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Viktor Kortschnoi (1931-2016)

Korchnoi's Candidate Matches 1977

https://www.chess.com/blog/simaginfan/korchnois-candidate-matches-1977-some-games-i-remember?ref_id=43524416

Viktor Kortschnoi hätte heute 94. Geburtstag gefeiert:

https://twitter.com/dgriffinchess/status/1903745082357944561

Kortschnoi-Fotosammlung:

https://www.chessdiagonals.ch/402840517.html

Viktor Kortschnoi: Der Kämpfer, den die Sowjets nicht zum Schweigen brachten
Quelle: Ian Rogers, gardinerchess.com

Als Viktor Kortschnoi 2016 im Alter von 85 Jahren starb, galt er als der beste Spieler, der nie Weltmeister wurde – und als der einzige sowjetische Überläufer, dessen Name trotz aller Zensur nicht aus den Medien verschwand. Fast zwei Jahrzehnte war er eine Stütze des sowjetischen Spitzenschachs, bevor er 1976 in Amsterdam nach einem Turniersieg Asyl beantragte. Der Schritt war vorbereitet: Schon 1970 hatte ihn das System misstrauisch gemacht, als er vor einem Kandidaten-Halbfinale gegen Tigran Petrosjan ehrlich sagte, beide würden gegen Bobby Fischer verlieren. Daraufhin wurde er angewiesen, den Wettkampf an Petrosjan abzugeben. 1974, nach seiner knappen Finalniederlage gegen Anatoli Karpow, kritisierte er öffentlich die bevorzugte Behandlung des jungen Rivalen – ein Interview, das ihn politisch ins Abseits stellte.

Circa 197513-year-old Garry Kasparov playing against Viktor Korchnoi in a clock simul in Leningrad, Russia.

P. Dominikus Kraschl OFM (@dominikuskraschl.bsky.social) 2025-03-24T07:42:17.179Z

Mit der Flucht wurde Kortschnoi zur Persona non grata. Die sowjetischen Schachorgane versuchten, ihn aus dem WM-Zyklus auszuschließen, scheiterten aber. Als er in den Kandidatenmatches Spieler wie Lew Polugajewski, Petrosjan und Boris Spasski schlug, erwähnten die Medien nur, dass „der Gegner“ oder „der Verräter“ gewonnen habe. Erst als der fast 50-Jährige 1978 in Baguio City um den WM-Titel gegen Karpow spielte, war sein Name nicht mehr zu verschweigen. Dissidenten in und außerhalb der UdSSR verfolgten mit Genugtuung, wie ein sowjetischer Überläufer nun täglich in den Schlagzeilen stand.

Das Match in den Philippinen ging in die Schachgeschichte ein – wegen der Dramatik auf dem Brett und der Begleitumstände. Die sowjetische Delegation nutzte jede psychologische Waffe: ein Parapsychologe am Brett, die Einberufung von Kortschnois Sohn zum Militär. Trotz eines 2:5-Rückstands kämpfte sich der Herausforderer auf 5:5 zurück, verlor dann aber die entscheidende Partie. Später sagte er, er sei fast froh gewesen, nicht gewonnen zu haben: Jahre danach erfuhr er aus seinem für 400 Dollar gekauften KGB-Dossier, dass der Geheimdienst im Fall eines Sieges seine Ermordung geplant hatte, bevor er die Philippinen hätte verlassen können.

On Viktor Korchnoi's birthday, here he is sweating it out in Wijk aan Zee in 1978.

Chess Olympus (@chessolympus.bsky.social) 2024-03-23T14:33:54.086Z

Die sowjetische Boykottpolitik gegen Kortschnoi hielt an. Offiziell bestritten, aber klar spürbar, hieß es: Wenn Kortschnoi eingeladen wird, bleiben sowjetische Spieler fern. Erst 1981, bei einem heimlich geplanten Start in Lone Pine (USA), brach das Tabu, weil die sowjetischen Teilnehmer nicht abreisten. Im selben Jahr bekam der inzwischen 50-Jährige in Meran seine zweite WM-Chance, war aber gegen Karpow chancenlos. 1983 folgte neuer Ärger: Die Sowjets zwangen Garry Kasparow, sein Halbfinale gegen Kortschnoi in Pasadena zu boykottieren. Nach Verhandlungen wurde das Match in London ausgetragen, Kortschnoi erhielt 50.000 Dollar Entschädigung, Kasparow setzte sich durch und wurde später Weltmeister.

https://bsky.app/profile/dgriffinchess.bsky.social/post/3lbtxhcgc4c2u

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Noch mit 60 qualifizierte sich Kortschnoi 1991 für das Kandidatenturnier, blieb bis in seine 70er Jahre unter den Top 100 und spielte selbst nach mehreren Schlaganfällen noch 2014 und 2015 ernsthafte Partien. Seine Biografie inspirierte das Musical „Chess“. 1990 erhielt er von Michail Gorbatschow die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück, womit sein Name offiziell rehabilitiert wurde.

Rogers schildert Kortschnoi nicht nur als politischen und sportlichen Kämpfer, sondern auch als undurchschaubaren Gegner am Brett. In ihren ersten Begegnungen sei er mehrfach in vorteilhafter Stellung plötzlich in Schwierigkeiten geraten, ohne zu verstehen, wie. Kortschnoi konnte jovial sein, wenn er verlor – wie 1986 in Biel, als er nach einem groben Patzer lachend analysierte – aber auch schroff, wenn er sich missverstanden fühlte, wie 1990 in Novi Sad, als er Rogers’ abgelehnte Remisofferte als Affront wertete.

Vom Hunger im belagerten Leningrad über die Kämpfe mit der sowjetischen Bürokratie, das Leben als Geflüchteter und gesundheitliche Krisen: Kortschnois Weg war voller Widerstände. Doch er bewies, dass Größe nicht nur aus Siegen entsteht. Sein Vermächtnis ist der unbedingte Wille zum Widerstand – am Brett und darüber hinaus.


Amazon-Klappentext:

The fourth and final volume of FM Hans Renette and IM Tibor Karolyi’s treatise on the life and games of Viktor Korchnoi will surprise you. Covering the period from 1992 until the maestro’s death in 2016 at the age of 85, it contains a bumper 208 highly instructive games and fragments. Fighting games, attacks, endgames, theoretical battles, time scrambles, classical and rapid – it has the lot.
And Korchnoi was no weakling in his incredible late career! He won the category 16 Madrid tournament in 1995 at the age of 64 ahead of Short, Salov, Yusupov, Polgar and Timman among others. His first place at Sarajevo in 1998 saw him achieve a tournament performance rating of 2831 at the age of 67. He was the highest-rated 70-year old ever with an Elo of 2639 in 2001. In that same year he won the category 17 double-round robin tournament at Biel, ahead of Gelfand, Svidler, Lautier, Grischuk and Pelletier. In 2004 he achieved a tournament performance rating of nearly 2800 in the city of Paks, Hungary, at the age of 73.
Viktor was still unleashing opening novelties in his late 70s, playing tournaments around the world and winning some of them. Notably, he was World Senior Champion in 2006 and was ranked in the world’s top hundred as late as 2007, when aged 75. He became Swiss champion for the fifth time in 2011 at the age of 80 and he even introduced a novelty in a game with Uhlmann in 2015 when aged almost 84.
This book contains games against Magnus Carlsen (whom he beat in 2004), Fabiano Caruana (whom he beat in 2011), Kasparov, Karpov, Spassky, Gelfand, Timman, Short, Ponomariov, Yusupov, Svidler, Uhlmann, Hort, Beliavsky, Piket, Speelman, Tiviakov, Adams, Sadler, Romanishin, Vallejo, Vasiukov, Sutovsky, Gashimov, Ashley, and the legendary trainer Mark Dvoretsky among many others.
It also contains 80 tournament and family photos, the vast majority of them published in a book for the first time. This book is available in three editions – paperback, hardback and full-colour hardback. The full-colour hardback is only available for purchase from the publisher's website and specialised chess book stockists.

Fischer gegen Korchnoi: Ein Duell im Schatten des Kalten Kriegs

Quelle: Diario ABC digital – „Partidas Memorables (43)“, 23. März 2009

Am 27. Februar 1962 sitzen sich Robert Fischer und Viktor Korchnoi in Stockholm gegenüber, Bretter knarren, Figuren stehen bereit. Es ist ein Interzonenturnier, doch die Partie wirkt wie ein Vorgeschmack auf größere Kämpfe. Das berichtet Diario ABC digital.

Ein Leben zwischen Krieg und Weltspitze

Viktor Korchnoi kommt aus Leningrad, wächst im Krieg auf und überlebt die Belagerung der Stadt. Mit sechs Jahren lernt er Schach. Als Jugendlicher sucht er alte Bücher und Zeitungsanalysen, weil neue Literatur fehlt. Aus dieser Not entsteht ein Muster: Er jagt jede Stellung bis ins Detail, immer auf der Suche nach Wahrheit auf dem Brett.

Er spielt für die Sowjetunion, gewinnt viermal die Landesmeisterschaft und tritt zehnmal im Kandidatenzyklus an. Zwei Mal kämpft er um den Weltmeistertitel. 1976 verlässt er die UdSSR und beginnt in der Schweiz ein zweites Leben. Mit 45 Jahren spielt er stärker als viele Jüngere. Er läuft viel, fährt kein Auto mehr, nachdem ihn ein Unfall geprägt hat.

Seine Worte schneiden oft scharf. In seinem Buch „El ajedrez es mi vida“ rechnet er mit Kollegen ab. Später überarbeitet er das Werk, lässt manches weg, behält aber den Ton: direkt, ohne Rücksicht.

Rivalen, Verbündete, Fronten

Anatoli Karpov wird zu seinem Gegenpol. Über Jahre stehen sich beide gegenüber – sportlich und politisch. Karpov gilt als Vorzeigespieler der Sowjetunion, Korchnoi als Abtrünniger. Garri Kasparow rückt später an seine Seite, weil er denselben Gegner hat.

Mit Robert Fischer verbindet ihn ein Verhältnis aus Respekt und Reibung. Beide gewinnen Partien gegeneinander. Korchnoi reagiert empfindlich auf den Vorwurf, seine Duelle mit Karpov seien abgesprochen. In einer Zeit, in der sein Leben unter Druck steht, trifft ihn das hart. Fischer fasziniert ihn dennoch. Ein Spieler, der allein gegen das sowjetische System antritt, ohne echte Hilfe. In der Sowjetunion verehren viele Fischer, sein Buch verkauft sich hunderttausendfach in wenigen Tagen.

Stockholm 1962: Theorie und Kampf

Die Partie beginnt mit der Spanischen Eröffnung. Züge folgen bekannten Pfaden. Korchnoi erkennt früh ein Problem: Ein Springer der schwarzen Seite gerät ins Abseits. Eine alte Regel greift – steht eine Figur schlecht, leidet die ganze Stellung.

Fischer baut Druck auf. Er verschiebt Figuren, öffnet Linien, zwingt Korchnoi zu Entscheidungen. Kleine Ungenauigkeiten reichen. Die weiße Stellung wächst, Schritt für Schritt.

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Im Mittelspiel greifen beide an. Korchnoi organisiert Gegenspiel, stellt Figuren aktiv auf. Für einen Moment scheint Ausgleich möglich. Doch ein Fehler kippt die Stellung. Fischer gewinnt Material, sichert zwei Mehrbauern und behält die Kontrolle.

Am Ende steht der schwarze König offen, die Stellung bricht. Fischer führt die Partie ohne Umwege zum Sieg. 1–0.

Analyse als Fortsetzung des Duells

Die Partie endet nicht am Brett. Jahre später diskutieren beide ihre Züge. Korchnoi kritisiert Fischers Analysen, wirft ihm vor, Ideen übernommen zu haben. Fischer widerspricht, korrigiert Varianten, ergänzt eigene Gedanken. Selbst Jahrzehnte später feilen beide an Verbesserungen. Jeder sucht die genaueste Fortsetzung. Die Partie bleibt lebendig, nicht als Erinnerung, sondern als offenes Problem. Das Duell von Stockholm zeigt zwei Spieler, die Schach nicht als Spiel sehen, sondern als Arbeit. Jede Stellung zählt. Jeder Fehler bleibt.

Zum 95. Geburtstag: Erinnerung an Viktor Korchnoi

Quelle: FIDE – „In memory of Viktor Korchnoi on the 95th anniversary of his birth", veröffentlicht am [Datum]

Viktor Lvovich Korchnoi wäre heute 95 Jahre alt geworden. Das berichtet FIDE. In einem persönlichen Nachruf würdigt Emil Sutovsky, CEO der Weltschachorganisation, den Verstorbenen als eine der monumentalen Figuren der Schachgeschichte – als unnachgiebigen Kämpfer, der das moderne Schach vorwegnahm.

Korchnoi galt als unermüdlicher Arbeiter am Schachbrett. Sein Ansatz unterschied sich grundlegend von dem der meisten Zeitgenossen: Er rechnete präzise, ließ sich selten in vernichtende Angriffe verwickeln und blieb bis ins hohe Alter wettkampftauglich. Mit 70 Jahren gewann er ein Superturnier in Biel vor Spielern wie Alexander Grischuk und Boris Gelfand, mit 80 besiegte er in Gibraltar unter anderem Fabiano Caruana.

Schachgenie ohne Weltmeistertitel

Trotz zweier Weltmeisterschaftskämpfe gegen Anatoly Karpov in den 1970er Jahren blieb Korchnoi der Titel des Weltmeisters verwehrt. Sutovsky stellt dennoch fest, dass Korchnoi seiner Ansicht nach mindestens der Hälfte aller Weltmeister ebenbürtig gewesen sei. Besonders sein strategisches Gespür für Endspiele sowie sein frühes Verständnis für heute gängige Eröffnungsvarianten wie die Berliner Variante im Spanischen und die Petroff-Verteidigung werden hervorgehoben.

Als Mensch galt Korchnoi als widersprüchlich: charmant und belesen auf der einen, reizbar und scharf im Urteil auf der anderen Seite. Seiner eigenen Leistung gegenüber blieb er zeitlebens selbstkritisch. Seine Frau Petra sei die Einzige gewesen, die mit dem aufbrausenden Viktor Lvovich dauerhaft habe umgehen können.

Automatisch KI-generierter Beitrag

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