Robert Hübner
Deutscher Großmeister und Papyrologe, geboren 1948, gestorben am 5. Januar 2025 im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Bester deutscher Spieler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis Matthias Blübaum 2025 der letzte Deutsche im WM-Kandidatenkreis. Galt als akribisch, meinungssicher und eigenwillig und mied die Öffentlichkeit über Jahrzehnte.
Karriere
Brach 1971 sein Kandidatenmatch gegen Tigran Petrosian in Sevilla wegen Lärmbelästigung im Spielsaal ab; auch das Kandidatenfinale 1980/81 gegen Viktor Korchnoi endete abgebrochen. Verlor 1983 im Kandidatenviertelfinale gegen Vasily Smyslov per Losentscheid. Besiegte 1992 in Dortmund Garry Kasparov – ein Sieg, der laut seinem Wegbegleiter Michael S. Langer viele überhaupt erst zum Schach brachte. Trat gemeinsam mit Artur Jussupow präventiv aus der deutschen Nationalmannschaft zurück, um sich den seit 2002 bei der Schacholympiade eingeführten Dopingkontrollen zu entziehen – einer der bekanntesten Konflikte um Dopingkontrollen im Schach, obwohl nie ein positiver Test oder ein konkreter Verdacht im Raum stand.
Verhältnis zur Öffentlichkeit
Zog sich nach negativen Presseerfahrungen weitgehend zurück – „Ich wollte nicht wie ein Affe im Zoo betrachtet werden“ – und gab 16 Jahre lang kein Interview, bis er sich 1997 auf Einladung von New-in-Chess-Chefredakteur Dirk Jan ten Geuzendam zu einem mehrtägigen Gespräch in Den Haag überreden ließ. Darin beschrieb er Schach als für ihn nie das Wichtigste im Leben, kritisierte oberflächliche Schachjournalistik scharf und sprach offen über Selbstzweifel und Perfektionismus; an einem seiner Bücher habe er 4.000 Stunden gearbeitet. Reagierte auf vermeintliche Nähe distanziert: „Wir sind keine Freunde.“
Neben dem Schach
Beherrschte als Papyrologe und Archäologe die klassischen Sprachen und lernte zusätzlich Finnisch, aus dem er Kurzgeschichten übersetzte.


