzw. Teile davon zum Download anbieten, muss aber die Lizenzbestimmungen genauestens einhalten. Das betrifft auch die Werbung: Es muss “Stockfish” draufstehen, wenn Stockfish drin ist. Vergleiche von Engines, die auf Stockfish basieren, mit dem Original “sollen wahrheitsgemäß und belegbar sein”. Bei neuerlichen Verstößen droht eine Vertragsstrafe.

Der Beschluss des Landgerichts München:

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Bernd
Bernd
16 Tage zuvor

Mal eine neugierige Frage: Ist es eigentlich erlaubt, so ein Urteil im Wortlaut zu veröffentlichen?

kumagoro
kumagoro
15 Tage zuvor
Reply to  Bernd

https://stockfishchess.org/blog/2022/chessbase-stockfish-agreement/
hier der Link.

Urteile sind grundsätzlich öffentlich. Daher MÜSSEN deutsche Gerichte sogar ihre Urteile – zumindest in anonymisierter Form – ebenfalls veröffentlichen.

Stefan Meyer
Stefan Meyer
14 Tage zuvor
Reply to  Bernd

Selbstverständlich nicht! Urteile im Namen des Volkes dürfen doch dem Volk nicht bekannt gemacht werden… (Vorsicht, der Kommentar kann Ironie enthalten)