Judit Polgar

Ungarische Schachlegende, gilt als beste Schachspielerin der Geschichte: einzige Frau, die je im Kandidatenturnier und in den Top 10 der Weltrangliste stand. Wurde mit 15 Jahren jüngste Großmeisterin der Geschichte. Ihr Vater Laszlo Polgar lehnte Frauenwettbewerbe zeitlebens als Diskriminierung ab und ließ seine Töchter überwiegend in offenen Turnieren spielen – eine Haltung, die Judit Polgar bis heute vertritt.

Karriere

War 1989 mit zwölf Jahren die höchstbewertete Frau der Weltrangliste. Debütierte 1988 ebenfalls als Zwölfjährige bei der Schacholympiade in Thessaloniki im ungarischen Damenteam – gemeinsam mit ihren Schwestern Zsofia und Zsuzsa sowie Ildiko Madl – und besiegte dabei sensationell das seit über 30 Jahren dominierende sowjetische Team; ihre 12,5 aus 13 bei einer Performance von 2694 verbesserten zugleich das Verhältnis der Familie zu den ungarischen Behörden grundlegend. Spielte 1994 als erste Frau am ersten Brett des offenen ungarischen Olympiateams, vor den Weltklassespielern Lajos Portisch, Zoltan Ribli und Peter Leko.

Leitete im März 2024 in Berlin ein zweitägiges Training mit der deutschen Frauennationalmannschaft und trat anschließend bei einer Solidaritätsveranstaltung für die israelischen Hamas-Geiseln im Paul-Löbe-Haus des Bundestags auf; gemeinsam mit ihrer Schwester Sofia Polgar gab sie dort ein 40-Bretter-Simultan, das mit 36:4 endete – nur Jan Holger Neuenbäumer erreichte ein Remis.

Frauentitel-Debatte

Schlug 2024 im New-in-Chess-Podcast vor, die geschlechtsspezifischen Titel WFM, WIM und WGM abzuschaffen und Titel rein nach Elozahl zu vergeben – es gebe keinen Grund, warum eine Frau nicht besser sein könne als Magnus Carlsen. Erkennt zugleich den Wert reiner Frauenwettbewerbe für Spielerinnen an, die sich nicht in offenen Turnieren messen wollen. Garry Kasparov hatte sich früher abfällig über ihr Talent geäußert – „eine Frau mit den Unzulänglichkeiten der weiblichen Psyche“ -, revidierte diese Einschätzung aber nach einer Schnellpartien-Niederlage gegen sie 2002.

Nach der Karriere

Organisiert jährlich das Global Chess Festival in Budapest, das Kunst, Bildung und Schach verbindet. War 2025 Gast bei der Berliner Station von Levy Rozmans erster Europatour. Netflix kündigte im Dezember 2025 die Dokumentation „Queen of Chess“ über sie an, Regie Rory Kennedy, mit Premiere beim Sundance Film Festival Ende Januar 2026. Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar bot ihr im Juli 2026 nach einem offenen Brief von 16 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Sport an, Staatspräsidentin zu werden; sie lehnte ab und verwies darauf, ihr fehle die Kraft, eine gespaltene Nation zu einen.