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DSB-Kolumnist Raj Tischbierek

Zum ersten Mal in 150 Jahren hat der Schachbund jemanden angeheuert, der gelernt hat zu schreiben, was dazu führt, dass es endlich Freude bereitet (meistens) zu lesen, was unser Verband verbreitet.

Jetzt ist die Zeit, auf anderen Feldern die Peinlichkeiten abzustellen. Naheliegend wäre, jemanden hinzuzuholen, der/die Grafik kann oder Social Media oder Pressearbeit - sollte man meinen. Der DSB heuert stattdessen noch einen Schreiber an. Und dann auch noch denjenigen, dem die oberen 0,5 Prozent des Sports als Zielgruppe stets genügt haben. 

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Raj Tischbierek startet als Kolumnist mit provokantem Befund zu Mädchenförderung
DSB-Kolumne „Wo steht das deutsche Schach?“ (22. Juli 2025)

Der langjährige „Schach“-Herausgeber Raj Tischbierek ist neuer Kolumnist des Deutschen Schachbundes. Künftig kommentiert er monatlich aktuelle Themen – „kontrovers, ironisch, mit Schwerpunkt Spitzenschach“, wie er selbst ankündigt. In seiner ersten Kolumne blickt er auf Licht und Schatten des deutschen Schachs und spart nicht mit pointierten Beobachtungen.

Tischbierek würdigt Matthias Blübaums historischen zweiten EM-Titel und die Erfolge von Frederik Svane und der Nationalmannschaft, mahnt aber zur Realismus: Zur Weltspitze fehle den deutschen Männern weiterhin der Anschluss. Besonders kritisch fällt sein Blick auf die Frauen aus. Nach schwachen Ergebnissen bei der EM auf Rhodos, dem Elo-Absturz von Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner und dem Fehlen deutscher Starterinnen beim aktuellen Weltcup spricht er weniger von einer „Krise“ als von „Stagnation“.

Am deutlichsten wird Tischbierek bei der Nachwuchsförderung. Von Training versteht er nicht viel, aber das hält ihn nicht davon ab, aus seinem limitierten Beobachtungsschatz eine allgemeine Leitlinie abzuleiten: Mädchen, so seine Beobachtung, müssten früh zur selbstständigen Arbeit am Schach erzogen werden. Er habe beobachtet, dass talentierte Mädchen sich zu sehr auf Trainer verließen und erwarteten, „alles mundgerecht serviert zu bekommen“. Bei Jungen sehe er dagegen deutlich häufiger das innere Feuer, das zur Spitzenleistung nötig sei. Tischbierek stellt das als generelles Problem dar und regt an, gezielter an Eigenständigkeit zu arbeiten, um langfristig Fortschritte zu ermöglichen.

Tischbierek mag der einzige Mensch auf der Welt sein, der inneres Feuer messen kann, aber wesentliche Faktoren - Trainingsumfeld, Förderstrukturen, individuelle Unterschiede - blendet er aus. Ob Mädchen eigenständig trainieren oder nicht, hängt weniger vom Geschlecht ab als vom Umfeld: Zugang zu starken Trainingsgruppen, kontinuierlicher Förderung und regelmäßiger Konkurrenz. Motivation und Eigeninitiative entstehen nicht im Vakuum – sie wachsen dort, wo es Wettkampf, Perspektive und professionelle Betreuung gibt.

Insofern gibt Tischbierek in erster Linie einen ziemlichen Quark von sich - vielleicht mit einem wahren Kern? Dazu müsste sich jemand äußern, der etwas von der Sache versteht. Zeit für den DSB, einen weiteren Kolumnenschreiber anzuheuern.

„I have a dream“ – Raj Tischbierek über den World Cup und die deutsche Chance

Quelle: Deutscher Schachbund – „‚I have a dream‘“, Raj Tischbierek

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Raj Tischbierek nutzt den World Cup in Goa, um ein mögliches Bild der Schacholympiade 2026 zu zeichnen: Vincent Keymer als 2800er, flankiert von Matthias Blübaum, Alexander Donchenko und Frederik Svane – ein deutsches Team, das real um Medaillen spielt. Für ihn ist das nach diesem World Cup kein Wunschdenken mehr.

Tischbierek ordnet die Leistungen der sieben deutschen Starter ein. Niclas Huschenbeth hält gut mit, scheidet aber früh aus. Dmitrij Kollars verpasst gegen Pranesh eine große Chance. Rasmus Svane gewinnt erstmals ein Armageddon, verliert dann aber unglücklich gegen Awonder Liang.

Blübaum spielt solide, scheidet im direkten Duell gegen Alexander Donchenko aus, hat sein Kandidatenticket aber sicher. Keymer verpasst gegen Andrey Esipenko knapp den Sprung ins Kandidatenturnier; entscheidend seien laut Tischbierek seine ausgelassenen Chancen beim Grand Swiss gewesen.

Die klaren Gewinner sind Frederik Svane, der Weltmeister Dommaraju Gukesh ausschaltet, und Donchenko, der unter anderem Anish Giri und Le Quang Liem schlägt und ins Viertelfinale marschiert. Für Tischbierek zeigt dieser World Cup vor allem eines: Das deutsche Gerüst für 2026 ist stärker als gedacht – und der Traum von einem echten Olympiakampf kein Hirngespinst.

Wijk aan Zee als Stimmungstest des Schachs

Quelle: Kolumne von Raj Tischbierek auf schachbund.de, 2. Februar 2026

Der Reiz von Wijk aan Zee liegt für Raj Tischbierek nicht in Namen oder Tabellen. Entscheidend ist die Struktur. Das Turnier lebt davon, dass Weltklassespieler, arrivierte Profis, sehr junge Talente und Amateure im engen Raum zusammenkommen. Kein abgeschottetes Spitzenevent, sondern ein Ort, an dem sich das klassische Schach in all seinen Widersprüchen zeigt.

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Tischbierek beschreibt Wijk als Grauzone. Kein Schwarz, kein Weiß. Für die breite Öffentlichkeit zählt oft nur, ob Magnus Carlsen spielt. Für Kenner ist sein Fehlen nebensächlich. Interessanter ist das Nebeneinander von Profi-Anspruch und Volksfest, von Hochglanzpartien und Stallgeruch, von Schachromantik und knallharter Ökonomie. Hotels profitieren, Spieler leiden, Zuschauer schwanken zwischen Faszination und Befremden.

Besonders eindrücklich sind seine Beobachtungen zur psychischen Belastung. Winter, Wind, kurze Tage, monotone Wege durch die Dünen. Wer schlecht startet, findet kaum Abstand. Niederlagen wirken schwerer, Selbstzweifel wachsen schneller. Wijk wird dann zum mentalen Härtetest, nicht zum Mekka. Die lange Distanz von 13 Runden ohne Zeitbonus vor Zug 40 verschärft das.

Tischbierek ordnet auch die hohe Fehlerquote ein. Sie ist kein Zufall, sondern Folge von Dauerbelastung, engen Terminen und einer veränderten Risikokultur. Heute greift jeder jeden an. Das macht das klassische Schach lebendiger – und brutaler.

Wijk an Zee ist für ihn deshalb kein nostalgischer Sehnsuchtsort, sondern ein realistischer Spiegel des Spiels. Anstrengend. Unbequem. Ehrlich.

Carlsen krönt sich in Weissenhaus – Tischbierek sieht Glanz und Risse im Freestyle

Quelle: Deutscher Schachbund, 19. Februar 2026

Magnus Carlsen hat in Weissenhaus die erste offizielle Freestyle-Weltmeisterschaft gewonnen und damit seinen 21. Weltmeistertitel errungen. Das berichtet Deutscher Schachbund. In seiner Kolumne ordnet GM Raj Tischbierek das Turnier als sportlichen Erfolg mit offenen Fragen ein.

Carlsen setzte sich im Finale gegen Fabiano Caruana durch. Besonders die dritte Partie schildert Tischbierek als dramatischen Wendepunkt. Carlsen stand nach einem Fehler objektiv auf Verlust, überstand jedoch die kritische Phase, während Caruanas Bedenkzeit schwand. Der Norweger übernahm die Initiative und entschied die Partie noch für sich.

Offizieller WM-Status nach Einigung mit der FIDE

Erstmals trug das Freestyle-Event den Titel einer offiziellen Weltmeisterschaft. Nach vorheriger Weigerung einigten sich FIDE und Freestyle Chess auf eine Zusammenarbeit. Gespielt wurde an drei Tagen im Weissenhaus Private Nature Luxury Resort. Vor jeder Runde loste eine gläserne Trommel die Grundstellung aus, die Spieler erhielten zehn Minuten Vorbereitungszeit, ehe die Partien begannen.

Tischbierek beschreibt das Ambiente als prachtvoll und detailverliebt. Die Kommentierung teilte sich in zwei Gruppen: James Patterson, Tania Sachdev und David Howell führten durch die Show, während Judit Polgar und Peter Leko für die schachliche Einordnung bereitstanden, jedoch seltener ausführlich analysierten.

Pro und Contra Freestyle

Tischbierek sieht Schach960 als Bereicherung, weil die 960 möglichen Ausgangsstellungen computerbasierte Vorbereitung nahezu ausschließen und vom ersten Zug an originelles Denken erzwingen. Zugleich kritisiert er den Anspruch einer „Revolution“. Schach sei eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturform, deren Gewicht aus Tradition entstehe.

Auch organisatorisch registriert er Veränderungen. Die ursprünglich großzügigere Bedenkzeit wurde verkürzt, der Preisfonds sank im Vergleich zu früheren Grand Slams deutlich. Hikaru Nakamura verzichtete auf eine Teilnahme und konzentrierte sich auf das Kandidatenturnier.

Sportliche Überraschungen und verpasste Chancen

Vier der acht Teilnehmer erreichten das Halbfinale. Vincent Keymer schied dort gegen Caruana aus. Im Spiel um Platz drei unterlag er Nodirbek Abdusattorov und verpasste damit die direkte Qualifikation für die zweite Auflage 2027. Levon Aronian, Sieger der beiden vorangegangenen Grand Slams, belegte Platz acht.

Der Spannungsbogen des Turniers speiste sich aus der Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse – mit Ausnahme Carlsens. Tischbierek beobachtet zudem eine zurückhaltendere Rolle von Veranstalter Jan Henric Buettner und verweist auf dessen Lernfähigkeit.

Kandidatenturnier 2026: Blübaum und die Weltspitze auf Zypern

Quelle: Deutscher Schachbund – „Kandidatenturnier 2026 - die Kolumne von GM Raj Tischbierek", veröffentlicht am 28. März 2026

Das WM-Kandidatenturnier 2026 beginnt am 29. März im Cap St Georges Hotel & Resort im Südwesten Zyperns. Das berichtet Deutscher Schachbund. Acht Spieler kämpfen in dem Rundenturnier mit Hin- und Rückrunde um das Recht, Weltmeister Dommaraju Gukesh herauszufordern. Als Favorit gilt Fabiano Caruana, der nach Einschätzung von Kolumnist GM Raj Tischbierek der kompletteste Spieler im Feld ist – trotz seiner Niederlage im Freestyle-Wettkampf im Februar. Ihm zur Seite gestellt wird Hikaru Nakamura, der trotz seiner weitgehenden Abstinenz vom klassischen Schach als Streamer bei seinen seltenen Auftritten zuletzt überzeugte.

Besonderes Augenmerk liegt auf Matthias Blübaum, der als erster Deutscher seit Robert Hübner 1991 an einem Kandidatenturnier teilnimmt. Der 28-Jährige qualifizierte sich über starke Ergebnisse beim Grand Swiss und beim Turnier in Wijk aan Zee, wo er gegen Weltmeister Gukesh gewann und die 2700-Elo-Marke überschritt. In Prognosen rangiert er zwar auf dem letzten Platz, doch eine Statistik des norwegischen Schachjournalisten Tarjei J. Svensen weist ihn mit einem Plus von einem Punkt aus acht klassischen Partien gegen seine Kontrahenten als bestes Ergebnis im Teilnehmerfeld aus.

Sicherheitslage und fehlende Spitzenspieler

Im Vorfeld sorgte die Sicherheitslage auf Zypern für Diskussionen. Nachdem Anfang März eine Drohne die britische Militärbasis Akrotiri – rund 50 Kilometer vom Austragungsort entfernt – getroffen hatte, zog die indische Spielerin Humpy Koneru ihre Nennung für das parallel stattfindende Frauenturnier zurück. Emil Sutovsky von der FIDE erklärte gegenüber ChessBase India, es gebe keine Gründe für eine Verlegung. Ein Angebot von Wadim Rosenstein, das Turnier unter Übernahme sämtlicher Kosten nach Deutschland zu holen, ließ die FIDE unkommentiert.

Kritik gab es auch an den Qualifikationskriterien. Spieler wie Nodirbek Abdusattorow, der zuletzt drei hochrangige klassische Turniere in Folge gewann, Alireza Firouzja, Arjun Erigaisi und Vincent Keymer sind nicht dabei. Hikaru Nakamura bezeichnete Keymer gegenüber ChessPulse als möglicherweise besten Spieler der vergangenen zwölf Monate nach Magnus Carlsen. Die Partien beginnen jeweils um 14.30 Uhr deutscher Zeit.

Automatisch KI-generierter Beitrag

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