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Simen Agdestein
Zitat von Conrad Schormann am 10. Juni 2024, 16:16 UhrSimen Agdestein: Ein Leben zwischen Schach und Fußball
Simen Agdestein, geboren am 15. Mai 1967 in Asker, Norwegen, ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die in zwei völlig unterschiedlichen Bereichen - Schach und Fußball - außergewöhnliche Erfolge erzielt hat.
Schachkarriere
Agdestein entdeckte seine Leidenschaft für das Schachspiel bereits in jungen Jahren. Mit nur 15 Jahren wurde er zum ersten Mal norwegischer Landesmeister im Schach. Ein Jahr später erhielt er den Titel eines Internationalen Meisters und mit 18 Jahren wurde er zum Großmeister ernannt. Sein ELO-Rating stieg später auf über 2600. Agdestein gewann insgesamt neun norwegische Schachmeisterschaften zwischen 1982 und 2023.
Auf internationaler Ebene belegte er 1986 bei der Junioren-Weltmeisterschaft den zweiten Platz, hinter Walter Arencibia, aber vor zukünftigen Weltklassespielern wie Jewgeni Barejew und Viswanathan Anand. Er gewann auch das bekannte Open in Cappelle-la-Grande 1999 und ein Open in Port Erin (Isle of Man) im Jahr 2003.
Agdestein hat einmal gesagt: “Echte Schachspieler denken mehr oder weniger 24 Stunden am Tag an Schach. Es ist eine Leidenschaft und ein Schicksal, mit dem man leben muss - und es dauert ein ganzes Leben.”
Fußballkarriere
Parallel zu seiner Schachkarriere war Agdestein auch ein professioneller Fußballspieler. Er spielte als Stürmer für Lyn Oslo von 1984 bis 1992 und kam auf acht Einsätze in der norwegischen Fußballnationalmannschaft. Seine Fußballkarriere endete jedoch abrupt aufgrund einer schweren Knieverletzung in den frühen 1990er Jahren.
Über seine duale Sportkarriere erinnerte er sich einmal: “Wenn ich von der Schule nach Hause kam, schlief ich ein wenig, dann ging es zum Fußballtraining, und wenn ich nach Hause kam, saß ich auf und las Schach in die Nacht hinein. Ich war in der Schule am nächsten Tag ziemlich müde.”
Entdeckung und Förderung von Magnus Carlsen
Agdestein spielte eine entscheidende Rolle in der Karriere des Schachweltmeisters Magnus Carlsen. Er war Carlsens Trainer in dessen frühen Jahren und erkannte schnell das außergewöhnliche Talent des jungen Spielers. Agdestein erinnert sich, wie er GM Judit Polgar und anderen sagte: “Magnus Carlsen - merken Sie sich diesen Namen!”
Lebenslektionen und Rückschläge
Trotz seiner beeindruckenden Erfolge in Schach und Fußball hat Agdestein auch schwere Zeiten durchgemacht. Mit 25 Jahren hatte er plötzlich solche Atemprobleme, dass er weder Fußball noch Schach auf Wettbewerbsebene spielen konnte. Nach einigen Jahren des Leidens und der Reflexion eröffnete Agdestein Ende der 1990er Jahre ein Schachinstitut in Oslo.
(AI)
Simen Agdestein: Ein Leben zwischen Schach und Fußball
Simen Agdestein, geboren am 15. Mai 1967 in Asker, Norwegen, ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die in zwei völlig unterschiedlichen Bereichen - Schach und Fußball - außergewöhnliche Erfolge erzielt hat.
Schachkarriere
Agdestein entdeckte seine Leidenschaft für das Schachspiel bereits in jungen Jahren. Mit nur 15 Jahren wurde er zum ersten Mal norwegischer Landesmeister im Schach. Ein Jahr später erhielt er den Titel eines Internationalen Meisters und mit 18 Jahren wurde er zum Großmeister ernannt. Sein ELO-Rating stieg später auf über 2600. Agdestein gewann insgesamt neun norwegische Schachmeisterschaften zwischen 1982 und 2023.
Auf internationaler Ebene belegte er 1986 bei der Junioren-Weltmeisterschaft den zweiten Platz, hinter Walter Arencibia, aber vor zukünftigen Weltklassespielern wie Jewgeni Barejew und Viswanathan Anand. Er gewann auch das bekannte Open in Cappelle-la-Grande 1999 und ein Open in Port Erin (Isle of Man) im Jahr 2003.
Agdestein hat einmal gesagt: “Echte Schachspieler denken mehr oder weniger 24 Stunden am Tag an Schach. Es ist eine Leidenschaft und ein Schicksal, mit dem man leben muss - und es dauert ein ganzes Leben.”
Fußballkarriere
Parallel zu seiner Schachkarriere war Agdestein auch ein professioneller Fußballspieler. Er spielte als Stürmer für Lyn Oslo von 1984 bis 1992 und kam auf acht Einsätze in der norwegischen Fußballnationalmannschaft. Seine Fußballkarriere endete jedoch abrupt aufgrund einer schweren Knieverletzung in den frühen 1990er Jahren.
Über seine duale Sportkarriere erinnerte er sich einmal: “Wenn ich von der Schule nach Hause kam, schlief ich ein wenig, dann ging es zum Fußballtraining, und wenn ich nach Hause kam, saß ich auf und las Schach in die Nacht hinein. Ich war in der Schule am nächsten Tag ziemlich müde.”
Entdeckung und Förderung von Magnus Carlsen
Agdestein spielte eine entscheidende Rolle in der Karriere des Schachweltmeisters Magnus Carlsen. Er war Carlsens Trainer in dessen frühen Jahren und erkannte schnell das außergewöhnliche Talent des jungen Spielers. Agdestein erinnert sich, wie er GM Judit Polgar und anderen sagte: “Magnus Carlsen - merken Sie sich diesen Namen!”
Lebenslektionen und Rückschläge
Trotz seiner beeindruckenden Erfolge in Schach und Fußball hat Agdestein auch schwere Zeiten durchgemacht. Mit 25 Jahren hatte er plötzlich solche Atemprobleme, dass er weder Fußball noch Schach auf Wettbewerbsebene spielen konnte. Nach einigen Jahren des Leidens und der Reflexion eröffnete Agdestein Ende der 1990er Jahre ein Schachinstitut in Oslo.
(AI)
Zitat von Conrad Schormann am 10. Juni 2024, 16:21 UhrDie Frankfurter Allgemeine über Agdestein:
Zusammenfassung (AI):
Der Artikel auf faz.net handelt von der Karriere des Schachspielers Simen Agdestein und seiner Rolle in der Entwicklung von Magnus Carlsen. Agdestein, ein ehemaliger Fußballspieler und Schachgroßmeister, hatte in seiner Karriere mit mentaler Erschöpfung zu kämpfen, ähnlich wie der aktuelle Weltmeister Ding Liren. Agdestein konnte Spitzenleistungen erbringen, solange er weder auf Fußball noch Schach oder sein Studium verzichten musste. Doch er fühlte sich oft einsam und verzweifelt. Seine Rettung waren die Gründung einer Familie, ein Jahr in Afrika und seine Arbeit am norwegischen Sportgymnasium Norges Toppidrettsgymnas (NTG).
Agdestein spielte eine entscheidende Rolle in der Karriere von Magnus Carlsen. Er war Carlsens Trainer in dessen frühen Jahren und erkannte schnell das außergewöhnliche Talent des jungen Spielers. Agdestein betonte, dass Spaß wichtiger als jede Systematik war und dass Eröffnungen zum Experimentieren und nicht zum Auswendiglernen da waren. Diese Herangehensweise wird als “norwegische Schachschule” bezeichnet. Als Carlsen Vollzeitschüler am NTG wurde und Agdestein sein verantwortlicher Lehrer, löste Carlsen ihn als Nummer eins in Norwegen ab. Agdesteins Schachstil setzte stets auf konkretes Rechnen, während Carlsens Schach von seiner Intuition und der Harmonie zwischen seinen Figuren lebt.
Das vielbeachtete neue Buch "Games and Goals", das Simen Agdesteins außergewöhnlichen Lebensweg erzählt:Klappentext:Simen Agdestein erhielt den Titel eines Schachgroßmeisters im Alter von achtzehn Jahren, dem jüngsten der Welt zu dieser Zeit. Zwei Jahre später schrieb er in sein Tagebuch, dass er glaubte, er könne der Beste der Welt werden.
Aber Schach war nicht seine einzige Leidenschaft. Er war auch ein hervorragender Fußballspieler und wurde neunmal in die norwegische Nationalmannschaft berufen. Ausländische Vereine wollten ihn als Profi verpflichten.
Simen Agdesteins kombinierte Karrieren sind einzigartig und erstaunlich. Ich kann mich nicht zwischen meinem linken und meinem rechten Arm entscheiden", sagte er einmal über die Wahl zwischen Schach und Fußball.
Seine internationale Fußballkarriere wurde unterbrochen, als er sich weigerte, für Norwegen in einem WM-Qualifikationsspiel gegen Schottland zu spielen. Stattdessen entschied er sich, bei einem Schachturnier in Belgrad gegen Garry Kasparov anzutreten. Ein paar Jahre später beendete eine Knieverletzung seine Fußballträume.
Heute ist Agdestein Trainer und Lehrer am norwegischen College für Spitzensportler, einem fruchtbaren Nährboden, den auch sein erfolgreichster Schüler, Magnus Carlsen, besuchte. Agdestein nimmt weiterhin an Schachwettbewerben teil. Im Jahr 2023 gewann er die norwegische Meisterschaft zum neunten Mal, 41 Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Teilnahme.
Games and Goals ist eine fesselnde Biografie eines einzigartigen Doppeltalents, die seine Unsicherheiten und Ambitionen, seine Zweifel und Träume offenbart. Der Autor hatte Zugang zu Agdesteins privaten Briefen und Tagebüchern und führte zahlreiche Interviews mit Verwandten, Freunden und Agdestein selbst.
Atle Grønn (1971) ist Professor für slawische Linguistik an der Universität von Oslo, internationaler Schachmeister und ein produktiver Autor über das Schachspiel. Seine Bücher Sjakken eller Livet (Schach oder Leben, 2016) und Sjakkgeniene (Schachgenies, 2018), die er gemeinsam mit Olav Lahlum geschrieben hat, waren Bestseller. Mit seinen Auftritten als Schachexperte in Live-Übertragungen von Schachturnieren auf NRK und VGTV ist er zu einer Fernsehpersönlichkeit in Norwegen geworden.
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Atle Grønn (1971) ist Professor für slawische Linguistik an der Universität Oslo, ein internationaler Schachmeister und ein produktiver Autor über das Schachspiel. Seine Bücher Sjakken eller Livet (Schach oder Leben, 2016) und Sjakkgeniene (Schachgenies, 2018), die er gemeinsam mit Olav Lahlum geschrieben hat, waren Bestseller. Mit seinen Auftritten als Schachexperte in Live-Übertragungen von Schachwettbewerben auf NRK und VGTV ist er zu einer Fernsehpersönlichkeit in Norwegen geworden.
Die Frankfurter Allgemeine über Agdestein:
Zusammenfassung (AI):
Der Artikel auf faz.net handelt von der Karriere des Schachspielers Simen Agdestein und seiner Rolle in der Entwicklung von Magnus Carlsen. Agdestein, ein ehemaliger Fußballspieler und Schachgroßmeister, hatte in seiner Karriere mit mentaler Erschöpfung zu kämpfen, ähnlich wie der aktuelle Weltmeister Ding Liren. Agdestein konnte Spitzenleistungen erbringen, solange er weder auf Fußball noch Schach oder sein Studium verzichten musste. Doch er fühlte sich oft einsam und verzweifelt. Seine Rettung waren die Gründung einer Familie, ein Jahr in Afrika und seine Arbeit am norwegischen Sportgymnasium Norges Toppidrettsgymnas (NTG).
Agdestein spielte eine entscheidende Rolle in der Karriere von Magnus Carlsen. Er war Carlsens Trainer in dessen frühen Jahren und erkannte schnell das außergewöhnliche Talent des jungen Spielers. Agdestein betonte, dass Spaß wichtiger als jede Systematik war und dass Eröffnungen zum Experimentieren und nicht zum Auswendiglernen da waren. Diese Herangehensweise wird als “norwegische Schachschule” bezeichnet. Als Carlsen Vollzeitschüler am NTG wurde und Agdestein sein verantwortlicher Lehrer, löste Carlsen ihn als Nummer eins in Norwegen ab. Agdesteins Schachstil setzte stets auf konkretes Rechnen, während Carlsens Schach von seiner Intuition und der Harmonie zwischen seinen Figuren lebt.
Simen Agdestein erhielt den Titel eines Schachgroßmeisters im Alter von achtzehn Jahren, dem jüngsten der Welt zu dieser Zeit. Zwei Jahre später schrieb er in sein Tagebuch, dass er glaubte, er könne der Beste der Welt werden.
Aber Schach war nicht seine einzige Leidenschaft. Er war auch ein hervorragender Fußballspieler und wurde neunmal in die norwegische Nationalmannschaft berufen. Ausländische Vereine wollten ihn als Profi verpflichten.
Simen Agdesteins kombinierte Karrieren sind einzigartig und erstaunlich. Ich kann mich nicht zwischen meinem linken und meinem rechten Arm entscheiden", sagte er einmal über die Wahl zwischen Schach und Fußball.
Seine internationale Fußballkarriere wurde unterbrochen, als er sich weigerte, für Norwegen in einem WM-Qualifikationsspiel gegen Schottland zu spielen. Stattdessen entschied er sich, bei einem Schachturnier in Belgrad gegen Garry Kasparov anzutreten. Ein paar Jahre später beendete eine Knieverletzung seine Fußballträume.
Heute ist Agdestein Trainer und Lehrer am norwegischen College für Spitzensportler, einem fruchtbaren Nährboden, den auch sein erfolgreichster Schüler, Magnus Carlsen, besuchte. Agdestein nimmt weiterhin an Schachwettbewerben teil. Im Jahr 2023 gewann er die norwegische Meisterschaft zum neunten Mal, 41 Jahre nach seiner ersten erfolgreichen Teilnahme.
Games and Goals ist eine fesselnde Biografie eines einzigartigen Doppeltalents, die seine Unsicherheiten und Ambitionen, seine Zweifel und Träume offenbart. Der Autor hatte Zugang zu Agdesteins privaten Briefen und Tagebüchern und führte zahlreiche Interviews mit Verwandten, Freunden und Agdestein selbst.
Atle Grønn (1971) ist Professor für slawische Linguistik an der Universität von Oslo, internationaler Schachmeister und ein produktiver Autor über das Schachspiel. Seine Bücher Sjakken eller Livet (Schach oder Leben, 2016) und Sjakkgeniene (Schachgenies, 2018), die er gemeinsam mit Olav Lahlum geschrieben hat, waren Bestseller. Mit seinen Auftritten als Schachexperte in Live-Übertragungen von Schachturnieren auf NRK und VGTV ist er zu einer Fernsehpersönlichkeit in Norwegen geworden.
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Atle Grønn (1971) ist Professor für slawische Linguistik an der Universität Oslo, ein internationaler Schachmeister und ein produktiver Autor über das Schachspiel. Seine Bücher Sjakken eller Livet (Schach oder Leben, 2016) und Sjakkgeniene (Schachgenies, 2018), die er gemeinsam mit Olav Lahlum geschrieben hat, waren Bestseller. Mit seinen Auftritten als Schachexperte in Live-Übertragungen von Schachwettbewerben auf NRK und VGTV ist er zu einer Fernsehpersönlichkeit in Norwegen geworden.
Zitat von Conrad Schormann am 25. Juni 2026, 13:36 Uhr„Schachspieler sind viel origineller als Fußballer"
Interviewpartner: Simen Agdestein – Interviewer: Florian Pütz – Der Spiegel – 16. Juni 2026 (für Abonnenten)
Schach und Fußball ähneln sich – aber im Grunde sind sie sehr verschieden. Diese Einschränkung zieht Simen Agdestein konsequent durch sein gesamtes Gespräch. Das sagte der norwegische Ex-Fußballnationalspieler und Schachgroßmeister im Gespräch mit Der Spiegel. Agdestein war zeitweise die Nummer 16 der Schach-Weltrangliste und trainierte Magnus Carlsen ab dessen neuntem Lebensjahr. Den entscheidenden Unterschied benennt er klar: „Im Schach hat man die volle Kontrolle über seine Figuren" – im Fußball dagegen nie.
Den Trend unter Fußballstars zum Schach erklärt Agdestein schlicht mit der gewachsenen allgemeinen Beliebtheit des Spiels, besonders durch Online-Plattformen: „Das Spiel zieht viele Menschen an, es hat einen hohen Suchtfaktor." Die oft zitierten Parallelen – Mustererkennung, Vorausdenken, Zentrumskontrolle – lässt er gelten, relativiert sie aber. Was Erling Haaland über das schnelle Denken und Instinkte sagt, gelte für Schach unbedingt; ob es auch für Fußball zutreffe, sei eine andere Frage. Und die Anweisung seines Fußballtrainers habe er als Schachspieler zwar schneller verinnerlicht – „aber ehrlich gesagt: Die waren auch sehr einfach."
Zwei Karrieren, eine Doppelbelastung
Agdestein selbst lebte beide Welten parallel: abends Schachclub, nachts Schachlektüre, morgens Schule, nachmittags Fußballtraining. Als er sich auf das Schach konzentrierte und Turniere in ganz Europa bestritt, empfand er das Leben als „sehr eintönig und einsam" – und kehrte zu seinem Verein Lyn Oslo zurück. Kurz darauf folgte die Berufung in die Fußballnationalmannschaft. Einmal sagte er ein Länderspiel ab, weil er bereits für ein Schachturnier in Belgrad gemeldet war, wo er auf Garry Kasparow traf. Den Nationaltrainer habe das nicht erfreut.
Eine schwere Knieverletzung beendete die Fußballkarriere. Heute unterrichtet Agdestein an einem Osloer Sportgymnasium – gelegentlich auch eine Fußballklasse, die er als „die langweiligste Klasse, die man als Lehrer erwischen kann" beschreibt: „eine sehr homogene Truppe, alle sind sich sehr ähnlich." Schachspieler seien dagegen „außergewöhnlich" – „viel origineller als Fußballer."
Was beide Sportarten wirklich verbindet
Die tiefste Parallele sieht Agdestein nicht in Taktik oder Kognition, sondern in der Ästhetik: „Der künstlerische Aspekt ist im Schach und Fußball ähnlich. Ich liebe brillante Zugkombinationen auf dem Brett und genauso liebe ich brillante Passkombinationen oder Dribblings im Fußball. Das ist Kunst, die wir aus Liebe zum Spiel bewundern."
Umgekehrt sollten Schachspieler vom Fußball lernen, körperlich fit zu bleiben – ein Faktor, den Carlsen früh erkannt habe. Norwegen traut Agdestein bei der WM einiges zu, benennt aber die Schwäche: Im Vergleich zu Topteams fehle der Mannschaft „die Erfahrung, die strategische Weitsicht." Und fügt trocken an: „Falls Schach und Fußball sich wirklich ähnlich sein sollten, hoffe ich, dass Trainer Ståle Solbakken ein guter Schachspieler ist."
„Schachspieler sind viel origineller als Fußballer"
Interviewpartner: Simen Agdestein – Interviewer: Florian Pütz – Der Spiegel – 16. Juni 2026 (für Abonnenten)
Schach und Fußball ähneln sich – aber im Grunde sind sie sehr verschieden. Diese Einschränkung zieht Simen Agdestein konsequent durch sein gesamtes Gespräch. Das sagte der norwegische Ex-Fußballnationalspieler und Schachgroßmeister im Gespräch mit Der Spiegel. Agdestein war zeitweise die Nummer 16 der Schach-Weltrangliste und trainierte Magnus Carlsen ab dessen neuntem Lebensjahr. Den entscheidenden Unterschied benennt er klar: „Im Schach hat man die volle Kontrolle über seine Figuren" – im Fußball dagegen nie.
Den Trend unter Fußballstars zum Schach erklärt Agdestein schlicht mit der gewachsenen allgemeinen Beliebtheit des Spiels, besonders durch Online-Plattformen: „Das Spiel zieht viele Menschen an, es hat einen hohen Suchtfaktor." Die oft zitierten Parallelen – Mustererkennung, Vorausdenken, Zentrumskontrolle – lässt er gelten, relativiert sie aber. Was Erling Haaland über das schnelle Denken und Instinkte sagt, gelte für Schach unbedingt; ob es auch für Fußball zutreffe, sei eine andere Frage. Und die Anweisung seines Fußballtrainers habe er als Schachspieler zwar schneller verinnerlicht – „aber ehrlich gesagt: Die waren auch sehr einfach."
Zwei Karrieren, eine Doppelbelastung
Agdestein selbst lebte beide Welten parallel: abends Schachclub, nachts Schachlektüre, morgens Schule, nachmittags Fußballtraining. Als er sich auf das Schach konzentrierte und Turniere in ganz Europa bestritt, empfand er das Leben als „sehr eintönig und einsam" – und kehrte zu seinem Verein Lyn Oslo zurück. Kurz darauf folgte die Berufung in die Fußballnationalmannschaft. Einmal sagte er ein Länderspiel ab, weil er bereits für ein Schachturnier in Belgrad gemeldet war, wo er auf Garry Kasparow traf. Den Nationaltrainer habe das nicht erfreut.
Eine schwere Knieverletzung beendete die Fußballkarriere. Heute unterrichtet Agdestein an einem Osloer Sportgymnasium – gelegentlich auch eine Fußballklasse, die er als „die langweiligste Klasse, die man als Lehrer erwischen kann" beschreibt: „eine sehr homogene Truppe, alle sind sich sehr ähnlich." Schachspieler seien dagegen „außergewöhnlich" – „viel origineller als Fußballer."
Was beide Sportarten wirklich verbindet
Die tiefste Parallele sieht Agdestein nicht in Taktik oder Kognition, sondern in der Ästhetik: „Der künstlerische Aspekt ist im Schach und Fußball ähnlich. Ich liebe brillante Zugkombinationen auf dem Brett und genauso liebe ich brillante Passkombinationen oder Dribblings im Fußball. Das ist Kunst, die wir aus Liebe zum Spiel bewundern."
Umgekehrt sollten Schachspieler vom Fußball lernen, körperlich fit zu bleiben – ein Faktor, den Carlsen früh erkannt habe. Norwegen traut Agdestein bei der WM einiges zu, benennt aber die Schwäche: Im Vergleich zu Topteams fehle der Mannschaft „die Erfahrung, die strategische Weitsicht." Und fügt trocken an: „Falls Schach und Fußball sich wirklich ähnlich sein sollten, hoffe ich, dass Trainer Ståle Solbakken ein guter Schachspieler ist."



