Der Live-Ticker zur Schach-WM 2021: Magnus Carlsen – Ian Nepomniachtchi 2,5:2,5

Partiebeginn freitags bis sonntags, dienstags und mittwochs um 13.30 Uhr. Montag und Donnerstag sind Ruhetage.

Die Partien live verfolgen:

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3. Dezember, 2,5:2,5:

Fortsetzung des Tickers hier.

2. Dezember, 2,5:2,5

14.00: Vor der fünften Partie kündigt Maurice Ashley den “Minister für Toleranz und Koexistenz” an, Scheich Nahyan bin Mubarak Al Nahyan. Ein weiß gewandeter Herr betritt die Bühne, zieht 1.c4, tritt ab. Was bleibt hängen? Dubai hat sogar einen Minister für Toleranz! Ungenannt bleibt der Vergewaltigungsvorwurf gegen den Toleranzminister, ungeführt die Debatte, wohin die FIDE immer wieder Veranstaltungen vergibt.

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Das 1.c4 des Scheichs nahm Nepo sogleich zurück, versuchte einen dritten Anti-Marshall – und kam damit weiter als in den beiden Weißpartien zuvor, sogar in die Nähe eines Gewinns. | Foto: Niki Riga/FIDE

12.30: “World Chair Championship” nennen böse Zungen das Match, weil die Spieler hinter den Kulissen verschwinden, sobald sie ihren Zug ausgeführt haben. Beide gleichzeitig am Brett? Das gibt es nur in der Eröffnung oder kurz vor der Zeitkontrolle zu sehen. Immerhin kommen auf diese Weise mal wieder die Stühle ins Gespräch. Leider geben die beiden Standard-Büro-Sitzmöbel der Großmeister weniger Stoff für Randepisoden her, als das noch beim Kandidatenturnier der Fall war.

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Wie sitzt man eigentlich am besten? Vielleicht gar nicht. | via FIDE/YouTube

12.10: Sehen wir im Fußball zu viele langweilige, oft torlose Matches? Marco van Basten, Trainer von Ajax Amsterdam, findet das, und er hat die Schuldigen ausgemacht: die technisch limitierten, aber bestens organisierten Gegenspieler, die gegen seine Künstler in allererster Linie darauf aus sind, Tore zu verhindern – und damit zu oft Erfolg haben. Eine Parallele zum Schach auf WM-Ebene? Frits Abrahams, Autor der niederländischen Tageszeitung NRC Handeslblad, sieht diese Parallele. Er hat ihr sogar eine ausführliche Betrachtung gewidmet: “Fußball mit fünf Stürmern gibt es nicht mehr, auch nicht beim Schach.” Wir werden diese Betrachtung bei nächster Gelegenheit im Zwiegespräch mit jemandem vertiefen, der mit Ajax Amsterdam unlängst unangenehme Erfahrungen gemacht hat und jetzt das Schach-WM-Match verfolgt: Taktik-Tüftler René Marić, im Hauptberuf Co-Trainer von Borussia Dortmund (Teil des Teams: Carlsen-Kumpel Erling Haaland), hat dieser Seite ein Interview über Schach und Fußball zugesagt.

https://twitter.com/Bodenseeperlen/status/1465990722180591618

12.00: Ruhetag. Eine Gelegenheit, das Meme-Game zu spielen:

11.45: Die Vielzahl von Streaming- und Video-Angeboten offenbart erst recht den Genuss, eine kenntnisreich und pfiffig kommentierte Partie nachzuspielen. Runde für Runde tut sich in dieser Hinsicht Sam Shankland hervor, der auf chess.com die Partien mit seinen Einsichten garniert. Dasselbe tut der aserbaidschanische Großmeister Nijat Abasov auf Lichess (siehe unten). Und apropos Einsichten: Diese fünfte Partie war gehaltvoller, als mancher Beobachter geahnt haben mag. Und die erste, in der Magnus Carlsen beinahe aus der Eröffnung heraus unter die Räder gekommen wäre, hätte, ja, hätte Ian Nepomniachtchi nur den direkten Zugriff mit 20.c4 gesucht. Am Ende gelang Carlsen ein Remis, “ohne einen aktiven Zug gemacht” zu haben.

1. Dezember, 2,5:2,5

19.00: Analyse von Georgios Souleidis.

17.00: Kein Durchkommen für Nepo. Remis.

15.30: Damen getauscht, ein Turmpaar getauscht, Läufer getauscht. Die Stellung ist nicht tot, aber symmetrisch, ohne Ungleichgewichte und nahe am vollen Ausgleich. Im Englischen gibt es einen schönes Verb für das, was hier gerade passiert ist: “to peter out”. Magnus Carlsen kann damit leben: ein Schwarzremis, ohne in Gefahr geraten zu sein, gefolgt von einem Ruhetag, an dem er etwas für die Weißpartie am Freitag auskochen kann.

15.05: Während Nepo seinen Kram zügig heruntergespielt hat, war es an Magnus, Entscheidungen zu treffen und den weißen Druck abzuschütteln. Am 40-Minuten-Plus für den Herausforderer auf der Uhr lässt sich diese Konstellation ablesen. Magnus ist seinem Ziel jetzt ganz nah, hatte hier aber noch eine Entscheidung vor sich: 22…Dc8 wäre möglich gewesen, das lässt Material auf dem Brett, schafft Motive wie …Lxh3 nebst …Sf4 und behält auch einen vollen Punkt im Auge. 22…Ld7 war eher der Ausgleichszug.

13.40: Nepo hat noch nicht genug gesehen. Wieder 1.e4, wieder Anti-Marshall, wieder 8. a4 wie in der dritten Partie. Aber diesmal 9.axb5.

12.55: Neulich in Wijk hat Ulrich Stock auf dem Kopf von Magnus Carlsen eine “leicht coronatisch auskragende Tolle” gesehen, und der ob dieser und anderer Großartigkeiten entzückte Schreiber dieser Zeilen hat dem Zeit-Autor sogleich eine ausufernde Huldigung verfasst (Link unter diesem Absatz). Nun offenbart sich, dass selbst das Verbrepertoire eines Reportergroßmeisters limitiert ist. Heute kragt es wieder in der Zeit, allerdings am Kopf von Ian Nepomniachtchi: “Räuberbart, in die Stirn kragende Koteletten und eine Haarknolle.”

12.25: Dubov? Gustafsson? Die Spekulation um die Helfer-Teams der WM-Kontrahenten geht weiter. Nepo-Coach Vladimir Potkin verriet immerhin, dass ein Teil seines Teams in Dubai vor Ort ist, ein anderer hilft von zu Hause aus. Namen nannte er nicht, trotzdem wurde in der deutschen Schachszene einer immer wieder genannt: Dass Ian Nepomniachtchi zwar Russisch spielt, aber aufs Stafford-Gambit verzichtet, wertet die deutsche Schachszene auf Twitch und YouTube als sicheres Indiz, dass KugelBuch nicht zum Trainerstab Nepos gehört.

12.20: Für die Beobachter eine Neuerung, die Spieler waren damit vertraut. Magnus Carlsen hatte 18.Sh4 als Versuch ausgekocht, mit Weiß etwas zu erreichen, Ian Nepomniachtchi kannte die Idee, obwohl sie noch nie gespielt worden war. Hätte der Zug und das damit verbundene Konzept (siehe Video) nicht bei der WM auf dem Brett gestanden, “hätte ich das womöglich selbst mit Weiß ausprobiert”, erklärte der Herausforderer nach der Partie.

https://youtu.be/XmTVHaLvdas

12.15: War das nun überraschend, dass Ian Nepomniachtchi Russisch gespielt hat? Oder zu erwarten? Für beides gibt es Argumente. Überraschend, weil es bislang kaum Teil seines Repertoires war. Zu erwarten, weil er im Kandidatenturnier, als es drauf ankam, zu Russisch gegriffen hat. Und weil Magnus Carlsen schon vor drei Jahren gegen Fabiano Caruana keinen Weg gefunden hat, Russisch zu knacken. Und so konnte Carlsen nach der Partie feststellen, dass ihn Nepos Eröffnungswahl nicht unvorbereitet getroffen hat.

30. November, 2:2

18.00: Die Analyse von Niclas Huschenbeth:

16.50: Nein, seinen Geburtstagskuchen wird Magnus Carlsen nicht mit Ian Nepomniachtchi teilen. Und selbst wenn er würde, Nepomniachtchi wäre schlecht beraten, jede Art von Speisen vom gegnerischen Team anzunehmen, erklärt Carlsen schmunzelnd mit Hinweis auf die Geschichte der Schachweltmeisterschaften (Joghurt!).

Happy birthday, champ: Carlsens Geburtstagskuchen. | Foto: Niki Riga/FIDE

16.07: Dauerschach, remis.

16.05: (Wie) geht das weiter? Magnus Carlsen steckt fast 40 Minuten rein. Entweder er gibt jetzt Dauerschach, oder er findet etwas, das ihn weiter auf den vollen Punkt drücken lässt, aber wahrscheinlich auch mit Verlustrisiko verbunden wäre. “Es ist unheimlich schwierig, in solchen Situationen den Schalter umzulegen”, sagt der live kommentierende Großmeister Robert Hess.

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Nach 26.Se8+

14.55: Natürlich zeigen superschnelle Maschinen 0,00, aber das hat nichts mit der möglichen Schaukel Sf6+-e8+-f6+ zu tun. Trotzdem ertönen schon die ersten Remis-Unkenrufe. Aber wir fangen doch gerade erst an! Die Frage ist, vor welche praktischen Probleme Weiß den Schwarzen in einer Partie zwischen Menschen stellen kann. Der weiße d-Bauer setzt sich gleich in Bewegung, der Se8 wird wahrscheinlich per g4-g5 auf f6 eingepflanzt. Das mag höchste Präzision vom Schwarzen verlangen. Andererseits: Auch der schwarze a-Bauer steht bereit loszulaufen.

14.00: Beide ballern Züge aufs Brett, wir erreichen ein Endspiel, mit dem offensichtlich beide zufrieden sind.

via chess.com/YouTube

13.35: Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat die russische Flagge verboten, die Hymne, sogar den Begriff “Russland” oder “russisch”. Aber die russische Eröffnung ist offenbar erlaubt. Oder? Es ist nicht ganz klar, wieso Nepomniachtchi das Brett verlässt, anstatt …c6 zu spielen, wonach Weiß vor einer Wahl steht.

via chess.com/YouTube
Der WM-Stift. | Foto: FIDE

10.15: Schach monetarisieren, das geht, ist aber kein Selbstläufer, wie jetzt auch Play-Magnus-Chef Andreas Thome einräumt. Um mit der Schach-WM in Dubai ein paar Taler extra zu verdienen, hat die nach Jahren erstmals wieder selbst die WM vermarktende FIDE jetzt Fanartikel erfunden. Wer seine nächste Turnierpartie mit dem Stift mitschreiben will, den auch Carlsen und Nepo benutzen, der erwirbt dieses Schreibgerät im FIDE-Shop für 2,99 Dollar. Aber Vorsicht: Mindestbestellwert 18 Dollar, insofern darf es vielleicht auch noch eine WM-Kaffeetasse und ein Schlüsselanhänger sein?

Trotz des Mindestbestellwerts offenbart sich ein krasser Preisverfall: Als die Bling-Bling-Fachleute von World Chess die WM Carlsen-Caruana 2018 organisiert haben, kostete der (mit Meteoritenstaub beschichtete) WM-Stift noch über 1.000 Dollar. Und statt soliden Kaffeetrinkern waren in erster Linie lüsterne Schachfreunde die Zielgruppe: die Zusammenarbeit mit einer Sex-App sollte Geld in die WM-Kasse spülen.

9.30: War ja klar, dass das Murren mit jedem Remis lauter wird. Mittlerweile stehen wir bei 17 WM-Partien in Folge ohne Sieger. Magnus Carlsen hat in der Pressekonferenz nach der dritten Partie versichert, dass er nicht gedenkt, als Weltmeister in die Geschichte einzugehen, der seit 2016 keine WM-Partie gewonnen hat. “Wir versuchen es”, sagte er. Aber jeder der beiden muss sich halt eines Gegenübers erwehren, der dem Gewinnstreben auf der anderen Seite des Brettes einen Riegel vorzuschieben versucht.

https://youtu.be/SQWiZxJrQPc

8.55: Über den Konflikt um Magnus Carlsens Sponsor Unibet haben wir berichtet – und über den Umstand, dass Werbung für Glücksspiel in Dubai verboten ist. Aber am WM-Tisch sehen wir dieses:

Unibet-Botschafter Magnus Carlsen in Dubai, wo Werbung für Glücksspiel nicht erlaubt ist. | Foto: Eric Rosen/FIDE

Was ist da los, wie kann das sein? Stefan Löffler hat sich für ChessTech dieser Fragen angenommen, beleuchtet noch einmal die Konfliktlinien zwischen Weltmeister, Ausrichter, Weltverband und Glücksspielkonzern – und er hat bei allen Beteiligten nachgefragt. Antworten bislang: keine.

8.45: Happy Birthday, Magnus Carlsen! An seinem 31. Geburtstag führt der Weltmeister heute in der vierten Partie die weißen Steine. Und was er sich wünscht, ist nicht schwer zu erraten.

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Thilo
Thilo
6 Monate zuvor

Hallo, eine technische Frage: liveticker ranken bei Google zu aktuellen Themen am besten, weswegen ich die Idee hier super interessant finde. Nur bleibt der feed nicht erhalten über die Spieltage, Nach dem Ende des Tages wird ein eigener Artikel draus. Die url könnt man ja neutral halten, ohne das Zwischenergebnis drin, und ältere Inhalte verstecken und on demand Showen lassen. Hat mich nur mal interessiert da du ja auch manchmal Bezug auf Google Erfolge nimmst.

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