Donchenkos neuer Henkelpott

Da ist das Ding: Alexander Donchenko mit seinem neuesten Henkelpott. | Foto: Bernard Riess

Vielleicht ist die Silbermedaille bei Europameisterschaften ja das neue Standardergebnis deutscher Großmeister? Nachdem unlängst Vincent Keymer die Einzel-EM als Zweiter beendet hat, kehrt jetzt Alexander Donchenko mit dem zweiten Platz, 2.500 Euro Preisgeld und einem Pokal von der Größe eines Kleinkinds aus Katowice (Polen) zurück.

Mit 6 Punkten aus 6 Partien war der 23-Jährige überragend in den Wettbewerb gestartet. Am Ende schlug er bei 9,5 Punkten aus 11 Partien auf – punktgleich mit dem Russen Alexander Motylev und dem Litauer Paulius Pultinevičius. Als das Spitzentrio feststand, dauerte es noch einige Minuten, bis endgültig geklärt war, wer nach Wertung vorne liegt.

via chess-results.com

Am Ende sollte es ein halbes Wertungspünktchen sein, das Donchenko vom neuen Europameister Alexander Motylev trennte. “Man braucht halt Glück”, stellte der Titelträger sogleich fest. “Ohne Glück kannst du so einen Wettbewerb nicht gewinnen.”

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https://youtu.be/n6lwV8l0GIA
Schnellschach-EM, achte Runde, ein typischer Donchenko-Sieg, der den Eindruck erweckt, es sei ganz einfach, 2400-IM mit Weiß auseinanderzuschrauben.

In Reichweite der Tabellenspitze hielt sich im Laufe des Turniers stets Daniel Fridman auf. Mit einem Sieg in der Schlussrunde hätte er bis auf einen halben Punkt an die drei Führenden heranrücken können. Und gegen den polnischen Weltklasse-Veteran Michal Krasenkow war ein Punkt drin. Fridman drückte die ganze Partie über, erkämpfte sich einen, dann zwei Mehrbauern. Aber letztlich stand ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett, in dem es schien, als gebe es kein Weiterkommen. Fridman gab diese Stellung remis:

Spätestens als er diese Stelung einen Engine-Check unterzogen hat, wird sich Fridman gehörig geärgert haben. Die Stellung lässt sich mit einem versteckten Manöver gewinnen, das für Menschen unter Schnellschachbedingungen unauffindbar sein dürfte. Stockfish zeigt, wie es geht:

Aha! Schlau! Und sehr hübsch, danke, Rechenknecht.

Dann wäre nur noch die Frage offen, wie Alexander Donchenko seinen überdimensionierten Silberpokal ins heimische Gießen geschafft hat – ins Reisegepäck für den Zug oder Flieger passt so ein Pott ja offensichtlich nicht. Die Antwort liefert Bernhard Riess, Vizepräsident des Berliner Schachverbands, der als Schiedsrichter die Rapid- und Blitz-EM begleitet hat. Riess berichtet, Donchenko sei zusammen mit seiner Schwester Daria per Auto nach Katowice gefahren.

Großmeisterliche Voraussicht vielleicht? Dank Rückbank oder Kofferaum dürfte der Rücktransport sperriger Güter unproblematisch gewesen sein.

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schwichtd
schwichtd
9 Monate zuvor

Ist das jetzt pandemiebedingt oder war das schon immer so? Die großen Namen fehlen alle. Oder lassen die dieses Turnier aus, weil die WM so zeitnah stattfindet?