Hat der Deutsche Schachbund Gipfel-Einnahmen kleingerechnet, um mehr Förderung aus Dresden für seine Leuchtturmveranstaltung zu erhalten? Über diesen Vorwurf berichtet jetzt die Sächsische Zeitung (Print und E-Paper) auf Grundlage eines anonymen Hinweises. Demnach hat der tatsächliche Förderbedarf rund 50.000 Euro betragen. Der Zeitung ist eine vermeintliche E-Mail aus dem DSB-Inneren zugespielt worden, in der es heißt, es hätten Einnahmen gekürzt werden müssen, um einen Förderbedarf von 75.000 Euro darzustellen. Die Echtheit der Mail sei „nicht eindeutig zu be-, aber auch nicht zu widerlegen“, heißt es.
Die ehemalige DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach hat den Vorwurf gegenüber der Sächsischen Zeitung zurückgewiesen und sich rechtliche Schritte vorbehalten. Sie habe eine klare Idee, woher das Schreiben komme. Lauterbach erklärte, die Kalkulation sei in Abstimmung mit der Stadt erfolgt. Zum Zeitpunkt ihrer Antwort an die Zeitung agierte sie noch als Präsidentin; am 16. Mai wurde sie abgewählt.

Der neue DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker bat auf Anfrage dieser Seite mit Blick auf die Feiertage „um Verständnis, dass ich ohne Rücksprache mit den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, die die Vorgänge besser und länger kennen, noch nichts dazu sagen kann und möchte“.
Auch die Stadt Dresden wies den Vorwurf zurück. Sportbürgermeister Jan Donhauser erklärte gegenüber der Zeitung, der Förderantrag werde im geregelten Prüfverfahren bearbeitet. Donhauser stellte klar: „Es bleibt beim Förderbetrag. Wir sind mit dem Schachbund im Gespräch, auf einem guten Weg und freuen uns auf eine tolle Veranstaltungswoche.“
Ob der Förderbetrag aus Dresden schon schriftlich zugesagt ist? Die Gipfel-Finanzierung ist seit Monaten Gegenstand der DSB-internen Debatte, zuletzt beim Kongress anhand des Kassenprüfberichts. Dort schreiben die Kassenprüfer Reinhard Ahrens und Jürgen Gersinska, Kalkulation und Anträge an die Stadt Dresden für den Gipfel seien plausibel. Gleichwohl lassen die beiden durchblicken, dass die Förderanträge an die Stadt vom 17. März 2026 recht spät abgesandt worden sind, vier Monate vor Beginn der Veranstaltung.
Der Hauptkritikpunkt der Kassenprüfer ist ein ganz anderer als der des anonymen Hinweisgebers: Schriftliche Zusagen für Zuschüsse und Sponsoring in Höhe von insgesamt 214.950 Euro lagen laut Prüfbericht zum Prüfungszeitpunkt nicht vor. Die Gipfel-Vorbereitungen seien weitestgehend ohne Mitwirken des damaligen Vizepräsidenten Finanzen Alexander von Gleich erfolgt; die Gründe dafür seien „nicht plausibel nachvollziehbar“. Von Gleich war im Februar 2026 zurückgetreten. Er hatte mehrfach darauf gepocht, Belege sehen zu wollen.
Außerdem merken die Kassenprüfer an, dass die Beherbergungssteuer der Stadt Dresden in der Kalkulation nicht berücksichtigt worden ist. Die Beherbergungssteuer ist eine kommunale Abgabe auf Übernachtungen in Dresden; sie beträgt 6 Prozent des Übernachtungspreises inklusive Mehrwertsteuer. Die Folge dürfte sein, dass die veranschlagten Übernachtungskosten zu niedrig angesetzt wurden und die tatsächlichen Gesamtkosten des Gipfels höher ausfallen als geplant.

Vom 16. bis 26. Juli in Dresden stehen 13 Turniere auf dem Programm, darunter die Deutschen Meisterschaften, das Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft sowie die Deutsche Schach960-Meisterschaft. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 80.000 Euro ausgeschüttet. Am 25. März 2026 hatte der DSB das Event gemeinsam mit Dirk Hilbert, dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, bei einer Pressekonferenz angekündigt. Als Sponsoren wurden die UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG sowie Roman Krulich mit Pharao Immobilien vorgestellt. Das Budget bezifferte der DSB bei dieser Gelegenheit auf über 300.000 Euro. Die Sächsische Zeitung nennt jetzt knapp 380.000 Euro.


Die e-mail dürfte ja Unterlagen enthalten haben, die die Behauptung untermauern sollen. Sonst hätte sich die Sächsische Zeitung damit ja wohl nicht befasst. Klar dürfte auch sein, dass der Hinweisgeber auf eine Veröffentlichung vor dem Kongress hingearbeitet hat. Es gibt ja nun nicht so übermäßig viele Personen, die von den Interna gewusst haben. Die e-mail wird sicherlich nicht aus dem Präsidium gekommen sein. Die Rechnungsprüfer kann man auch ausschließen, denn sie haben in ihrem Bericht den Antrag an die Stadt Dresden als plausibel erachtet. Dann bleiben also nur die Geschäftsstelle. Interessant war ja, dass niemand des Kongresses etwas zum aktuellen… Weiterlesen »