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Württemberg: "Dramatischer Mitgliederverlust" / DSB: von 91000 auf 86000

Ende des Jahres befreien die Vereine ihre Mitgliedslisten von Karteileichen, und es ergibt sich ein Bild. Darum war klar: Die Mitgliederzahlen Anfang des Jahres würden die kritischen sein, anhand derer sich sehen lässt, wie sich ein weiteres Corona-Jahr ausgewirkt hat.

Die Zahlen Anfang 2022 liegen den Verbänden jetzt vor, öffentlich sind sie noch nicht. Aber wir hören Tendenzen, und die sind sehr unterschiedlich. In mindestens einem Land ist die Zahl der Mitglieder gestiegen, in Württemberg ist sie einem Bericht der Stuttgarter SF zufolge dramatisch gesunken.

Wahrscheinlich ist es in den Ländern so wenig einheitlich wie in den Vereinen. Es gibt solche, die vom Schach-Corona-Boom profitieren, die genannten Stuttgarter SF zum Beispiel, und es gibt andere, die lösen sich auf.

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Sicher ist: Die Zahl der Vereine ist mit Beginn des neuen Jahres bundesweit auf unter 2300 gesunken.

Vom Schachbund hören wir derweil, es werde an einem Bericht zum Stand der Dinge gearbeitet. Der soll bald auf der DSB-Seite online gehen.

Jetzt äußert sich DSB-Präsident Krause zur Mitgliederentwicklung. Leider kein Wort zum Hochschulschach, auch keines zur demografischen Katastrophe, die droht, wenn ab dem kommenden Jahrzehnt die im organisierten Schach besonders stark vertretenen alten Jahrgänge nach und nach von uns gehen. Leider auch keine Aufschlüsselung nach Ländern, die teils sogar Mitglieder gewonnen haben (Niedersachsen), teils dramatisch verloren (Württemberg). Aber eine Willensbekundung inklusive einiger Rezepte: "Wir müssen den Trend umkehren".

Der DSB-Seite entnehmen wir:

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Das zweite Pandemiejahr hat leider auch das zweite Jahr in Folge die Mitgliederzahlen des Deutschen Schachbundes sinken lassen. Während wir 2021 noch rund 89.300 Mitglieder in den Vereinen hatten, sind es zu Beginn dieses Jahres ca. 87.700 Mitglieder.

Der genaue Blick zeigt, dass viel zu tun ist und die Entwicklung von Verein zu Verein sehr unterschiedlich ist: Während einige Vereine sehr gut durch die Pandemie kommen und sogar wachsen, gibt es immer mehr Vereine, die stark mit den Bedingungen zu kämpfen haben oder sich sogar ganz auflösen. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem diejenigen Vereine weniger Probleme haben, die digitale Angebote für ihre Mitglieder und interessierte Neulinge geschaffen haben.

Außerdem ist die Entwicklung nach Altersklassen und Geschlechtern sehr unterschiedlich. Während die Mitgliederzahlen bei den erwachsenen Männern stabil sind, ist bei den Frauen ab 18 Jahren trotz der Coronalage sogar ein Zuwachs von 3% zu verzeichnen.

Der gesamte Mitgliederrückgang ist auf die Verluste bei den Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren zurückzuführen. Das Schulschachangebot ist an vielen Orten weiterhin eingeschränkt und auch das Kinder- und Jugendtraining in vielen Vereinen leidet weiterhin unter der Pandemie. Es fehlen insgesamt die Eintritte, die in den Jahren vor dem Beginn der Pandemie für ein stetiges Wachstum bei den Mitgliederzahlen sorgten.

Wir möchten dieser Entwicklung entgegenwirken. Wir werden in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Schachjugend ein neues Schulschachprojekt initiieren, mit dem wir mehr Kinder erreichen und für eine Mitgliedschaft im Verein begeistern wollen. Und unabhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie sollten alle Vereine über die Einrichtung digitaler Angebote nachdenken. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein normales Vereinsleben durch gesetzliche Einschränkungen nicht möglich ist. Wer sich inspirieren lassen möchte, findet auf unserer Aktionsseite „Schach dem Virus“ viele in der Praxis erprobte Beispiele aus den Vereinen! Auch die Mitgliederentwicklung bei den Frauen zeigt, dass sich zum Beispiel aufgrund der Netflix Serie „Queen‘s Gambit“ viele Frauen für Schach interessieren und dass nun der ideale Zeitpunkt ist, schachliche Angebote gezielt für Frauen zu schaffen.

Wir müssen den aktuellen Trend umkehren. Das Interesse am Schach nimmt insgesamt zu und viele Menschen haben in der Pandemie ihre Begeisterung für unser schönes Spiel entdeckt. Auch diese Menschen möchten wir von den Bildschirmen und ihren Brettern zu Hause an unsere Turnierbretter und in die Vereine locken. Wir möchten die beliebte Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) noch mehr in dieser Zielgruppe bewerben und führen zusätzlich die Deutsche Amateurmeisterschaft im Schnellschach ein, die das bewährte DSAM-Format auf die immer populärer werdende kurze Bedenkzeit überträgt.

Wir stehen insgesamt gut da im Vergleich zu anderen Sportarten, die teilweise heftige Mitgliederverluste erleiden mussten. Aber das darf uns nicht genügen. Lasst uns vorbereitet sein, die Neuen mit offenen Armen und attraktiven Angeboten zu empfangen, wenn wir unseren Sport hoffentlich bald wieder wie gewohnt aber dafür mit neuer Begeisterung ausüben können!

Ich danke allen, die sich auch in schwierigen Zeiten für den Schachsport engagieren und allen, die ihren Vereinen die Treue halten. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald wieder über steigende Mitgliederzahlen berichten können, wenn wieder mehr Normalität in den Vereinen eingekehrt ist.

Ullrich Krause
DSB-Präsident

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