Jan Henric Buettner

Hamburger Investor, Unternehmer und Hotelier, Gründer und Chef von Freestyle Chess sowie Eigentümer des Resorts Weissenhaus. Kam erst als Erwachsener ernsthaft zum Schach und baute binnen weniger Jahre das erste klassische Turnierformat für Schach960 auf Weltklasseniveau auf.
Weg ins Schach
Lernte Schach über Niclas Huschenbeths Masterclass-Paket und lud Huschenbeth anschließend nach Weissenhaus ein; bei abendlichen Gesprächen dort entstand die Idee eines eigenen Turniers. Über Huschenbeth und Sebastian Siebrecht kam der Kontakt zu Henrik Carlsen zustande. Beim Katar Masters im Oktober 2023 verhandelte Buettner in drei Sitzungen über sieben Stunden mit Carlsen senior und hatte das Projekt am Abend des 20. Oktober bereits abgeschrieben, als eine späte Textnachricht doch noch ein Treffen mit Magnus Carlsen in der Hotellobby ermöglichte; in der folgenden halben Stunde gab Carlsen seine Zusage. Fischer Random war dessen Wunsch gewesen, Buettner hielt den Namen für nicht vermarktbar und prägte daraufhin Freestyle Chess.
Freestyle Chess Grand Slam
Taufte sein Vorhaben im Februar 2024 nach der ersten „Weissenhaus Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge“ offiziell „Freestyle Chess Grand Slam Tour“, kündigte Stationen in den USA, Chile und Südafrika an und bezifferte seine bis dahin investierte Summe auf rund zwei Millionen Euro. Machte das Format im März 2024 zum Sport-Franchise: Gemeinsam mit Magnus Carlsen als gleichberechtigtem Gesellschafter gründete er die Dachgesellschaft „MJ Formats“ und die Tochter „FCGST“ sowie den „Freestyle Chess Players Club“ mit der Aufnahmebedingung Elo über 2725 und internationaler Aktivität. Alle 25 zum Auftakt eingeladenen Spieler traten bei; Sergey Karjakin und Veselin Topalov blieben mangels internationaler Aktivität außen vor.
Suchte laut FAZ-Bericht vom Dezember 2025 einen Lead-Partner mit zweistelligem Millioneninvestment und nannte wiederholt die Formel 1 und deren Netflix-Dokumentation als Vorbild für die TV-Vermarktung von Turnieren. Räumte 2026 ein, das Format einer exklusiven Elitetour über die Kontinente habe nicht so funktioniert wie gedacht.
Weissenhaus
Kaufte das verfallene Gut 2005 und investierte seither rund 154 Millionen Euro in Wiederaufbau und Umbau. Bot das Ensemble 2025 über Sotheby’s zum Verkauf an, unter anderem weil er seinen Kindern kein belastendes Erbe hinterlassen wollte, und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt gemeinsam mit Ehefrau Holly Buettner zunehmend ins südafrikanische Naturreservat Dunefields. Der Verkauf kam nicht zustande; Anfang 2026 entschied er sich, Weissenhaus zu behalten und über Anleihen zu finanzieren.
Förderung des deutschen Schachs
Vermittelte 2024 Magnus Carlsens Wechsel zum FC St. Pauli, gemeinsam mit fünf weiteren Top-100-Großmeistern – das von ihm getaufte Projekt „Die Wikinger kommen nach St. Pauli“. Baute parallel die Weissenhaus Chess Academy als Förderprojekt für deutsche Nachwuchstalente auf, die im Mai 2024 eine Partnerschaft mit dem Hamburger SK einging, und startete eine Talentförderung mit sechsstelligem Budget für Reisekosten und Trainer; zu den ersten Mitgliedern zählten Leonardo Costa und Christian Glöckler.
FIDE-Präsidentschaftskandidatur 2026
Kandidiert seit Sommer 2026 für das Amt des FIDE-Präsidenten, mit Malcolm Pein als Deputy. Die Idee kam nicht von ihm: Bei einem Formel-1-Wochenende, zu dem er Javokhir Sindarov und Bibisara Assaubayeva eingeladen hatte, schlug ihm seine Frau Holly per Nachricht vor zu kandidieren; seine erste Reaktion war „Nie im Leben“. Entschieden hat er sich Anfang Juni 2026 in Monaco und behandelt die Kandidatur seither als 90-Tage-Sprint. Übergab dafür die operative Führung von Freestyle Chess an Andreas Walker, nachdem er die Serie nach eigener Darstellung „sanft gelandet“ hatte.
Sein Kernversprechen ist die Ablösung des Verbands aus russischer Prägung, die er bis zur Wahl 1982 zurückverfolgt, als Fridrik Olafsson gegen den sowjetisch unterstützten Florencio Campomanes verlor. Strukturell will er das Council als politisches Gremium belassen und die operative Führung einem achtköpfigen Management Board übertragen. Statt Geld an Delegierte zu geben, bietet er ein Geschäftsmodell mit westlichen Sponsoren an, von deren Einnahmen 20 Prozent an die Föderationen fließen sollen. Führt den Wahlkampf ausdrücklich ohne Endorsement-Sammlung und Kampagnenshow, sondern über Einzelgespräche: Von den 204 Delegierten hatte er bis August 2026 über 120 persönlich gesprochen und gibt jedem seine Telefonnummer. Ist als Kandidat treibende Kraft der Verfahren gegen Timur Turlov, siehe FIDE-Präsidentschaftswahl 2026.
Verhältnis zur FIDE
Vermittelte im Dezember 2024 gemeinsam mit Chess.com-Chef Daniel Rensch zwischen der FIDE und den Freestyle-Spielern, nachdem der Weltverband ihnen mit Ausschluss aus seinen Turnieren gedroht hatte; Ergebnis war eine öffentlich verkündete „friedliche Koexistenz“, deren Formulierung FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich hinterher als nicht mit ihm abgestimmt kritisierte. Bezeichnete die FIDE einmal als korrupter als die FIFA und hält daran 2026 fest – „mehr denn je“. Musste zudem hinnehmen, dass YouTube den Freestyle-Kanal zwischenzeitlich wegen vermeintlich kopierter Inhalte sperrte – tatsächlich hatte umgekehrt der weitaus größere chess.com-Kanal Freestyle-Material übernommen.


