WM-Finale! Frederik Svane – souverän und nervenstark

Frederik Svane aus Lübeck steht heute im Finale der online ausgetragenen U16-Weltmeisterschaft. Ab 16 Uhr wird er gegen den Iraner Amirreza Pour Agha Bala ein Schnellschachmatch um den Titel spielen. Die Deutsche Schachjugend überträgt und kommentiert live.

Zu erwarten war weder Svanes Finaleinzug noch der seines iranischen Gegenspielers. In Abwesenheit einiger der nominell besten U16-Spieler des Planeten hatte das Feld zwei klare Favoriten, die einzigen beiden Großmeister, die einzigen beiden Spieler jenseits der 2500 Elo: den Dänen Jonas Buhl Bjerre sowie Vincent Keymer aus Saulheim.

Keymer war schon wackelig gestartet, hatte aber die erste Runde noch gemeistert. In der zweiten zwang ihn der Kolumbianer Jose Gabriel Cardoso ins Stechen – und setzte sich durch.

Für das Ausscheiden des anderen Favoriten sorgte Frederik Svane höchstselbst. Nachdem er den Dänen eliminiert hatte, wartete im Halbfinale der US-amerikanische IM Andrew Hong, eines der hoffnungsvollsten Talente des US-Schachs. Schon mit 14 Jahren war Hong IM geworden, und mit seinen 2449 Elo war er nominell ein klein wenig stärker als der Deutsche, der die ersten Partie mit Schwarz bestreiten musste.

Nach 24 Zügen der entscheidende Moment des Matches:

Frederik Svane hat gerade 24…b5 gespielt. Mit 25.cxb6 würde Weiß einen leichten, aber stabilen Vorteil bewahren. Im Kampf gegen das gegnerische Läuferpaar und einen potenziell entfernten Freibauern ginge es für Schwarz einzig darum, die Partie remis zu halten.

Andrew Hong hatte sich aber in seine Phalanx d5/c5 verliebt, wollte sie nicht aufgeben, träumte gar von einem gedeckten Freibauern auf c6 – und zog 25.Lb3?. Das übersieht einen taktischen Trick: 25…Sd3 26.Te3 dxc5!. Nach 27.Txd3 c4 muss sich Weiß von seinem Läuferpaar trennen, und statt mit einer bedrohlichen Phalanx steht er mit schwächelnden Bauern im Zentrum und am Damenflügel da. Von diesem Übersehen geschockt, setzte Hong nicht ideal fort und fand sich bald in einem hoffnungslosen Endspiel wieder.

(Klick auf einen Zug öffnet das Brett zum Nachspielen)

Die zweite Partie wurde zum Monument der Souveränität und Nervenstärke des 16-jährigen Lübeckers. Zu keinem Zeitpunkt drohte irgendetwas anzubrennen, dem Amerikaner bot sich keinerlei Perspektive, das Match noch ins Armageddon zu retten. Stattdessen hätte Svane an mehreren Stellen zu Recht Gewinnversuche unternehmen können. Aber das hatte er ja gar nicht nötig. Ein Remis reichte, und das stand nach 105 Zügen in Form eines Patts auf dem Brett.

Über Svanes heutigen Gegner aus der neuen Schach-Großmacht Iran wissen wir nicht viel. Eigentlich nur dieses: Er hat den Kolumbianer geschlagen, der Vincent Keymer aus dem Turnier gekegelt hatte.

Wird er heute Weltmeister? Frederik Svane aus Lübeck. | Foto: Sonja Klotz/Deutsche Schachjugend
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