Vincent Keymer

Vincent Keymer
Foto: Michal Walusza/FIDE

Deutschlands stärkster Großmeister (Stand 2026) und erster deutscher Top-Ten-Spieler seit Artur Jussupow. Schnellschach-Vizeweltmeister 2022, seit seinem 13. Lebensjahr von Peter Leko trainiert. Hält mit 2750,9 den deutschen Elo-Rekord.

Karriere

Wurde im November 2023 Fünfter des Grand Swiss auf der Isle of Man – mit einer 2800-Performance sein Durchbruch in die Top 20 der Welt – und spielte kurz darauf bei der Mannschafts-EM in Montenegro am ersten Brett der Silbermannschaft. Führte ab Januar 2024 gleichauf mit Praggnanandhaa die Junioren-Weltrangliste an, nachdem Alireza Firouzja altersbedingt herausgefallen war.

Wurde beim Grenke Classic 2024 in Karlsruhe Vierter und spielte bei der Schacholympiade in Budapest an Brett eins im Wechsel mit Matthias Blübaum; das Team wurde Siebter. Gewann kurz darauf beim Akiba-Rubinstein-Festival in Polanica-Zdroj vier Partien in Folge gegen ein Feld der 2700-Klasse und kletterte auf Rang 17 der Weltrangliste. Gewann im August 2025 das Chennai Grand Masters ungeschlagen mit 7 aus 9 und zwei Punkten Vorsprung und stieg dabei mit einer Live-Elo von 2750,9 als dritter Deutscher nach Robert Hübner und Artur Jussupow in die Top Ten auf.

Gewann im April 2026 das Freestyle Open A des Grenke-Schachfestivals und im Mai das Superbet Chess Classic Romania in Bukarest, enttäuschte anschließend beim Norway Chess mit fünf verlorenen Armageddon-Partien trotz ungeschlagener klassischer Bilanz und stand nach Zagreb 2026 auf Rang zwei der Grand Chess Tour hinter Fabiano Caruana. Verzichtete auf die Deutsche Meisterschaft 2026 zugunsten der Grand-Chess-Tour-Serie in Saint Louis.

Rutschte Anfang August 2026 beim Saint Louis Rapid & Blitz auf einen geteilten achten Platz ab, womit sein Vorsprung in der Tourwertung auf Javokhir Sindarov auf einen halben Punkt zusammenschmolz; der Kampf um den letzten Finalplatz wurde damit zum Zweikampf der beiden. Entschied ihn beim anschließenden Sinquefield Cup für sich und bewies dabei mentale Stabilität: Er verlor eine lange gewonnene Partie gegen Levon Aronian – „die schmerzhafteste und unnötigste Niederlage seit Langem“ – und unterlag im direkten Duell Sindarov, zum zweiten Mal klassisch binnen eines Jahres, kam aber beide Male zurück.

Beendete das Turnier mit 5 aus 9 und einer 2789er-Performance punktgleich mit Sindarov und qualifizierte sich als Vierter der Gesamtwertung fürs Tourfinale. Kam dabei auf mehr Preis- und Bonusgeld als jeder andere Tourteilnehmer, Turniersieger Wesley So eingeschlossen: 220.187 Dollar zuzüglich 50.000 Dollar Startbonus fürs Finale.

Freestyle Chess

Spielte bei der ersten „Weissenhaus Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge“ im Februar 2024 eine starke Vorrunde, verlor dann zwei knappe K.o.-Matches und gewann das Abschlussmatch um Platz sieben gegen den indisponierten Ding Liren. Gewann im Februar 2025 am selben Ort den ersten Freestyle Grand Slam samt 200.000 Dollar Preisgeld. Nannte gegenüber New in Chess Freestyle und die Qualifikation fürs Kandidatenturnier 2026 als seine beiden Schwerpunkte für 2025.

Kandidatenturnier

Verpasste die Qualifikation für 2024 knapp: Ende 2023 lag er mit 2743,2 Elo einen Zehntelpunkt hinter Parham Maghsoodloo und rund 14 Punkte hinter dem Rating-Platz. Sein Umfeld hätte kurzfristig einen Wettkampf organisiert – im Gespräch waren Maghsoodloo, Anish Giri, Maxime Vachier-Lagrave und Jan-Krzysztof Duda -, doch Keymer entschied sich nach den zehrenden Turnieren Grand Swiss und Europameisterschaft dagegen; Bundestrainer Jan Gustafsson hatte darauf nach eigener Aussage keinen Einfluss. Verpasste auch 2026: Beim Grand Swiss im September 2025 verlor er die entscheidende vorletzte Runde gegen Matthias Blübaum, der damit statt seiner einzog. Magnus Carlsen nannte ihn neben Arjun Erigaisi als denjenigen, der im Kandidatenturnier 2026 am ehesten fehle.

Öffentliche Positionen

Kritisierte im Januar 2024 als Gast im ZDF-Sportstudio die deutsche Nachwuchsförderung im internationalen Vergleich als „nicht konkurrenzfähig“ – eine Aussage, die in der Sendung nicht vertieft wurde. Sagte im November 2023 der Süddeutschen Zeitung, er habe trotz seiner Weltklasseergebnisse noch keinen weiteren Sponsor gefunden und sei von niemandem beim DSB um Hilfe gebeten worden; der Verband bestätigte auf Anfrage, dass die Sonderförderungen für Ausnahmetalente zur Disposition stünden. Widersprach Levon Aronians Diagnose vom ausanalysierten klassischen Schach teilweise: Engines hätten zwar Eröffnungskapitel geschlossen, aber auch viel entdeckt, worauf ohne Hilfe kein Mensch käme – „Schach ist noch sehr offen“.