Magnus Carlsen
Norwegischer Großmeister, fünfmaliger klassischer Weltmeister, seit 2011 durchgehend Weltranglistenerster. Legte den WM-Titel 2023 nieder, statt ihn zu verteidigen, und gründete anschließend gemeinsam mit Jan Henric Buettner die Freestyle Chess Grand Slam Tour. Sein Verhältnis zur FIDE gilt nach PvB-Berichterstattung unter Arkady Dvorkovich und Emil Sutovsky als dauerhaft zerrüttet. Über Sutovsky sagte er, es sei „unmöglich, mit ihm vernünftig zu reden“.
Karriere
Verhandelte nach Darstellung Hikaru Nakamuras im Sommer 2023 mit diesem über ein Match abseits des FIDE-WM-Zyklus, in einem von beiden für besser gehaltenen Format: verkürzte Bedenkzeit und ein Schach960-Anteil. Wurde im August 2023 als Mitglied der OSG Baden-Baden und damit als möglicher Meldespieler des Vereins für die Schachbundesliga genannt. Zog beim World Cup 2023 in Baku ins Achtelfinale ein, nachdem er sein Match gegen Vincent Keymer nach einer Niederlage im Tiebreak gedreht hatte; laut PvB ist der World Cup das einzige Turnier, das in seiner Titelsammlung noch fehlt. PvB zitierte ihn im Turnierverlauf abschätzig über das klassische Schach als ein Spiel, „das mich stresst und das ich langweilig finde“.
Gewann im Oktober 2023 mit dem Offerspill Sjakklub den Europapokal der Vereine. Kehrte 2024 nach 15 Jahren Abstinenz in die Schachbundesliga zurück und schloss sich dem Aufsteiger FC St. Pauli an, vermittelt über Buettner und dessen Weissenhaus-Akademie; er nannte es offiziell die „coolste Marke in Deutschland“ — nach Darstellung von PvB klang das eher nach Kalkül als nach Begeisterung. Schon 2018 war er beim Europacup im St.-Pauli-Trikot für sein norwegisches Team Valerenga aufgelaufen, auch wegen der Freundschaft mit dem früheren Fußballprofi Mats Möller Daehli. Gewann im März 2024 das Classic des Grenke-Schachfestivals in Karlsruhe, wo er zum ersten Mal klassisch gegen Ding Liren als amtierenden Weltmeister antrat.
Gewann im April 2025 das Freestyle-Grand-Slam-Finale in Paris gegen Hikaru Nakamura ohne Tiebreak und Anfang 2026 die Gruppenphase der Freestyle-WM in Weissenhaus. Sagte seinem Verband die Schacholympiade 2026 in Samarkand ab, ebenso wie Aryan Tari.
Freestyle Chess
Gründete im März 2024 gemeinsam mit Jan Henric Buettner die Dachgesellschaft „MJ Formats“ und die Tochter „FCGST“ für den Freestyle Chess Grand Slam sowie den „Freestyle Chess Players Club“, dessen Aufnahme Elo über 2725 und internationale Aktivität voraussetzt. War gleichberechtigter Gesellschafter, nicht bloß Aushängeschild, und bei allen Turnieren sportlich als „G.O.A.T.“ gesetzt.
Konflikte mit der FIDE
Verlor im Oktober 2023 beim Qatar Masters gegen den kasachischen GM Alisher Suleymenov — die erste Niederlage gegen einen unter 2600 bewerteten Gegner seit acht Jahren. Er führte das darauf zurück, dass ihn der Anblick der Armbanduhr seines Gegners aus der Konzentration brachte, stellte anders als im Fall Niemann ausdrücklich klar, dass er keinen Betrugsvorwurf erhebe, und warf den Organisatoren vor, Betrugsbekämpfung „überhaupt nicht ernst“ zu nehmen; die Veranstalter verschärften daraufhin die Vorkehrungen.
Weigerte sich am 27. Dezember 2024 bei der Schnellschach-WM in New York, seine Jeans gegen eine formellere Hose zu tauschen, und wurde von Hauptschiedsrichter Alex Holowicz mit 200 Euro belegt. Statt sich wie gefordert sofort umzuziehen, zog er sich vom Turnier zurück: „Es ist für mich eine Sache des Prinzips geworden. Meine Geduld mit der FIDE war ohnehin fast am Ende.“ Drohte zunächst auch mit einem Boykott der Blitz-WM, ließ sich aber unter anderem durch Vermittlung von Viswanathan Anand zur Teilnahme bewegen. Die Jeans wurde später zugunsten einer Wohltätigkeitsorganisation versteigert.
Schlug bei derselben Blitz-WM seinem Finalgegner Ian Nepomniachtchi vor, sich den Titel zu teilen, was ihm als möglicher Manipulationsversuch ausgelegt wurde; er nannte es später einen missglückten Scherz.
Niemann-Affäre
Zog sich am 4. September 2022 beim Sinquefield Cup ohne triftigen Grund aus dem laufenden Turnier zurück, nachdem er gegen Hans Niemann verloren hatte – Auslöser der bis heute nachwirkenden Cheating-Kontroverse. Erklärte im Rahmen der außergerichtlichen Einigung vom August 2023, es gebe keine schlüssigen Beweise für Betrug Niemanns, und kündigte an, gegen ihn anzutreten, falls sich die Paarung ergibt — eine Abkehr von seiner früheren Aussage, er glaube, Niemann habe mehr und in jüngerer Zeit betrogen als öffentlich zugegeben. Nach Darstellung von PvB bleibt sein Vorgehen an ihm hängen.
Wich einem direkten Duell mit Niemann bei der Rapid- und Blitz-Team-WM 2024 in Astana aus und bezwang ihn im selben Jahr klar im Halbfinale der Speed Chess Championship, auf dem Weg zu seinem vierten Titel dort. Verweigerte danach im Interview mit Robert Hess eine inhaltliche Stellungnahme und verwies auf eine geplante Netflix-Dokumentation, deren Erscheinungstermin offenblieb; auch sein Vater Henrik Carlsen geriet in der Affäre öffentlich gegenüber einer Journalistin ausfällig.
Privates und Geschäftliches
War 2017 mit Synne Christian Larsen liiert und bezog im Frühjahr 2020 mit seiner damaligen Freundin Elisabet Lorentzen Djonne ein Luxusapartment in Oslo; die Beziehung endete 2021, die Wohnung bot er im April 2025 zum Verkauf an. Heiratete am 4. Januar 2025 Ella Victoria Carlsen in der Holmenkollen-Kapelle in Oslo, wurde am 27. September 2025 Vater und feierte im Januar 2026 eine zweite Zeremonie. Ist Mitgründer und Anteilseigner von TakeTakeTake sowie exklusiver Markenbotschafter von chess.com – eine Doppelrolle, die 2026 zum Interessenkonflikt wurde, als sich beide Unternehmen trennten.


