Stockfish verklagt ChessBase

Das Stockfish-Team verklagt ChessBase. Ziel der Klage ist, den Verkauf von Fat Fritz 2.0 zu stoppen. Nach Ansicht des Stockfish-Teams hat ChessBase kein Recht, eine Software zu vertreiben, die teils auf Stockfish basiert, teils damit identisch ist, nachdem mehrere Stockfish-Entwickler ihre Softwarelizenz gegenüber dem Hamburger Unternehmen gekündigt haben.

Die Klage ist die neueste Entwicklung im Streit zwischen dem Stockfish-Entwicklerteam und dem Unternehmen, der sich an der Veröffentlichung von „Fat Fritz 2.0“ im Februar 2021 entzündet hat.

Peter Doggers’ Recherche zum Konflikt, der unmittelbar nach der Veröffentlichung von “Fat Fritz 2.0” hohe Wellen geschlagen hatte. Auch chess24 berichtete ausführlich.

„Das Stockfish-Projekt glaubt fest an freie und quelloffene Software und Daten … Wir lizenzieren unsere Software unter Verwendung der GNU General Public License, Version 3 (GPL) mit der Absicht, allen Schachbegeisterten die Freiheit zu garantieren, alle Versionen des Programms zu verwenden, zu teilen und zu ändern“, heißt es in der Stockfish-Mitteilung anlässlich der Klage. Und weiter: ChessBase teile diese Vision von Offenheit nicht. Kunden werde der Ursprung wichtiger Teile des Produkts verheimlicht.

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Nach Auffassung des Stockfish-Teams hat ChessBase „wiederholt gegen zentrale Pflichten der GPL verstoßen, die sicherstellen, dass der Nutzer der Software über seine Rechte informiert wird“. Ein Recht sei der Zugang zum Quellcode, ein anderes, lizenzierte Programmteile gebührenfrei zu vervielfältigen, zu ändern und zu verteilen.

Die juristische Auseinandersetzung ums Durchsetzen der Lizenz läuft seit Monaten. Houdini 6 etwa, in weiten Teilen ebenfalls ein Stockfish-Klon, darf laut Stockfish nicht mehr verkauft werden. In Sachen Fat Fritz 2.0 bekamen Schachhändler im März diese Mitteilung aus Hamburg:

„Dem Titel Fat Fritz 2.0 (DVD) liegen leider nicht die vollständigen GPL3-Lizenzbedingungen bei. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, den Titel zurückzurufen und den Verkauf der DVD-Version zu stoppen. Bitte beenden Sie den Verkauf der DVD-Version am Mittwoch, den 31. März 2021. Fat Fritz 2.0 (DVD) darf ab dem 31. März 2021 nicht weiter verkauft werden.“

Eine Stichprobe am heutigen Mittwoch ergab, dass die DVD trotzdem bei der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Fachhändler weiterhin erhältlich ist.

“Haben die Beweise und die Mittel”

Den Streit außergerichtlich beizulegen, sei nicht gelungen, teilt das Stockfish-Team mit. Nun soll der komplette Verkaufsstopp von Fat Fritz 2.0 gerichtlich erzwungen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Stockfish-Entwickler juristischen Beistand in Deutschland gesucht. Die nach eigenen Angaben auf Marken- und Wettbewerbsrecht, Urheber- und Medienrecht sowie IT- und Datenschutzrecht spezialisierte Kanzlei „JBB Rechtsanwälte“ hatte schon beim Durchsetzen des Verkaufsstopps für Houdini und den DVD-Fritz unterstützt.

„Wir glauben, dass wir die Beweise, die finanziellen Mittel und die Entschlossenheit haben, diesen Prozess erfolgreich abzuschließen“, heißt es auf der Stockfish-Website.

Update, 23. Juli: Gegenüber chess.com hat sich ChessBase-Chef Matthias Wüllenweber zur Klage gegen sein Unternehmen geäußert. Was das Stockfish-Team in seinem Blog beschreibt, hält Wüllenweber für “widerlegbar”. Daher unterscheide sich das, was die Stockfish-Juristen vorbringen, wahrscheinlich von dem, was im Stockfish-Blog steht.

“We behaved insensitively and we apologized for it. However, the legal side felt always OK and normal. E.g. advertisements and the packaging have clearly stated since February that Fat Fritz 2 is based on the open-source engine Stockfish, usually as the first claim/bullet point”, schreibt Wüllenweber. Und weiter: “So at the moment, we expect to win, but this will not diminish our respect for the work behind Stockfish.”

(Titelbild via chess.com)

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Krennwurzn
Krennwurzn
4 Monate zuvor

Interessant ist nebenbei, dass Wüllenweber sich bei der Konkurrenz äußert, während auf den CB-eigenen Webseiten das große Schweigen angesagt ist.

Wer ganz böse wie die Krennwurzn denkt, könnte meinen, dass diese Webseiten von den “Stalinisten” aus dem vorigen Jahrtausend befüllt werden, die den Kontakt zur modernen Onlinewelt längst verloren haben.

Walter Vogel
Walter Vogel
4 Monate zuvor

Man muss schauen ob die DVD FF2 oder FF2 SE enthält.

trackback

[…] hat in seinem Online-Boulevardblatt eine kurze Zusammenfassung unter https://perlenvombodensee.de/2021/07/21/stockfish-verklagt-chessbase/ veröffentlicht. Ein Kommentar zu Conrads Artikel ist hierbei […]

Thorsten Cmiel
Thorsten Cmiel
4 Monate zuvor

Unübersichtlich die Lage. Wenn die Händler FF weiter verkaufen, muss SF möglicherweise gegen diese vorgehen. Bin ich froh, kein Jurist zu sein. Mir reicht ein Rechtsstreit mit dem NDR über Datenmanipulation zur Beitragserschleichung. Das wird noch witzig.

acepoint
acepoint
4 Monate zuvor

Bei Chessbase selbst ist jedenfalls nur die Downloadversion erhältlich. Eine neue DVD haben sie wohl nicht mehr produziert.

Edit: doch wohl auch DVD, wenn man das Produkt in den Warenkorb legt, wird «Post» angeboten.

Last edited 4 Monate zuvor by acepoint
Jörg Sonnenberger
Jörg Sonnenberger
4 Monate zuvor

Es sehe nicht, warum die Händler keine gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung begehen. Wenn sie von dem Rückruf wissen, dann sogar mit Vorsatz. Sie können den Vertrag ihrerseits ja rückabwickeln, sprich, Chessbase ist natürlich verpflichtet die Waren zum Ursprungspreis zurückzunehmen…

Jens Nebel
Jens Nebel
4 Monate zuvor

Wenn das Produkt rechtsverletzend ist, betrifft dies auch die Händler. Ein Unterlassungsanspruch setzt kein Verschulden auf Händlerseite voraus, wobei angesichts der jetzt vorliegenden Veröffentlichungen wohl ohnehin mindestens fahrlässiges Verhalten vorläge (darauf kommt es für einen Verkaufsstopp aber wie gesagt nicht an). Eine andere Frage ist aber, ob die Rechteinhaber von Stockfish gegen die Händler vorgehen wollen (vermutlich nein). Vielmehr packen sie das Problem bei der Wurzel und gehen den Hersteller an. Solange dieser eine andere Auffassung vertritt und das Produkt nicht zurückruft (oder entsprechend verurteilt wird), sind die Händler allerdings derzeit nicht gehindert, das Produkt weiter zu verkaufen.