Zeitverschwendung II

Antwort 7:

Früh mit der Dame mitten auf dem Brett herumzuturnen, geht meistens nach hinten los. Die leichten Figuren des Gegners werden die Dame attackieren, zurücktreiben und dabei Zeit gewinnen.

Elmar Streicher – Felix Eichin, Überlingen, Oktober 2017

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So wie hier. Nach 2…e5xd4 3.Dd1-xd4 Nb8-c6 gleicht der weiße Damenausflug einer Einladung für Schwarz, seine Figuren mit Tempo zu entwickeln: Schwarz entwickelt seinen Sb8 auf das natürliche Feld c6, greift die Dame an, die muss ziehen, und Schwarz kann die nächste Figur ins Spiel bringen.

Weiß verschwendet Zeit, Schwarz investiert sie in Entwicklung und Zentrumskontrolle.


Antwort 8:

Die gegnerische Dame zu nehmen, ist eine verlockende und in diesem Fall die beste Option. Aber es ist nicht ganz leicht zu sehen, wie Weiß nach 12.Sxd5 Lxd1 fortsetzen sollte.

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(Weiß am Zug)

Wieder bietet sich eine verlockende Möglichkeit: die Springergabel 13.Sd5xc7+, die gleichzeitig dem schwarzen König Schach bietet und den Ta8 angreift. Weiß muss sehen, dass Schwarz nach 13…Ke8-d7 13.Sc7xa8 Ld1-b3 seinen Läufer rettet, während sein Springer eingesperrt auf a8 zurückbleibt und verloren gehen wird. Am Ende verbliebe Schwarz mit zwei Leichtfiguren für einen Turm, ein deutlicher Vorteil.

Besser wäre stattdessen, mit 13.Sd5xf6+! die schwarze Struktur zu zertrümmern. Nach 13…g7xf6 14.Ta1xd1 steht Weiß klar besser. Seiner intakten Bauernmajorität am Königsflügel steht ein elendes Häuflein vereinzelter schwarzer Bauern gegenüber. Alleine deswegen hätte Weiß treffliche Aussichten, die Partie zu gewinnen.

171008Elmar6.jpgWenn Schwarz nicht aufpasst, dann wird Weiß per Lf1-b5 den Sc6 fesseln und ihm per Lb5xc6 noch mehr vereinzelte (Doppel)bauern andrehen.


Antwort 9:

Lange Damenzüge und ihre Wirkung kreuz und quer übers Brett sind leicht zu übersehen. Zum Überlinger Glück übersah der Schwarze hier, wie sich die Partie auf Anhieb beenden lässt. Per Doppelangriff kann Schwarz eine Figur gewinnen, eines der gängigsten taktischen Motive.

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Die schwarze Dame gibt Schach und greift zugleich den Sc7 an. Weiß muss auf das Schach reagieren, dann bedient sich Schwarz auf c7 und steht mit einer Mehrfigur bequem auf Gewinn.

Wenn Schwarz nach 13…Dh5-a5+ 14.b4 innehält und nochmal nachdenkt, dann sieht er, dass er sogar noch stärker spielen kann. Nach 14…Sxb4! geht es unmittelbar dem weißen König an den Kragen. Schwarz steht so gut, einen Figurengewinn hat er gar nicht nötig.

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