Hoffnung nach dem Brand: ein neues Schachmuseum für Ströbeck

Ein Jahr nach dem verheerenden Feuer sehen die Macher und Unterstützer des Schachmuseums Ströbeck eine Perspektive: Bis 2023 solle der Umbau des Ströbecker Bürgerhauses abgeschlossen sein. Darin werde das neue Schachmuseum entstehen, erklärte jetzt Ströbecks Ortsbürgermeister Jens Müller im Lokalradio.

Am 14. November 2019, Müllers Geburtstag, zerstörten die Flammen ein weltweit einmaliges Museum. Unter den deutschen Schachseiten gab es seinerzeit genau eine, die in Ströbeck angerufen und sich von der Museumsleiterin hat berichten lassen, wie es um den Schach-Schatz steht:

Jens Müller, Ortsbürgermeister des vor zehn Jahren von Halberstadt eingemeindeten Ströbecks. | Foto: Bernd Vökler/DSB

Kurz vor dem Jahrestag des Brands teilte das Städtischen Museum Halberstadt (dem das Schachmuseum Ströbeck zugeordnet ist) jetzt den Stand der Dinge mit: „Das Team hatte monatelang zu tun, sich in Schutzmontur einen Überblick zu verschaffen sowie die geborgenen Objekte zu sichten, in Schadenskategorien zu unterteilen, mit Fotos dokumentiert und für die Auslagerung zu verpacken. Nach den Aufräum-, Sicherungs- und Bergungsarbeiten kamen die Experten: die Versicherungen schickten ihre Kulturgutbeauftragten und Restauratoren erstellten Gutachten zum Umfang der Schäden.“

Das ehemalige Museumsgebäude sei mittlerweile komplett geräumt, alle etwa 6.000 Exponate der wertvollen Sammlung seien von Ruß und Schadstoffen gereinigt – außer jenem Dutzend, das nicht zu retten war. Historische Fahnen oder Kostüme, die an der Wand hingen, sind verbrannt und unwiderbringlich verloren. Was dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehr gerettet und gereinigt worden ist, hat das Museum in ein Zwischendepot ausgelagert. Erste Restaurierungen seien beauftragt, darunter die des wertvollen Kurfürstenschachbretts aus dem Jahr 1651.

Im Zwischenlager hat nun Sammlungsmitarbeiterin Friederike Hausmann begonnen, ein neues Inventar des Museumsbestands einzurichten. Das ist laut Museum akut wichtig für die Abstimmung mit der Kulturgutversicherung. Perspektivisch wird die Inventarisierung die Basis sein, um aus der Sammlung wieder eine Dauerausstellung zu machen.

„Als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Bistum Halberstadt bereiste, dessen Herrscher er nach dem Dreißigjährigen Krieg geworden war, besuchte er auch das damals schon bekannte Schachdorf Ströbeck. Beeindruckt von den Schachkünsten der Ströbecker schenkte der Große Kurfürst dem Dorf 1651 ein wertvolles Schachbrett. In aufwendigen Intarsien-Arbeiten und Malereien sind rings um das Schachbrett unter anderem die damalige Dorfansicht und das Wappen des großen Kurfürsten mit einer persönlichen Widmung zu sehen. Die Rückseite zeigt das Spielfeld für das im Mittelalter neben dem bekannten Schach übliche Courierspiel mit 96 Feldern“, hieß es 2005 im Halberstädter Tageblatt. | Foto via Antikwerkstatt Klauber

Hilfreich ist das Engagement vieler Privatleute, benachbarter Gemeinden und des Landes Sachsen-Anhalt. Etwa 25.000 Euro sind nach Angaben Müllers zusammengekommen, nachdem ein Spendenkonto eingerichtet und auf zahlreichen Kanälen zur Hilfe aufgerufen worden war.

Happy End?

Wenn alles läuft wie geplant, werden die gesammelten Schach-Schätze des Museums 2023 wieder dort zu sehen sein, wo sie vor einem Jahr beinahe Opfer der Flammen geworden wären. Das im Umbau befindliche Bürgerhaus und künftige Schachmuseum grenzt unmittelbar an das alte Ratsgebäude (Anschrift: Platz am Schachspiel 97), das bis zum Brand das Museum beherbergte.

Sobald das neue Schachmuseum geöffnet hat, will der Ortsbürgermeister die Bewerbung Ströbecks fürs Unesco-Welterbe vorantreiben. Sollte die erfolgreich sein, „wäre das für alle Beteiligten ein Happy End“, sagt Jens Müller.

Reparaturarbeiten am Dach haben aller Wahrscheinlichkeit nach den Brand ausgelöst, der an dieser Stelle nicht mehr zurückließ als ein schwarzes Gerippe. Gleichwohl gelang es den Feuerwehrleuten, fast alle der bedrohten 6.000 Objekte zu retten. | Foto: Feuerwehr Ströbeck

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