“Das wird extrem hart. Ich freue mich darauf”: Vincent Keymer vor dem Match gegen Magnus Carlsen

Dass Vincent Keymer in einer einzelnen Partie auch gegen den besten Spieler des Planeten Siegchancen kreieren kann, weiß er. Es ist ihm ja gerade erst in der Vorrunde des “Julius Bär Generation Cup” gelungen. Vincent Keymer hat Magnus Carlsen mit Schwarz strategisch überspielt. Auch wenn er am Ende nicht den Ausknipser fand, der Weg zu seinem ersten vollen Punkt gegen den Norweger stand weit offen.

Vincent Keymer zerlegt Magnus Carlsen – und findet den Ausknipser nicht.

Jetzt steht Keymer vor der Frage, ob er auch ein Match gegen Magnus Carlsen gewinnen kann. Wahrscheinlich sei das nicht, sagte Keymer nach seinen Halbfinalsieg über Praggnanandhaa im Gespräch mit Tour-Frontfrau Kaja Snare. Aber er werde es natürlich versuchen. Das Match über vier Schnellpartien beginnt am heutigen Freitag um 18 Uhr.

Wir haben Keymers Austausch mit Snare übersetzt, ein wenig redaktionell bearbeitet und neu sortiert. Vincent Keymer über…

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das Viertelfinale gegen Pragg

Es war ganz gut. Die letzte Partie wurde kritischer, als sie hätte werden dürfen. Zwischendurch muss ich besser gestanden haben, vielleicht viel besser, aber am Ende wurde es sehr gefährlich: auf der einen Seite mein offener König, auf der anderen sein laufender Freibauer. Das hätte leicht verloren gehen können. Aber auch für ihn war es sehr schwierig. Letztlich bin ich einfach froh, das Match gewonnen zu haben.

“…sehr gefährlich: mein offener König, sein laufender Freibauer”.

seinen jüngsten Elo-Aufwind

Im Februar/März habe ich die Schule beendet, bin seitdem Profi, das hilft natürlich. Ich habe jetzt viel mehr Zeit, an meinen Schach zu arbeiten. Allerdings lief es 2021 auch schon ziemlich gut. Warum genau das so ist, weiß ich nicht, aber es stört mich natürlich nicht. Ich freue mich einfach, dass es ist, wie es ist. Dass meine harte Arbeit einen Unterschied macht, glaube ich nicht einmal. Die meisten starken Spieler arbeiten hart.

seine Perspektive

Die Vorrunde hat auch gezeigt, dass noch viel mehr drin ist. Ja, ich habe Aronian und Duda geschlagen, aber auch viel liegengelassen, gewonnene Stellungen verloren oder remisiert. Natürlich kann das passieren, aber ich nehme daraus mit, dass ich noch einiges Potenzial erschließen kann. Ich hoffe, dass ich es beim nächsten Mal besser mache.

das Match gegen Carlsen

Das wird extrem hart. Ich freue mich sehr darauf. Allein die Chance, ein Match gegen Magnus Carlsen zu spielen, ist großartig. Ich werde versuchen, es auszukosten, es zu genießen und daraus so viel wie möglich zu lernen.

Vincent Keymer im Gespräch mit Kaja Snare.

die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen

Natürlich werde ich versuchen zu gewinnen, aber gegen den Weltmeister ist das alles andere als eine einfache Aufgabe. In einzelnen Partien Chancen zu bekommen, wird bestimmt nicht unmöglich sein. Aber ihn über die Distanz eines Matches zu schlagen? Extrem schwierig. Natürlich werde ich mein Bestes geben und es versuchen, aber ich bin auch realistisch: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich gewinne, ist nicht gerade hoch.

Schach in Deutschland

So viel Schachinteresse gibt es in Deutschland nicht. Es hat sich zwar in den vergangenen Jahren verbessert, aber Schach ist noch weit davon entfernt, eine der großen Sportarten zu sein. Ich habe ja gerade in Indien die Schacholympiade erlebt, das war etwas komplett anderes. Die besten Schachspieler genießen dort den Status von Fußballstars hierzulande. Trotzdem, es wird besser, ich hoffe, dass auch die Tour dazu beiträgt. Wir haben ja mittlerweile eine Reihe starke Spieler in Deutschland.

Die Basis für Keymers Einzug ins Viertelfinale: Sieg über den WM-Kandidaten Jan-Krzysztof Duda.
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Tobias
Tobias
10 Tage zuvor

Im Artikel wird von Keymers Halbfinalsieg über Praggnanandhaa gesprochen. Dann wäre es jetzt das Finale gegen Keymer. Stimmt nicht ganz.

R Leppin
10 Tage zuvor

Dann kommentiert bitte auch die 4. Partie. Keymer vs Carlsen
Da wird Vincent komplett überspielt.
Selten so einen starken Angriff mit Schwarz gesehen.

Thomas Richter
Thomas Richter
9 Tage zuvor
Reply to  R Leppin

Partien, in denen ein Spieler unter absolutem Siegzwang steht, sind für mich generell nicht allzu aussagekräftig. Hier hatte Keymer in der Eröffnung mit Weiß nichts erreicht, entschied sich dann für einen offensichtlich jedenfalls sehr riskanten Bauernraub und stand direkt auf Verlust. Der Rest war ein optisch beeindruckendes Spiel auf ein Tor – Traumszenario für Carlsen zumal ihm ein Remis gereicht hätte.
Diese Partie hätte es beim Stand von 1,5-1,5 (oder 2-1 für Keymer) sicher nicht gegeben.