Nur der Match-Sieg zählte: Nakamura und Aronian im Grand-Prix-Finale

Levon Aronian und Hikaru Nakamura werden das Finale des Grand Prix in Berlin bestreiten. Mit Schwarz erzielten die US-Großmeister jeweils ein sicheres Remis gegen Leinier Dominguez bzw. Richard Rapport zum 1,5:0,5-Matchsieg. Das Finale beginnt am Dienstag um 15 Uhr, der heutige Montag ist ein Ruhetag.

In seiner Partie gegen Dominguez entschied sich Aronian für eine solide Spielweise, indem er im vierten Zug seinen Läufer nach e7 entwickelte anstatt des eher üblichen 4…Lc5. Dominguez kam mit einem kleinen Vorteil aus der Eröffnung, aber viel hatte er nie. Und Aronian war vorbereitet, blitzte seine Züge heraus, während es Dominguez schwer fiel, Leben in der Stellung zu halten. Die Partie verpuffte in ein Turmendspiel mit jeweils drei Bauern – Remis im 31. Zug.

„Das Abspiel ist etwas schlechter für Schwarz, Weiß bekommt etwas Druck, aber Schwarz steht solide und sollte mit präzisem Spiel ein Remis bekommen”, sagte Aronian nach der Partie. “Ich dachte, es ist eine gute Idee, in einer Partie, in der ich ein Remis brauchte, so zu spielen.”

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Ein weiterer Faktor zugunsten Aronians: Dominguez hatte mit 4…Le7 nicht gerechnet. „Ich war überrascht, normalerweise spielt Levon 4…Lc5″, räumte der US-Kubaner nach der Partie ein. “Ich hatte gehofft, etwas Druck zu bekommen, aber nach 13.b4, das natürlich aussieht, wird es sehr konkret – und ich stehe nicht besser.” Für eine Must-Win-Partie sei diese traurig gelaufen: “Ich war ja nicht einmal nahe dran.” Trotzdem verlässt Dominguez Berlin nicht unzufrieden: “Ich bin jetzt ein wenig müde, der Wettkampf war intensiv. Aber mein Ergebnis war überhaupt nicht schlecht, es gibt mir gute Chancen für mein zweites Grand-Prix-Turnier.”

Überschattet war diese Partie von Übertragungsproblemen, die sich nicht endgültig reparieren ließen. Aber die Zuschauer, die nicht alle Züge live sahen, haben nicht allzu viel verpasst.

Grand-Prix-Finalist Levon Aronian. | Foto: World Chess

Spannender war das zweite Halbfinale. Rapport spielte den Königsindischen Angriff. Die Partie folgte bis zum 11. Zug einem Vorgänger von Rapport aus der Schachbundesliga 2019. Nakamura reagierte klassisch-prinzipientreu, besetzte das Zentrum und schaffte Vorposten für seine Springer auf auf e4 und c4.

Trotz des vollen Bretts fand Rapport keinen Weg, Nadelstiche zu setzen, er sah sich bald in eine passive Lage versetzt. Mit der Initiative im Rücken bot Nakamura im 30. Zug ein Remis an. Rapport akzeptierte.

„Ich war mit dem Ergebnis der Eröffnung zufrieden, aber ich hätte wahrscheinlich ein paar Figuren auf e5 tauschen sollen. Ich habe versucht, etwas Klügeres zu machen, was nicht funktioniert hat“, sagte Rapport nach der Partie.

In Bezug auf seine Turnierleistung war Rapport sehr kritisch: „Ich glaube, ich habe hier sehr schlecht gespielt. Ich hatte großes Glück, meine Vorrundengruppe zu gewinnen. Direkt nach Wijk aan Zee, einem extrem langen Turnier, fehlte mir hier die Kraft. Rapport freut sich auf den nächsten Grand Prix in Belgrad. “Für mich wie ein Heimspiel, da ich dort schon eine Weile lebe.”

Nakamura war von Rapports Eröffnungswahl überrascht: „Ich hatte nicht damit gerechnet. Diese Sc6-Idee hatte ich mir kürzlich vage angeschaut. Aronian hat so schon gespielt, also kann es nicht so verkehrt sein”, erklärte Nakamura. “Mein auf e4 eingefplanzter Springer lässt seinen Fianchetto-Läufer nie aktiv werden.”

Unter anderen Umständen hätte Nakamura wahrscheinlich weitergespielt, anstatt Remis anzubieten. “Aber wen interessieren Wertungspunkte? Das einzig Wichtige war, das Match zu gewinnen.“

Grand-Prix-Finalist Hikaru Nakamura. | Foto: World Chess

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