Paul Keres
Zitat von Conrad Schormann am 30. September 2023, 11:26 Uhrhttps://youtu.be/BGqULcf1Gfs
Zitat von Conrad Schormann am 30. September 2023, 11:27 UhrLeonard Barden erinnert an Paul Keres:
Pride of Estonia: Paul Keres, one of the best to never hold chess world crown
Leonard Barden erinnert an Paul Keres:
Pride of Estonia: Paul Keres, one of the best to never hold chess world crown
Zitat von Conrad Schormann am 2. Januar 2024, 11:46 UhrLeonard Barden erinnert nochmal an Paul Keres, diesmal in der Financial Times:
Chess: Memories of the legendary Paul Keres
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-I-_-Prince-without-a-Crown-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-II_-A-new-chess-superstar-1936-7.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-III_-AVRO-1938-Rightful-challenger.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-IV_-The-War-Years-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-V_-The-1948-World-Championship-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-VI_-The-Eternal-Second-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-VII_-Last-chance-in-Curacao-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-VIII_-Gulliver-among-the-Lilliputians.pdf
Leonard Barden erinnert nochmal an Paul Keres, diesmal in der Financial Times:
Chess: Memories of the legendary Paul Keres
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-I-_-Prince-without-a-Crown-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-IV_-The-War-Years-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-VI_-The-Eternal-Second-.pdf
https://perlenvombodensee.de/wp-content/uploads/2024/01/Paul-Keres-VII_-Last-chance-in-Curacao-.pdf
Zitat von Conrad Schormann am 1. April 2025, 9:37 UhrPaul Keres – der ewige Herausforderer
Im Juni 1975 gewann Paul Keres ein Open in Vancouver. Auf dem Rückflug starb er überraschend an einem Herzinfarkt. Als sich in Tallinn Zehntausende zu seiner Beerdigung versammelten, offenbarte sich einmal mehr: Dieser Mann hatte Schach nicht nur gespielt, er hatte es geprägt.
https://twitter.com/dgriffinchess/status/1930489763204825578
Frühe Jahre in Estland
Geboren am 7. Januar 1916 in Narva, damals Teil des Russischen Reichs, wuchs Paul Keres in einem unabhängigen Estland auf. Früh zeigte sich sein Talent: Schulmeistertitel 1930, 1932, 1933. Mit 19 Jahren führte er das estnische Team bei der Schacholympiade 1935 in Warschau an – und war bester Spieler seiner Mannschaft.
1936–1939 gewann Keres reihenweise internationale Turniere und wurde zu einem der führenden Spieler Europas. Sein Durchbruch kam beim AVRO-Turnier 1938, dem stärksten Turnier jener Zeit. Keres siegte vor Fine, Botwinnik, Capablanca, Alekhine – und galt nun als kommender Weltmeister.
Kriegswirren und Wendepunkte
Der Zweite Weltkrieg zerstörte Keres' WM-Ambitionen. Ein geplanter Titelkampf gegen Alekhine zerschlug sich. Estland wurde 1940 von der Sowjetunion annektiert, später von Nazi-Deutschland besetzt. Keres spielte Turniere unter deutscher Organisation – ein Umstand, der ihm später politische Probleme einbringen sollte.
Nach dem Krieg wurde Keres von sowjetischer Seite zunächst misstrauisch behandelt, aber nicht verfolgt. Dank hoher Kontakte blieb ihm Schlimmeres erspart. 1948 erhielt er eine zweite Chance: Beim WM-Matchturnier nach Alekhines Tod galt Keres als einer der Favoriten – verlor aber alle vier ersten Partien gegen Botwinnik und wurde nur geteilter Dritter. Bis heute wird spekuliert, ob politischer Druck eine Rolle spielte.
Der ewige Kandidat
Keres nahm an allen Kandidatenturnieren zwischen 1950 und 1965 teil. Viermal wurde er Zweiter – 1953 in Zürich, 1956, 1959 und 1962. Besonders bitter: 1959 schlug er den späteren Weltmeister Tal im direkten Vergleich 3:1. Doch für den letzten Schritt reichte es nie.
Erfolge mit dem sowjetischen Team
Als Nationalspieler der UdSSR gewann Keres sieben Olympiaden und mehrere Mannschafts-Europameisterschaften. Besonders 1954 brillierte er in Amsterdam mit 13,5 Punkten aus 14 Partien – eine der besten Leistungen in der Geschichte olympischer Schachturniere.
Turniersieger bis ins hohe Alter
Keres gewann über Jahrzehnte Topturniere: Mar del Plata 1957, Zürich 1961, Buenos Aires 1964, Tallinn 1975. Noch im letzten Jahr seines Lebens schlug er in Tallinn Spieler wie Spasski und Hort. In Vancouver 1975 siegte er ein letztes Mal – wenige Tage später starb er auf der Rückreise.
Vermächtnis
Paul Keres schrieb mehrere Bücher, darunter die heute fast vergriffenen Der Weg zur Spitze und Auf der Suche nach Vollendung. In Estland gilt er als Nationalheld. Sein Porträt zierte den Fünf-Kronen-Schein. 2016, zu seinem 100. Geburtstag, widmete ihm die FIDE das „Jahr des Paul Keres“. In Narva erinnert eine Bronzestatue an ihn.
Die Statistik unterstreicht seine Klasse: Chessmetrics führt ihn mit einem Durchschnittsrating von 2755 über 20 Jahre auf Platz 7 aller Zeiten. Zwischen 1943 und 1960 war er in 52 Monaten die Nummer zwei der Welt.
Er war nie Weltmeister. Aber für viele war er es doch.
Quelle:
https://revistaelestornudo.com/paul-keres-casi-un-campeon-mundial-de-ajedrez/
Paul Keres – der ewige Herausforderer
Im Juni 1975 gewann Paul Keres ein Open in Vancouver. Auf dem Rückflug starb er überraschend an einem Herzinfarkt. Als sich in Tallinn Zehntausende zu seiner Beerdigung versammelten, offenbarte sich einmal mehr: Dieser Mann hatte Schach nicht nur gespielt, er hatte es geprägt.
https://twitter.com/dgriffinchess/status/1930489763204825578
Frühe Jahre in Estland
Geboren am 7. Januar 1916 in Narva, damals Teil des Russischen Reichs, wuchs Paul Keres in einem unabhängigen Estland auf. Früh zeigte sich sein Talent: Schulmeistertitel 1930, 1932, 1933. Mit 19 Jahren führte er das estnische Team bei der Schacholympiade 1935 in Warschau an – und war bester Spieler seiner Mannschaft.
1936–1939 gewann Keres reihenweise internationale Turniere und wurde zu einem der führenden Spieler Europas. Sein Durchbruch kam beim AVRO-Turnier 1938, dem stärksten Turnier jener Zeit. Keres siegte vor Fine, Botwinnik, Capablanca, Alekhine – und galt nun als kommender Weltmeister.
Kriegswirren und Wendepunkte
Der Zweite Weltkrieg zerstörte Keres' WM-Ambitionen. Ein geplanter Titelkampf gegen Alekhine zerschlug sich. Estland wurde 1940 von der Sowjetunion annektiert, später von Nazi-Deutschland besetzt. Keres spielte Turniere unter deutscher Organisation – ein Umstand, der ihm später politische Probleme einbringen sollte.
Nach dem Krieg wurde Keres von sowjetischer Seite zunächst misstrauisch behandelt, aber nicht verfolgt. Dank hoher Kontakte blieb ihm Schlimmeres erspart. 1948 erhielt er eine zweite Chance: Beim WM-Matchturnier nach Alekhines Tod galt Keres als einer der Favoriten – verlor aber alle vier ersten Partien gegen Botwinnik und wurde nur geteilter Dritter. Bis heute wird spekuliert, ob politischer Druck eine Rolle spielte.
Der ewige Kandidat
Keres nahm an allen Kandidatenturnieren zwischen 1950 und 1965 teil. Viermal wurde er Zweiter – 1953 in Zürich, 1956, 1959 und 1962. Besonders bitter: 1959 schlug er den späteren Weltmeister Tal im direkten Vergleich 3:1. Doch für den letzten Schritt reichte es nie.

Erfolge mit dem sowjetischen Team
Als Nationalspieler der UdSSR gewann Keres sieben Olympiaden und mehrere Mannschafts-Europameisterschaften. Besonders 1954 brillierte er in Amsterdam mit 13,5 Punkten aus 14 Partien – eine der besten Leistungen in der Geschichte olympischer Schachturniere.
Turniersieger bis ins hohe Alter
Keres gewann über Jahrzehnte Topturniere: Mar del Plata 1957, Zürich 1961, Buenos Aires 1964, Tallinn 1975. Noch im letzten Jahr seines Lebens schlug er in Tallinn Spieler wie Spasski und Hort. In Vancouver 1975 siegte er ein letztes Mal – wenige Tage später starb er auf der Rückreise.
Vermächtnis
Paul Keres schrieb mehrere Bücher, darunter die heute fast vergriffenen Der Weg zur Spitze und Auf der Suche nach Vollendung. In Estland gilt er als Nationalheld. Sein Porträt zierte den Fünf-Kronen-Schein. 2016, zu seinem 100. Geburtstag, widmete ihm die FIDE das „Jahr des Paul Keres“. In Narva erinnert eine Bronzestatue an ihn.
Die Statistik unterstreicht seine Klasse: Chessmetrics führt ihn mit einem Durchschnittsrating von 2755 über 20 Jahre auf Platz 7 aller Zeiten. Zwischen 1943 und 1960 war er in 52 Monaten die Nummer zwei der Welt.
Er war nie Weltmeister. Aber für viele war er es doch.
Quelle:
Zitat von Conrad Schormann am 5. Juni 2025, 9:33 UhrEin Weltmeister ohne Krone
Paul Keres war einer der stärksten Schachspieler des 20. Jahrhunderts – aber nie Weltmeister. Georges Bertola zeichnet in seinem Beitrag für Europe Échecs ein vielschichtiges Porträt eines Mannes, der in gleich mehreren Epochen zur absoluten Weltklasse zählte, ohne je den Titel zu erringen.
Schon 1938, mit 22 Jahren, hatte sich der Este durch den Gewinn des AVRO-Turniers das Recht auf einen WM-Kampf gegen Alexander Aljechin erspielt. Doch der amtierende Weltmeister stellte Forderungen, die für die Organisatoren unannehmbar waren. Der Titelkampf fand nie statt. „Meine Hoffnungen waren nicht mehr realistisch“, so Keres später. Stattdessen folgten politische Brüche: 1939 wurde Estland von der Sowjetunion annektiert, Keres sowjetischer Staatsbürger.
Während des Kriegs spielte Keres – inzwischen ein internationaler Star – in mehreren Turnieren im von Nazi-Deutschland besetzten Europa, teils gemeinsam mit Aljechin. Nach dem Rückzug der Wehrmacht 1944 galt er den Sowjets als Kollaborateur. Nur dank seines schachlichen Ausnahmerangs durfte er weiter spielen – und war 1948 sogar beim ersten Nachkriegs-WM-Turnier in Den Haag und Moskau dabei. Laut dem isländischen Großmeister Friðrik Ólafsson, der Keres 1975 in Tallinn persönlich traf, war dieser aber politisch „dissuadiert“ worden, tatsächlich um den Titel zu kämpfen. Im Dienst der Sowjetunion – aber nicht für sich selbst.
Bertola zitiert Botwinnik, der das Turnier gewann und sich Keres’ Verdienste ausdrücklich anerkennt: „Ohne Paul wäre ich zwischen 1938 und 1948 nicht so weit gekommen. Keres war brillant – präzise, kombinatorisch, strategisch tief.“
Sein Stil verband Angriffskraft mit positioneller Klarheit, seine Erscheinung war gepflegt, sein Auftreten galt als vorbildlich. Großmeister Vlastimil Hort erinnert sich an einen Gentleman mit tadellosem Auftreten, der auch im Zeitnot-Duell nie die Uhr traktierte.
Bei der Schacholympiade 1952 spielte Keres am Spitzenbrett der UdSSR – mit nur 50 % Ausbeute. 1970 in Kapfenberg war er dann wieder in Topform. Am achten Brett holte er für die Sowjetunion beim 4. Mannschafts-Europacup 5 aus 5 – ein makelloses Ergebnis.
Die Partie gegen den ungarischen Internationalen Meister Péter Dely wird im Beitrag ausführlich analysiert. Keres baut mit dem Maroczy-Aufbau Druck auf, verlagert das Spiel dann konsequent auf den Königsflügel und opfert eine Figur – erst g4, dann b4, schließlich das finale Einschlagen mit g6 und der Turmführung über die h-Linie. Trotz materieller Unterlegenheit endet die Partie in einem mustergültigen Königsangriff. Delys einzige Niederlage im Turnier.
Nach seinem Tod 1975 blieb Keres eine verehrte Figur. In Estland gilt er als Nationalheld, in der Schachwelt als der „Weltmeister ohne Krone“.
Quelle: Georges Bertola, Europe Échecs, 18. Mai 2020 / aktualisiert 16. Dezember 2024
https://twitter.com/dgriffinchess/status/1932469083598889116
Ein Weltmeister ohne Krone
Paul Keres war einer der stärksten Schachspieler des 20. Jahrhunderts – aber nie Weltmeister. Georges Bertola zeichnet in seinem Beitrag für Europe Échecs ein vielschichtiges Porträt eines Mannes, der in gleich mehreren Epochen zur absoluten Weltklasse zählte, ohne je den Titel zu erringen.

Schon 1938, mit 22 Jahren, hatte sich der Este durch den Gewinn des AVRO-Turniers das Recht auf einen WM-Kampf gegen Alexander Aljechin erspielt. Doch der amtierende Weltmeister stellte Forderungen, die für die Organisatoren unannehmbar waren. Der Titelkampf fand nie statt. „Meine Hoffnungen waren nicht mehr realistisch“, so Keres später. Stattdessen folgten politische Brüche: 1939 wurde Estland von der Sowjetunion annektiert, Keres sowjetischer Staatsbürger.
Während des Kriegs spielte Keres – inzwischen ein internationaler Star – in mehreren Turnieren im von Nazi-Deutschland besetzten Europa, teils gemeinsam mit Aljechin. Nach dem Rückzug der Wehrmacht 1944 galt er den Sowjets als Kollaborateur. Nur dank seines schachlichen Ausnahmerangs durfte er weiter spielen – und war 1948 sogar beim ersten Nachkriegs-WM-Turnier in Den Haag und Moskau dabei. Laut dem isländischen Großmeister Friðrik Ólafsson, der Keres 1975 in Tallinn persönlich traf, war dieser aber politisch „dissuadiert“ worden, tatsächlich um den Titel zu kämpfen. Im Dienst der Sowjetunion – aber nicht für sich selbst.
Bertola zitiert Botwinnik, der das Turnier gewann und sich Keres’ Verdienste ausdrücklich anerkennt: „Ohne Paul wäre ich zwischen 1938 und 1948 nicht so weit gekommen. Keres war brillant – präzise, kombinatorisch, strategisch tief.“
Sein Stil verband Angriffskraft mit positioneller Klarheit, seine Erscheinung war gepflegt, sein Auftreten galt als vorbildlich. Großmeister Vlastimil Hort erinnert sich an einen Gentleman mit tadellosem Auftreten, der auch im Zeitnot-Duell nie die Uhr traktierte.
Bei der Schacholympiade 1952 spielte Keres am Spitzenbrett der UdSSR – mit nur 50 % Ausbeute. 1970 in Kapfenberg war er dann wieder in Topform. Am achten Brett holte er für die Sowjetunion beim 4. Mannschafts-Europacup 5 aus 5 – ein makelloses Ergebnis.
Die Partie gegen den ungarischen Internationalen Meister Péter Dely wird im Beitrag ausführlich analysiert. Keres baut mit dem Maroczy-Aufbau Druck auf, verlagert das Spiel dann konsequent auf den Königsflügel und opfert eine Figur – erst g4, dann b4, schließlich das finale Einschlagen mit g6 und der Turmführung über die h-Linie. Trotz materieller Unterlegenheit endet die Partie in einem mustergültigen Königsangriff. Delys einzige Niederlage im Turnier.
Nach seinem Tod 1975 blieb Keres eine verehrte Figur. In Estland gilt er als Nationalheld, in der Schachwelt als der „Weltmeister ohne Krone“.
Quelle: Georges Bertola, Europe Échecs, 18. Mai 2020 / aktualisiert 16. Dezember 2024
Half a century ago today, in Tallinn. The funeral of Paul Keres.
Standing by the coffin: Salo Flohr, Boris Spassky, Vasily Smyslov; Viktor Baturinsky, Iivo Nei, Yuri Averbakh.
(📷: P. Kuznetsov, via https://t.co/Eykfcsm2Gw.) #chess pic.twitter.com/9nm91GLekp— Douglas Griffin (@dgriffinchess) June 10, 2025
Zitat von Conrad Schormann am 22. November 2025, 12:16 UhrPaul Keres – vom estnischen Wunderkind zum Anwärter auf die Krone
Quelle: Scacchierando.it – „Paul Keres. Prima parte“, Ale (2010)Paul Keres wächst in Estland auf, lernt Schach als Kind von seinem Vater – und zeigt sofort außergewöhnlichen Ehrgeiz. Er sammelt Hunderte Partien aus Zeitungen, spielt mit dem Bruder stundenlang, studiert Endspiele und Probleme. Mit zwölf schlägt er Vladas Mikenas in einer Simultanveranstaltung. Mit dreizehn stellt er sich selbst ein Matt ein – und lernt daraus. Ab dann geht es fast nur noch bergauf.
Keres' Vater Peeter (Quelle: Chessbase)Mit 17 gewinnt Keres die Studentenmeisterschaft. Mit 18 erreicht er erstmals das estnische Finale. Mit 19 wird er Landesmeister nach einem harten Stichkampf gegen Gunnar Friedemann. Sein Stil ist klar: Angriff, Initiative, Risiko. Er ist technisch noch unausgereift, aber explosiv und mutig. Die vielen Fernschachpartien – zeitweise 150 gleichzeitig – schärfen sein Verständnis.
1935 spielt Keres in Warschau seine erste Olympia an Brett eins. Er schlägt sich über dem Niveau der Mannschaft und fällt der Weltspitze sofort auf. 1936 und 1937 häufen sich die Turniersiege. In Margate, Ostende, Prag, Wien spielt er vorne. Die Frage ist nur noch: Wann kommt der WM-Kampf?
1938 folgt der Durchbruch: AVRO, das härteste Rundenturnier der Epoche. Capablanca, Alekhine, Euwe, Botwinnik, Reshevsky, Fine, Flohr – und Keres, der Jüngste. Am Ende teilt er Platz eins mit Reuben Fine und gewinnt nach direktem Vergleich. In Estland läuten die Kirchenglocken, die Schulen schließen für einen Tag. Keres ist ein Nationalheld. Und der logische Herausforderer.
Keres akzeptiert das Remis und triumphiert bei AVRO (Quelle: endgame.nl).Doch 1939 bricht die Welt auseinander. Keres hetzt nach Moskau/Leningrad und scheitert dort aus Erschöpfung. Er reist nach Buenos Aires zur Olympiade – und bleibt hängen, als der Krieg beginnt. Dann lockt Max Euwe mit einem WM-Vor-Match. Keres riskiert die Rückreise nach Europa und besiegt Euwe knapp.
Kurz darauf verliert Estland seine Unabhängigkeit an die Sowjetunion. Keres fällt in eine Depression, viele seiner Ersparnisse werden beschlagnahmt. Dann marschiert die Wehrmacht ein. Unter deutscher Besatzung spielt er weiter Turniere, meist hinter Alekhine, den er nie schlagen kann. Alekhine bietet ihm sogar einen WM-Kampf an. Keres lehnt ab. Warum – bleibt offen.
1944 ist er in Schweden. Danach fährt er zurück nach Estland, obwohl er weiß, dass die Rote Armee bald wiederkommt. Alekhine warnt ihn: „Wenn du zurückgehst, erschießen sie dich.“ Keres fährt trotzdem. Ein Mann, der immer zurück nach Hause will, egal was es kostet.
Paul Keres – vom estnischen Wunderkind zum Anwärter auf die Krone
Quelle: Scacchierando.it – „Paul Keres. Prima parte“, Ale (2010)
Paul Keres wächst in Estland auf, lernt Schach als Kind von seinem Vater – und zeigt sofort außergewöhnlichen Ehrgeiz. Er sammelt Hunderte Partien aus Zeitungen, spielt mit dem Bruder stundenlang, studiert Endspiele und Probleme. Mit zwölf schlägt er Vladas Mikenas in einer Simultanveranstaltung. Mit dreizehn stellt er sich selbst ein Matt ein – und lernt daraus. Ab dann geht es fast nur noch bergauf.

Keres' Vater Peeter (Quelle: Chessbase)
Mit 17 gewinnt Keres die Studentenmeisterschaft. Mit 18 erreicht er erstmals das estnische Finale. Mit 19 wird er Landesmeister nach einem harten Stichkampf gegen Gunnar Friedemann. Sein Stil ist klar: Angriff, Initiative, Risiko. Er ist technisch noch unausgereift, aber explosiv und mutig. Die vielen Fernschachpartien – zeitweise 150 gleichzeitig – schärfen sein Verständnis.
1935 spielt Keres in Warschau seine erste Olympia an Brett eins. Er schlägt sich über dem Niveau der Mannschaft und fällt der Weltspitze sofort auf. 1936 und 1937 häufen sich die Turniersiege. In Margate, Ostende, Prag, Wien spielt er vorne. Die Frage ist nur noch: Wann kommt der WM-Kampf?
1938 folgt der Durchbruch: AVRO, das härteste Rundenturnier der Epoche. Capablanca, Alekhine, Euwe, Botwinnik, Reshevsky, Fine, Flohr – und Keres, der Jüngste. Am Ende teilt er Platz eins mit Reuben Fine und gewinnt nach direktem Vergleich. In Estland läuten die Kirchenglocken, die Schulen schließen für einen Tag. Keres ist ein Nationalheld. Und der logische Herausforderer.

Keres akzeptiert das Remis und triumphiert bei AVRO (Quelle: endgame.nl).
Doch 1939 bricht die Welt auseinander. Keres hetzt nach Moskau/Leningrad und scheitert dort aus Erschöpfung. Er reist nach Buenos Aires zur Olympiade – und bleibt hängen, als der Krieg beginnt. Dann lockt Max Euwe mit einem WM-Vor-Match. Keres riskiert die Rückreise nach Europa und besiegt Euwe knapp.
Kurz darauf verliert Estland seine Unabhängigkeit an die Sowjetunion. Keres fällt in eine Depression, viele seiner Ersparnisse werden beschlagnahmt. Dann marschiert die Wehrmacht ein. Unter deutscher Besatzung spielt er weiter Turniere, meist hinter Alekhine, den er nie schlagen kann. Alekhine bietet ihm sogar einen WM-Kampf an. Keres lehnt ab. Warum – bleibt offen.
1944 ist er in Schweden. Danach fährt er zurück nach Estland, obwohl er weiß, dass die Rote Armee bald wiederkommt. Alekhine warnt ihn: „Wenn du zurückgehst, erschießen sie dich.“ Keres fährt trotzdem. Ein Mann, der immer zurück nach Hause will, egal was es kostet.
