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Helmut Pfleger

Perlen-Autor Jochen Jansen gratuliert Helmut Pfleger zum Geburtstag:

Der geheimnisvolle Schachdoktor

Helmut Pfleger im Schachgeflüster:

Seit mehr als 40 Jahren (!) verfasst Helmut Pfleger die Schachkolumne in der "Zeit". Eine Auswahl seiner Werke aus diesen 40 Jahren ist jetzt in Form eines Buchs erschienen:

Amazon-Klappentext:

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Natürlich ist Schach keine Zauberei, aber so trickreich kann uns nur Helmut Pfleger zum Schachspielen verführen.

Helmut Pfleger ist unser Schachzauberer. Jede Woche gelingt es ihm eine neue kurzweilige und spannende kleine Geschichte samt kniffliger Schachaufgabe im ZEITmagazin zu präsentieren. Und viele Leser schlagen dabei als erstes neugierig seine Kolumne auf, wie z.B. Peer Steinbrück, Finanzminister a.D., freimütig gesteht. Niemand sonst kann komplexe Schachpartien so allgemein verständlich am Demonstrationsbrett erläutern, ob über viele Jahre im WDR in der legendären TV-Sendung SCHACH DER GROSSMEISTER, als «Dream Team» zusammen mit Vlastimil Hort, oder bei seinen Simultanveranstaltungen und zahlreichen Auftritten vor sachkundigem Publikum.

Mit Witz und Raffinesse kommt auch die vorliegende neue Sammlung von 160 Schachaufgaben daher, zusammengestellt aus den Jahren 2016 bis 2022. Natürlich ist Schach keine Zauberei, aber so trickreich kann uns nur Helmut Pfleger zum Schachspielen verführen.

Und so ganz nebenbei steigern Sie spielerisch Ihre schachlichen Fähigkeiten: Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen und Lösen der spannenden Aufgaben!

ChessBase-Gespräch zu 40 Jahren Schach in der "Zeit":

https://de.chessbase.com/post/40-jahre-schach-mit-helmut-pfleger-in-der-zeit-2

Helmut Pfleger in einem offenen, nachdenklichen Gedankenaustausch zu seinem Leben und seiner Schachkarriere mit Johannes Fischer:

Schach hielt Helmut Pfleger ein Leben lang zwischen Brett, Klinik und Öffentlichkeit

Interviewpartner: Helmut Pfleger · Interviewer: Michael Busse und Jonathan Carlstedt · Format/Medium: Schachtalk · Datum: 8. Februar

Schach war für Helmut Pfleger nie nur Spiel, nie nur Berufsersatz und nie bloß Stoff für Kolumnen. Es war zuerst Wettkampf, später Erklärung, am Ende vor allem eine Lebensform. Das sagte Helmut Pfleger im Gespräch mit Michael Busse und Jonathan Carlstedt. Den eigentlichen Wendepunkt datiert er präzise: 1984, bei der Schacholympiade in Thessaloniki. Damals musste er sich entscheiden, ob er weiter für die bundesdeutsche Mannschaft spielt oder fürs Fernsehen arbeitet. Er entschied sich für das Erklären – und verließ damit den Kreis der Nationalmannschaftsspieler.

Pfleger beschreibt diese beiden Seiten seines Lebens nicht als Gegensatz. Zuerst stand für viele Jahre das Spielen im Vordergrund. Später kam das Erklären hinzu und löste das Turnierschach nach und nach ab. Dabei blieb Schach für ihn formal immer ein Hobby, obwohl es längst weit über ein Hobby hinausging. Er arbeitete als Arzt, gleichzeitig spielte er auf hohem Niveau Turniere in aller Welt. In den Jahren, in denen er im Krankenhaus besonders viel arbeitete, kam er nach eigener Darstellung auf etwa 80 Stunden pro Woche. Gerade diese extreme Belastung verschaffte ihm durch Nacht- und Notarztdienste jedoch Freizeitausgleich, den er dann für Turniere nutzte.

Spieler, Arzt, Erklärer

Pfleger schildert seine Laufbahn nicht als geraden Plan, sondern als ein Nebeneinander mehrerer Welten. Medizin und Schach liefen parallel. Später trat das Fernsehen hinzu. Dort wurde er für viele Zuschauer zur prägenden Stimme des Schachs. Im Gespräch fällt mehrfach auf, dass er selbst diese Rolle nicht groß ausstellt. Er spricht sachlich darüber, dass er sich irgendwann fürs Fernsehen entschied und dass damit ein Abschnitt als Nationalspieler endete.

80 Jahre Helmut Pfleger

Den Stoff für seine Kolumnen sieht er bis heute nicht als Problem. Im Gegenteil. Er sagt: „Der Stoff geht nicht aus.“ Das Schachleben sei „so bunt und so reich“, aus Geschichte, Kultur und aktuellem Spiel entstehe ständig neues Material. Dabei unterscheidet er klar zwischen verschiedenen Formen des Schreibens. Während Fachzeitschriften stärker auf aktuelle schachliche Fragen schauen, greift er gern weiter aus und geht auch weit zurück.

Begegnungen mit den Großen

Der Reiz dieses Gesprächs liegt vor allem darin, dass Pfleger Schachgeschichte nicht als fernes Archiv beschreibt, sondern als eigenen Erfahrungsraum. Viele Namen fallen beiläufig, weil sie für ihn zu einem gelebten Schachleben gehören. Judit Polgár etwa erscheint nicht als Legende, sondern als junge Spielerin, gegen die er nach eigener Erinnerung 2:0 führt – einmal im Tischtennis, einmal im Schnellschach. Den Sieg am Brett erklärt er ohne Pathos mit einer konkreten Situation: Nach einer WDR-Sendung in Köln sei sie übermüdet in Nordhorn angekommen, dort habe er sie morgens erwischt. Nachmittags sei sie dann schon wacher gewesen.

Auf die Frage, wie Polgár damals in der Männerwelt aufgenommen wurde, erinnert Pfleger an einen raueren Ton als heute. Er verweist auf abfällige Bemerkungen, die damals „gang und gäbe“ gewesen seien. Gerade daran macht er fest, dass sich der Umgang verändert habe.

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Noch weiter zurück führen seine Erinnerungen an Bobby Fischer. Nach der Olympiade 1960 in Leipzig verbrachte Fischer eine Woche in Bamberg, war Gast bei Lothar Schmid und kam in dieser Zeit auch zu Pfleger nach Hause. Dort wurde gegessen und geblitzt. Pfleger sagt, Fischer habe ihn damals „etwas misshandelt“, also klar geschlagen. Zugleich betont er, dass man damals noch gut mit ihm habe umgehen können. Fischer sei schon exzentrisch gewesen, habe sich bereits für den besten Spieler der Welt gehalten, sei aber noch zugänglich gewesen. Den späteren Verfall nennt Pfleger „tragisch und traurig“.

Schach und Charakter

Auffällig ist, wie sehr Pfleger bei großen Spielern auf menschliche Züge achtet. Auf die Frage nach den normalsten Weltmeistern nennt er Boris Spasski und Mikhail Tal. Beide beschreibt er als humorvoll und angenehm im Umgang. Auch mit Garry Kasparow und Anatoli Karpow habe man gut reden können, obwohl sie nicht immer einfach gewesen seien. Bei Karpow zieht er eine klare Grenze zur Gegenwart: Dessen heutige politische Rolle gefalle ihm überhaupt nicht, und er verbindet diese Distanz ausdrücklich mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine.

Den ewigen Vergleich um den größten Spieler will Pfleger nicht zuspitzen. Er verweist zunächst darauf, dass man Spieler verschiedener Generationen kaum direkt vergleichen könne. Dann nennt er doch drei Namen: Fischer, Kasparow und Magnus Carlsen. Für Carlsen spreche heute sehr viel, sagt er, vor allem dessen Fähigkeit, sich immer wieder zu behaupten. Gleichzeitig würdigt er Kasparows Dominanz und Fischers gewaltigen Lauf zur Weltmeisterschaft gegen Mark Taimanow, Bent Larsen, Tigran Petrosjan und schließlich Spasski.

Das deutsche Schach und seine Figuren

Pfleger spricht mit sichtbarer Sympathie über die deutsche Schachszene, besonders über Menschen, die das Spiel tragen, organisieren und weitergeben. Vincent Keymer nennt er „unzweifelhaft den Besten in Deutschland“ und „die Nummer vier der Welt“. Ob Keymer der nächste WM-Herausforderer werde, lasse sich aber unmöglich sagen. Gerade bei Wunderkindern sei vieles unvorhersehbar. Gleichzeitig freut er sich, dass Matthias Blübaum die Qualifikation geschafft hat und das „wirklich verdient“.

Immer wieder kehrt Pfleger zu Weggefährten zurück. Über Vlastimil Hort spricht er mit großer Wärme. Schachlich sei Hort „ein Riese“ gewesen, menschlich ein langjähriger Partner vieler gemeinsamer Projekte. Spätere Begegnungen seien zunehmend von Horts Diabetes und seinen Gehproblemen überschattet gewesen. Dennoch überwiegen die schönen Erinnerungen. Ähnlich spricht Pfleger über Paul Keres, den er „einen ganz ganz feinen Menschen“ nennt. Dessen früher Tod mit 59 Jahren erscheint bei ihm als persönlicher Verlust und als Verlust für das Schach.

Schach als Teil des Lebens

Je länger das Gespräch dauert, desto deutlicher rückt Pfleger vom Spitzenschach weg und auf das Schach als Lebensbegleiter zu. Er erzählt von Ärzteschachturnieren, Simultanveranstaltungen, Begegnungen mit Behinderteneinrichtungen, Schulschach und Benefizformaten. Gerade dort zeigt sich sein Verständnis vom Spiel vielleicht am klarsten: Schach ist für ihn nicht nur Leistungssport, sondern ein Mittel, Menschen zu verbinden.

Sein Schlussgedanke läuft genau darauf hinaus. Er sagt: „Schach erhält eben auch jung und geistig rege.“ Schach sei „in jedem Lebensalter eine gute Sache“. Er begründet das nicht nur mit persönlicher Erfahrung, sondern verweist auf medizinische Studien, die dem Spiel eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz zuschreiben und sogar mit längerer Lebensdauer verbinden. Für Pfleger passt das zu seinem eigenen Weg: Er hat sich zwar längst vom Turnierschach zurückgezogen, verfolgt das Geschehen aber weiter mit Interesse. Und solange es geht, will er weitermachen – nicht aus Nostalgie, sondern weil das Spiel für ihn bis heute etwas Gegenwärtiges und Nützliches geblieben ist.

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