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Anatoli Karpow

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beleuchtet den Werdegang Anatoli Karpows vom Schachspieler zum millionenschweren Geschäftsmann zum Politiker, der einige Verantwortung auf sich geladen hat - und nun dafür bezahlt. Sechs Fragen der FAZ war Karpow bereit zu beantworten - und hat sie nicht beantwortet. Aber der Autor Stefan Löffler hat trotzdem manches herausgefunden. Unter anderem, dass das Karpow-Schachzentrum Rhein-Neckar vor der Auflösung steht. Das Vereinsvermögen soll den Opfern des von Karpow mitverantworteten Kriegs in der Ukraine zugute kommen.

Karpows Zug ins Abseits (hinter der Bezahlschranke)

Siehe auch:

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https://perlenvombodensee.de/forum/topic/schachakademie-rhein-neckar-karpow-soll-nicht-laenger-namensgeber-sein/

Anatoli Karpow verletzt im Krankenhaus

Das britische Boulevarblatt "Daily Mail" hat dem Karpow-Unfall am 1. November einen anderen Dreh zu geben versucht. Die Zeitung stellt einen Zusammenhang zwischen Karpows angeblicher Kritik am Krieg gegen die Ukraine und seinem Sturz her:

Russian lawmaker who called for end to Putin's war is comatose in hospital after claims 'he was attacked at parliament building' and suffered 'unfortunate fall'

  • Anatoly Karpov, 71, in a coma in hospital after suffering head injuries at weekend 
  • Karpov, an MP, was known as Putin loyalist but had called for end to Ukraine war
  • Conflicting reports suggested he had either been beaten leaving Russia's parliament building, had suffered a domestic incident, or had fallen over 
  • He is just the latest in a long line of Russian elites to meet unfortunate fates since  Putin ordered the invasion of Ukraine in February

Im April habe Karpov im kasachischen Fernsehen gesagt: 'I wish [the war] would end sooner, so that peaceful people would stop dying.' He added: 'In the end ordinary people are the victims. Ordinary people fight, politicians and generals decide, and ordinary people fight, civilians die. 'I am not even talking about soldiers and officers. No, I could not imagine at all that Russians and Ukrainians would go to war. I have many friends in Ukraine.'

Beitrag in der Daily Mail

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Die Daily-Mail-Geschichte ist seitdem dutzendfach abgeschrieben worden. Jetzt hat sich die New York Times des Falls angenommen. Sie stellt den Zusammenhang zwischen Unfall und Kritik am Krieg (dem Karpow mit seiner Stimme im Parlament den Weg geebnet hat) nicht her, erwähnt aber, Karpow habe "Sympathie für die zivilen Opfer des Kriegs" gezeigt.

Beitrag in der New York Times

Karpow sei bei Bewusstsein, sein Gesundheitszustand habe sich verbessert, meldet heute der deutsche Journalist Holger Schach in seinem Blog und Berufung auf die russische Zeitung Izvestiya, die bei Karpows Frau Natalya und bei Sergey Karyakin nachgefragt habe. "Die Ärzte sagen, dass es einen positiven Trend gibt“, soll Karyakin gesagt haben. Ihr Ehemann stehe weiter unter strenger medizinischer Beobachtung, sagte Karpows Frau. Die Ärzte hätten auch noch eine Lungenentzündung festgestellt.

Beitrag in Holger Schachts Blog

Es bleibt widersprüchlich. Während Izvestia Komplikationen meldet, hat die deutsche ChessBase-Seite Quellen gefunden, die eine Heile-Welt-Geschichte rechtfertigen: Es gehe Karpow besser, er werde bald die Intensivstation verlassen und, ein Zeichen der Besserung, beschwere sich über die Qualität des Essens:

https://de.chessbase.com/post/karpov-auf-dem-weg-der-besserung

Entwarnung:

Gehirnerschütterung abgeklungen, Lungenentzündung auch, künstliche Beatmung nicht mehr nötig. Anatoli Karpow habe das Krankenhaus verlassen, meldet die Komsomolskaja Prawda unter Berufung auf Karpows Frau. Schon nach einer Woche habe er sich erholt gehabt und darauf gedrängt, nach Hause zu dürfen, heißt es. Aber die Ärzte hätten ihn weiter beobachten wollen.

Jetzt ist es offenbar an der Zeit, die Behandlung ambulant fortzusetzen. Karpow ist wieder zu Hause. "Er fühlt sich gut, trinkt Granatapfelsaft und ist sehr glücklich, dass er endlich zu Hause gelandet ist", sagte sein Gattin Natalya der Zeitung:

https://www.kp.ru/sports/shahmaty/zhena-anatoliya-karpova-rasskazala-o-zdorove-grossmejstera/

Bei ChessBase ist jetzt ein Beitrag erschienen, in dem das Geschehen und die unterschiedlichen Angaben unterschiedlicher Beteiligter noch einmal im Detail aufgedröselt werden.

Falsch ist die Darstellung, Karpow sei schon fünf Tage nach seinem Sturz in der Lage gewesen, eine Videogrußbotschaft ans Karpow-Festival in Cap d'Agde zu schicken. Die Botschaft hatte er laut Susan Polgar vorher aufgezeichnet.

https://de.chessbase.com/post/karpov-wieder-zuhause

Es wird nicht übersichtlicher. Nun, da Karpow wieder daheim ist, mutmaßt er in einem Interview mit der Moskowski Komsomolez, ein Schlag von hinten habe zu seiner Kopfverletzung und seinem Sturz geführt. Unmittelbar nach dem Vorfall hatte Karpows Frau gesagt, es habe keinen Angriff gegeben.

https://www.mk.ru/sport/2022/12/07/anatoliy-karpov-dal-pervoe-intervyu-posle-reanimacii-igrayu-s-kompyuterom.html

Na klar. Karpow mag eben nicht zugeben, dass er offenbar sturzbetrunken war und von selber gestürzt ist. Aber solange er Putin weiter die Stange hält interessiert es mich auch nicht wirklich. Er ist für den Rest seines Lebens verbrannt. 

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