Handwerksmeister am Rande

Schreiben zu können, sei eine Gabe, glauben viele. Ein Irrglaube – wie der, Schachspieler seien intelligent. Wer Muster lernt, taktische Motive übt und sein Hirn kontinuierlich zwingt, tiefer und präziser zu rechnen, der wird besser im Schach. Das königliche Spiel meisterhaft zu spielen, ist Handwerk. Lernen kann das jeder.

Beim Schreiben ist das nicht anders. Wie der Schachanfänger auf der Grundreihe mattsetzt und mit dem Springer gabelt, lernt der Schreibanfänger, aktiv zu formulieren und Wörter, die auf “-ung” enden, als Schädlinge zu identifizieren. Aus derlei Grundlagen bildet sich nach und nach ein Fundament. Bald sieht der fortgeschrittene Spieler das ganze Brett und die Struktur darauf, er beginnt, Pläne zu fassen. Der fortgeschrittene Schreiber entwickelt einen ersten Sinn für Redundanzen und Rhythmus.

“Anschaulich und konkret”, hat ihm der Coach eingeprägt, Farben und Metaphern angemahnt, um der Leserin sinnliche Erlebnisse zu schenken. Wenn im Kopf der Leserin ein Bild entsteht, wenn sie hört, sieht, riecht, schmeckt, fühlt, bleibt das Geschriebene hängen. Wenn nicht, dann nicht.

Über jedem Spieltisch schwebt an dünnen Fäden ein schachbrettgroßes Licht, unter dem je zwei Meister Platz nehmen auf zierlichen, blaugepolsterten Stühlen. Es sind nicht die beim Schach so oft verwendeten Chefsessel mit ihrem Entscheidungsgewalt-, Herumschwenk- und Zurücklehnpathos; es sind die Sitzgelegenheiten einfacher Schachangestellter, die täglich zwischen zwei und acht ihrer nervenaufreibenden Kalkuliertätigkeit nachgehen.

“Dünne Fäden”? Ja, da haben wir eine dieser verflixten Überflüssigkeiten ausgemacht. Das Wesen des Fadens ist, dünn zu sein, sonst wäre er ein Seil. Ohne das redundante “dünn” wäre der Absatz noch besser. Eine “Faszinationsdelle” hätte der große E.A. Rauter diese Macke genannt, seinen roten Redigierstift gezückt und das “dünn” energisch durchgestrichen.

Trotzdem! Boah, ist das anschaulich. Schachbrettgroß die Lichter, zierlich die blaugepolsterten Stühle. Uns beschleicht eine erste Ahnung, dass beim Schach wie beim Schreiben am Ende des Leistungsspektrums eben doch das Talent eine Rolle spielt. Während der eine nach 10.000 Stunden des Übens bei 2.500 Elo endet oder bei den “Perlen vom Bodensee”, wird der andere mit dem gleichen Trainingsprogramm ein 2700-GM oder schreibt “Herumschwenk- und Zurücklehnpathos”. Darauf kommen nur die Allerbesten.

Filigran zu beobachten, Details aufzusaugen, ist mehr Gabe als Handwerk, ein Unterschied zwischen 2500 und 2700.

Giri in braunen Lederschuhen und dunkelblauem Anzug, supereng geschnitten, ein blütenweißes Oberhemd. Keine Krawatte, das wäre zu viel. Die elegante Hornbrille über dem angedeuteten Moustache stellt den Feinsinn über das Berserkertum. Carlsen, der bei der letzten WM in London seinen amerikanischen Herausforderer Fabiano Caruana roséfarben ausmanövrierte, trägt jetzt eine schon leicht coronatisch auskragende Tolle. Ob auch in Oslo die Friseure geschlossen haben?

Hey, E.A., falls du da oben mitliest: Du fehlst. Danke!

Eine Großartigkeit wie die “leicht coronatisch auskragende Tolle” hätte selbst dem gestrengen E.A. ein anerkennendes Lächeln auf die Lippen gezaubert. Kurz, versteht sich. Dann hätte der Meister mit scharfem Blick gefragt, ob es denn in Zukunft keine WM mehr gebe. Hätten wir “Doch, wieso?” geantwortet, hätte er angemerkt, dass die WM in London also nicht die “letzte” gewesen sei, obwohl es da steht. Und er hätte zu seinem Lieblingsvortrag angesetzt:

“Die Konvention schreibt immer mit”, sagt Rauter. Und: “Schreiben heißt, sich gegen Wörter stemmen.” Gegen solche, die schon da sind, weil die Konvention sie vorgibt, gegen solche, die die Leserin schon tausend Mal gelesen hat. Nutze deine Gabe zu beobachten, um das Beobachtete in Wörter zu gießen, die die Leserin überraschen. “Leicht coronatisch auskragende Tolle”. Das überrascht, das lesen wir zum ersten Mal, das bleibt hängen.

Sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen. Wer schreibt, muss die Sinne ansprechen, um in der Leserin ein Erlebnis auszulösen. Einen “gehenden” Menschen vermeidet der Schreiber. Er sucht das treffende Tuwort, ein starkes, das die Leserin sehen und hören, das sie erleben lässt.

Wenige schleichen lautlos, wie Giri oder Harikrishna, der Inder; manche neigen zum Stampfen, wie Carlsen. Andere knarzen oder schaben. Punktabzug für Fabiano Caruana, dessen Turnschuhe bei jedem Schritt ein fieses Quietschen von sich geben.

Schachbrettgroße Lichter, zierlich-blaugepolsterte Stühle für die Kalkuliertätigkeit der Schachangestellten: 14 Schachgroßmeister betreiben Indoorsport, ein Reportergroßmeister beobachtet und schreibt darüber. | Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess.

Eine Stunde lang hat Ulrich Stock in Wijk an Zee Schach geguckt, genug Zeit, um ein Punktesystem zu entwickeln, nach dem der Zeit-Reporter den Gang der Supergroßmeister bewertet. Allzu viel zu sehen gab es ja nicht, Stock beschreibt auch das:

Sitzen, denken, ziehen, gehen, das ist es im Wesentlichen.

Daraus allein hat Deutschlands einziger Reportergroßmeister eine Reportage geschraubt, die alles überragt, was seit dem Abbruch des Kandidatenturniers in deutscher Sprache über Schach geschrieben worden ist. Ein feinsinniger Lesespaß, der uns miterleben lässt, wie es im abgeriegelten, coronasicheren Schachbunker an der niederländischen Nordseeküste zuging. Der uns so nahe an die größten Meister unseres Sports führt, dass wir Caruanas Turnschuhe quietschen hören.

An dieser Stelle war oft vom Spagat die Rede, den Schachpublizisten vollbringen müssen, wollen sie gleichermaßen diejenigen erreichen, die das Spiel menschärgeredichnichthaft betreiben, und diejenigen mit Ambition. Magnus Carlsens Tourdirektor Arne Horvei etwa hat aus diesem Grund zwei Sendungen ersonnen, wie er unlängst im Gespräch mit dieser Seite erklärte: eine Sendung fürs breite TV-Publikum, Schach als Mensch ärgere dich nicht, und eine für Meister und solche, die es werden wollen.

Die Larifari-Schachspieler zu erreichen, sie einzubinden und ihnen den Weg auf den Schach-Ozean zu ebnen, ist das Megathema nicht nur bei Arne Horvei und seiner Carlsen-Gruppe, auch beim organisierten Schach des Jahres 2021. Wo Horvei zwei Sendungen produziert, um den erforderlichen Spagat zu vollbringen, genügt Stock ein Text. Den zu lesen, macht Anfängern wie Meistern Riesenspaß, ja, er taugt sogar, um Unkundige neugierig zu machen auf dieses Spiel, das gerade in aller Munde ist.

Dafür, wie der Multiplikator Ulrich Stock seine handwerkliche Meisterschaft im Sinne unseres Spiels und unseres Sports einsetzt, verdient er seit Jahren eine Auszeichnung. Und das, endlich, führt uns zum neuesten Reinfall unseres Lieblingsschachbunds, genauer: seines Kongresses. Der hat nämlich jetzt einen Preis ausgeschrieben, der auf Leute wie Stock zugeschnitten sein soll, aber es leider vollbracht, diesen Preis so zu gestalten, dass Multiplikatoren wie Stock ihn nie und nimmer annehmen werden.

Ulrich Stock interviewt einen Schachfunktionär. | Foto: World Chess

Auf das Wort “Werbung” reagieren Journalisten allergisch, es kennzeichnet eine Reihe von Spannungsfeldern, in denen sie navigieren. Ihr höchstes Gut “Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Berichterstattung” wäre beschädigt, würde “Werbung” zum Teil dieser Berichterstattung. Es gilt, sie tunlichst zu vermeiden. Andererseits machen Firmen gelegentlich tolle Sachen mit Nachrichtenwert, die Berichterstattung journalistisch rechtfertigen – Berichterstattung, die eben doch einen Werbeeffekt haben kann.

Eine Gratwanderung. Und die wird noch erschwert durch den Umstand, dass Firmen Marketing- und PR-Leute beschäftigen, die tagein, tagaus Journalisten zu Gratis-Werbung in Form von Berichterstattung zu bewegen versuchen, zu drängen gelegentlich. Dazu kommt der Umstand, dass sich journalistische Arbeit oft in erheblichem Maße aus Werbung finanziert.

Schauen wir uns nur Stocks Wijk-Reportage und die gewaltige Audi-Anzeige daneben an. Gäbe es die nicht, hätte die Redaktion keinen Etat, um Stock nach Wijk an Zee zu schicken. Nun stellen wir uns vor, Stock bekäme Wind davon, dass Audi rechtswidrig die Abgaswerte seiner Autos manipuliert. Tolle Geschichte, dem würde Stock natürlich nachgehen. Aber dann bekäme Audi Wind von der Recherche. Sogleich würde der Konzern Stocks Arbeitgeber androhen, seine Anzeigen zurückzuziehen.

Ein Riesenspannungsfeld. Geh Journalisten weg mit Werbung. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, wollen sie damit nichts zu tun haben, jegliche Nähe zu diesem Begriff gar nicht erst aufkommen lassen.

Bild
Den deutschen Schachpreis breiter fassen, gute Idee im Prinzip. | via DSB

Was macht der Schachbund?

Er nennt seinen Journalistenpreis “Schach in der Werbung”.

Wie doofunbedarft kann man sein?

Diese Frage ergeht nicht nur an Boris Bruhn, der das Dokument oben gezeichnet hat, sondern an die sechs Dutzend Schachverwalter, die diesen Preis beim DSB-Kongress durchgewunken haben. Die Frage, ob es beim Schachbund irgendwo irgendjemanden gibt, der zumindest rudimentär versteht, was Medien sind, wie sie ticken und wie sie sich gewinnbringend für die eigene Sache einspannen lassen, haben sie ein weiteres Mal eindrucksvoll beantwortet.

Immerhin verdankt die Schach-Twitter-Szene dem DSB einen neuen running gag.

Das führt uns zu der Frage, was eigentlich die professionellen Helfer des DSB machen. Um die Endlos-Serie der Peinlichkeiten abzustellen, hat Ullrich Krause schon vor Wochen angekündigt, nun professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber hätte ein Profi das von Bruhn gezeichnete Dokument gesehen, sie hätte gesagt “Geht nicht”, die Veröffentlichung unterbunden und insistiert, dass dieser Preis einen anderen Namen braucht, wenn ihn jemand Ernstzunehmendes annehmen soll.

Welche Art professioneller Hilfe beim DSB helfen würde, ist offensichtlich: Die Helferin müsste sich mit dem Geschäftsführer und seiner Truppe einschließen, dann gäbe es eine Druckbetankung Content- und Sport-Marketing sowie Öffentlichkeitsarbeit für Verbände. Anschließend würde das Gelernte in der praktischen Arbeit geübt und verfeinert: Chancen suchen und nutzen, das Spiel, seine Spitzensportler und seinen Verband gewinnbringend ins Gespräch zu bringen, Handwerkszeug. Und das so lange, bis der Geschäftsführer und seine Truppe unfallfrei auf eigenen Beinen stehen können. Wahrscheinlich würde das ein paar Wochen dauern, dann könnte sich die Helferin anderen Aufgaben zuwenden.

Genau diese praktische Arbeit wird nicht gemacht, die Handelnden werden nicht in die Lage versetzt, unfallfrei auf eigenen Beinen zu stehen, es schaut auch niemand über das, was sie veröffentlichen, um Peinlichkeiten vorzubeugen. Dem Vernehmen nach ist unser Schachbund dem üblichen Reflex erlegen: Wir veranstalten mit den eingekauften Helfern einen Workshop, dieser Workshop gebärt ein Konzeptpapier.

Was mit solchen Papieren beim Schachbund geschieht, ist bekannt. Sie landen in einer Schublade. Ändern wird sich nichts, Handwerk lernt niemand, und nach außen bleibt es, wie es ist: peinlich.

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Ilja Rosmann
Ilja Rosmann
8 Monate zuvor

Conrad, deine Seite ist doch voll mit Werbeanzeigen und Affiliate-Links gepflastert – warum regst du dich über die Kategoerie “Schach in der Werbung für Journalisten” auf? Nennt man das nicht Heuchelei?

acepoint
8 Monate zuvor

Conrad, ich bewundere, mit welcher Geduld Du selbst auf solche Kommentare noch inhaltlich eingehst. Mir fehlt es einfach an Phantasie mir vorzustellen, dass ein erwachsener, des Lesens und Schreibens kundiger Mensch und Schachspieler den Unterschied zwischen in Beiträgen mehr oder weniger platt versteckter Werbung und einer klaren Trennung von redaktionellen Inhalten und Anzeigen/Affiliates (Layout, Banner etc) nicht versteht. Oder selbst nach Lesen des zweiten Teils Deines Artikels absichtlich nicht verstehen will?

chesshans
chesshans
8 Monate zuvor

Ich finde es schade, dass der grandiose Artikel über den Reportergrossmeister mit einer neu gefundenen Baustelle des DSB verknüpft wird. Dadurch gerät der eigentliche Protagonist zur Randfigur, was ironischerweise aber sicherlich unbeabsichtigt durch die Überschrift schon angekündigt wird. Schade und auch unnötig! Beide Themen hätten jeweils genug (Zünd-)Stoff für einen eigenen Artikel.

Chesshans
Chesshans
8 Monate zuvor

Hallo Conrad,
Danke für die ausführliche Antwort. In der Tat wird man langsam überdrüssig, was beim DSB suboptimal daherkommt. Beim Hinweis auf den Titel spielte ich eher auf das Wort ‘Rande’ an, an den Ulrich Stock durch den zweiten Teil des Artikels gedrängt wird. Die Kommentare beziehen sich mehrheitlich ja auch darauf.

flachspieler
flachspieler
8 Monate zuvor

Also: Wenn der Jenaer Götz Preuße nicht Anfang September 2020
gestorben wäre, hätte ich ihn für den abgebildeten Herrn gehalten.

Ingo Althöfer.

https://thsb.de/index.php/schachbezirk-ost/1006-nachruf-fuer-goetz-preusse

Daniel Hendrich
Daniel Hendrich
8 Monate zuvor
Reply to  chesshans

ohne Nachtreten gehts am Bodensee halt nicht….

Coach Jaxx
Coach Jaxx
8 Monate zuvor

Um die dünnen Fäden aufzuheben: Bei Schach wird weiblich der frisch diversifizierten höchsten Auszeichnung des DSB ist akutes Stirnrunzeln als Nebenwirkung doch ebenso wenig in der vom Kongress abgesegneten Packungsbeilage angeführt.

Fragen wir also unseren Arzt und Apotheker: Könnten die Perlen nicht die ungelenke Kategorien-Benamsung der Schachverwalter konstruktiv kurieren? Gerne auch im Rauterschen Heilverfahren.

Das dicke Ende von Magdeburg 2020 kommt aber erst nach Antrag 12 …

Coach Jaxx
Coach Jaxx
8 Monate zuvor

Nun ja … https://schach.in/feminin liefert im Gegensatz zu https://schach.in/medien durchaus Content aus  

Peter Kalkowski
Peter Kalkowski
8 Monate zuvor

Im Schachsport wird jeder geehrt der nicht rechtzeitig Deckung gefunden hat. Es gibt sogar einen Vereins-Ehrenpräsident der weil er vermutlich noch lange im Amt ist schon mal vorsorglich geehrt wurde. NRW steuert auf den 3. amtierenden Ehrenpräsidenten zu. Einen Kinder- Schachschutzengel vom Bischof ernannt haben wir auch im Angebot.
Manchmal wird es auch nur amüsant.
Beim nächsten Schachgipfel würde ich den Preis in die Tombola geben. Oder an einer aktiven Organisation wie Schachverband Niedersachsen oder DSJ e. V zur Gründungsfeier vergeben. Oder die Macher der Ausgründung DSB/DSJ e.V.

trackback

[…] lange kaum eine Rolle gespielt, abgesehen von wenigen Ausnahmen, der „Zeit“ etwa, wo Ulrich Stock regelmäßig über wichtige Turniere berichtet und Dr. Helmut Pfleger unermüdlich seine Schachecke […]

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[…] Schach lange kaum eine Rolle gespielt, abgesehen von wenigen Ausnahmen, der „Zeit“ etwa, wo Ulrich Stock regelmäßig über wichtige Turniere berichtet und Dr. Helmut Pfleger unermüdlich seine […]

trackback

[…] Peer Steinbrück einen Schachpokal in die Hand? Marco Bode? Sonja Bluhm und KugelBuch? Ulrich Stock (dringend!)? Felix […]

Gustaf Mossakowski
8 Monate zuvor

Der Artikel von Ulrich Stock und der Artikel über Ulrich Stock sind beide super, vielen Dank dafür. Der Artikel über den Schachpreis passt wirklich nicht so richtig darunter, da stimme ich mit chesshans überein. Zum Schachpreis: die Ordnung wurde mit heißer Nadel gestrickt. Sprachlicher Murks wie »Der Deutsche Schachpreis wird jährlich vergeben. Der Deutsche Schachpreis kann in weiteren sechs Kategorien vergeben werden.« fällt direkt ins Auge. Was bedeutet das? Jährlich der Schachpreis plus sechs Unterkategorien? Die Nummerierung hat eine Stufe zu viel, die Anführungszeichen sind hingeschmuddelt, mal so, mal so. Zumindest das DSB-Logo sollte man auch auf eine Ordnung bappen.… Weiterlesen »

Thomas Schumacher
Thomas Schumacher
8 Monate zuvor

Die angeblich “mit heißer Nadel gestrickte” Ordnung für den deutschen Schachpreis war Bestandteil der Kongressbroschüre, die Veröffentichung erfolgte also bereits lange vor dem Kongress. Herrn Mossakowski stand es frei, seine Kritik so rechzeitig vorzubringen, dass die von ihm monierten Mängel schon bei Beschlussfassung hätten korrigiert werden können. Der Kongress hat sich an alledem nicht gestört, sondern seine Zustimmung gegeben. “Was bedeutet das? Jährlich der Schachpreis plus sechs Unterkategorien?” Ja, genau das. Er hat es also verstanden. So steht es auch in der Begründung in der Kongressbroschüre. Gleichwohl leidet das Verfahren an einem schwerwiegenden Fehler. Die Bestimmung, dass über den Schachpreis… Weiterlesen »

Last edited 8 Monate zuvor by Thomas Schumacher
Gustaf Mossakowski
8 Monate zuvor

Bedeutet es das wirklich? Ich habe mir die Begründung durchgelesen. Dort steht: »Die neue Ordnung soll den DSB in die Lage versetzen, mehrere Preisträger pro Jahr auszuzeichnen …« Aber nicht, ob es einen Haupt-Schachpreis und bis zu sechs weitere Kategorie-Schachpreise gibt. Aber gut, wir werden sehen, wie es gehandhabt wird. Den weiteren Teil verstehe ich nicht. Was spricht denn dagegen, das PDF in der Geschäftsstelle redaktionell zu überarbeiten, so dass zumindest die Zeichensetzung stimmt? Mir ist die Ordnung nicht vorher aufgefallen, ich war auch nie Deligierter beim Kongress, daher lese ich die Kongressbroschüren höchstens in Ausschnitten. Aber das wichtigste geht… Weiterlesen »

Coach Jaxx
Coach Jaxx
8 Monate zuvor

Den schwerwiegenden Fehler kann ich nicht nachvollziehen. Der Bund gibt sich satzungsgemäß die Ordnung für den Deutschen Schachpreis und dafür war in Magdeburg der außerordentliche Kongress allein zuständig (und verantwortlich). In der neuen Edition wälzt man nun die Bürde der Würdigkeitsprüfung auf die Exekutive ab. Die Preistragenden sollen zudem explizit nicht aus dem DSB-Dunstkreis stammen, so dass ein Vergleich zu Ehrenmitgliedern oder gar Präsidenten von Stallgerüchen vertrieben wird. Über „Honor” Pins in Silber oder Buttons in Gold entscheidet ordnungsgemäß ebenso wenig die Mitgliederversammlung sondern das Präsidium.

Zur Orientierung kann das von Ch€ssBase mit Ulrich Krause geführte postinfernalische Interview vielleicht den Weg weisen.

Die Vergabe des Deutschen Schachpreises wurde ebenfalls neu geordnet, auf welche Weise?
Die alte Ordnung für den Deutschen Schachpreis stammte aus dem Jahr 2005 und entspricht nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Preis. Das Präsidium hat eine neue Ordnung entwickelt, die uns in die Lage versetzt, mehrere Preisträger in verschiedenen Kategorien auszuzeichnen. Diese Preisträger sollen explizit nicht aus dem Umfeld des DSB stammen, wir möchten ganz bewusst Personen ansprechen, die nicht aus den Reihen des DSB kommen. Die Delegierten des Kongresses hatten diverse Ideen, um die Ordnung noch besser zu gestalten, die wir gerne übernommen haben.

Staunenswerterweise konnte ich allerdings keinerlei Verschlimmbesserungen von Antrag 12 zum momentan veröffentlichten Beipackzettel des Schachpreises entdecken. Daran dass dessen überschwängliche Nummerierung oder das Leerzeichen hinter weiblich bedeutungstragend oder sogar das korrigierte Inkrafttreten der Ordnung die diversen Ideen der Kongressdelegierten erschöpfend zusammenfassen könnte, mag ich nicht glauben.

Coach Jaxx
Coach Jaxx
8 Monate zuvor
Reply to  Coach Jaxx

Im Kongressprotokoll steht es auf Seite 12 dann so: Antrag 12: Ordnung für Deutschen Schachpreis Boris Bruhn erläutert den Antrag und gibt eine redaktionelle Änderung bekannt. Am Ende des Antrages muss es nun 23.08.2020 heißen. Guido Springer fragt nach, ob es Absicht sei, dass nur deutsche Personen den Schachpreis erhalten sollen. Boris Bruhn erwidert, dass es keine Einschränkungen geben soll und ändert den Antrag wie folgt ab: Kategorie 2.1.3: … wird der Journalist ausgezeichnet, der sich am aktivsten… Kategorie 2.1.4: … wird eine Stadt oder Gemeinde in Deutschland ausgezeichnet, die sich… Kategorie 2.1.5: …wird der Politiker ausgezeichnet, der sich am… Weiterlesen »

Thomas Schumacher
Thomas Schumacher
8 Monate zuvor
Reply to  Coach Jaxx

Ich weiß nicht, was Sie mit “neuer Edition” meinen. Wenn eine Zuständigkeit von der Mitgliederversammlung auf ein anderes Vereinsorgan übertragen werden soll, bedarf es dazu einer Vorschrift IN DER SATZUNG. Eine Regelung in einer Vereinsordnung, die nicht Bestandteil der Satzung ist, genügt dazu nicht. Es wäre erforderlich gewesen, § 26 Absatz 1 der Satzung um eine Nr. 12 “Entscheidung über die Vergabe der Deutschen Schachpreise” zu ergänzen. Das ist offensichtlich versäumt worden. Ziffer 3.1.1 und infolgedessen auch Ziffer 3.1.2 verstoßen gegen § 32 Abs.1 Satz 1 BGB, da es für die Zuständigkeit des DSB-Präsidiums an der erforderlichen Rechtsgrundlage in der… Weiterlesen »

Klaus Zachmann
Klaus Zachmann
8 Monate zuvor

Nein, eine Satzungsänderung ist hierzu nicht notwendig.
Pos. 1. und 3. geben hierzu ausreichend Spielraum.
Man muss nicht jedes Einzeldetail in der Satzung regeln.
Außerdem hat die Mitgliederversammlung dem Antrag zugestimmt, bzw. es heißt ja nicht Mitgliederversammlung, sondern Bundeskongress.
Und da wären wir schon beim nächsten Punkt, im § 32 BGB steht in der Überschrift “Mitgliederversammlung”. In der DSB-Satzung kommt dieser Begriff aber nirgends vor. 🙂
Vielleicht sollte man sich mehr auf die praktische Umsetzung von Schachförderung konzentrieren. Die Paragraphenreiterei bringt das Schach nicht wirklich voran.

Coach Jaxx
Coach Jaxx
8 Monate zuvor

Oh Schreck! Dann müssen jetzt wohl oder übel Unmengen von silbernen Ehrennadeln und Plaketten (ja hier gar die goldenen) zurück nach Berlin geschickt werden? Ich vermisse in §26 der Satzung jedenfalls die entsprechende Reflektion der Vergaberegelung aus der Ehrenordnung.

Ebenso erscheint es fraglich, ob die präsidialen Teller, Urkunden und Gratulationsschreiben zu besonderen Anlässen durch §30 der Satzung legitimiert werden, oder die zumindest doch?!