Ingrid Lauterbach

Ingrid Lauterbach
Foto: Conrad Schormann

Ehemalige Präsidentin des Deutschen Schachbunds, von Mai 2023 bis zu ihrer Abwahl am 16. Mai 2026 im Amt, seither Mitglied des ECU-Präsidiums. War im Sommer 2025 die erste Ansprechpartnerin des Unternehmers Tobias Eismann, aus dessen Vorstoß ein Jahr später die Vermarktungspartnerschaft des DSB mit der Chess Media Group wurde. War nach einem beruflichen Umzug in den 1990ern rund 30 Jahre schachlich für England aktiv und wechselte ihr FIDE-Profil erst im Oktober 2025 zurück zu Deutschland. Ihre Amtszeit war von der Aufarbeitung der DSB-Finanzkrise, von außenpolitischem Engagement gegen eine Rückkehr Russlands in den Schachbetrieb und zuletzt von offenem Streit mit den Landesverbänden geprägt.

Amtsantritt und Finanzkrise

Übernahm das Amt im Mai 2023 mitten in der Finanzkrise des Verbands. Verkündete im September 2023 gegenüber den Landesverbänden erhebliche zusätzliche Belastungen im hohen fünfstelligen Bereich und eine Ausgabensperre – beides am Ende einer Mail mit dem Betreff „Einladung zur Klausurtagung“. Der daraufhin von Michael S. Langer und Ralf Chadt-Rausch gestellte Fragenkatalog blieb nach Langers Darstellung „schmallippig“ beantwortet; statt der geforderten Onlinesitzung der Landespräsidien lud das Präsidium am 20. Oktober 2023 zu einer für alle offenen Fragestunde. PvB kritisierte einen kommunikativen Rumpelstart: Auch nach mehr als 150 Tagen im Amt habe das Präsidium keine Bestandsaufnahme vorgelegt.

Haltung gegenüber Russland

Führte 2024 auf der FIDE-Generalversammlung in Budapest eine deutsche Initiative an, die über Allianzen mit anderen Verbänden sowie Druck über den Dachverband ARISF und das IOC erreichte, dass Russland und Belarus von einer vollständigen Rückkehr in den internationalen Schachbetrieb ausgeschlossen blieben. Lehnte allerdings im Sommer 2023 ein Angebot von Peter Heine Nielsen ab, den DSB dessen Ethikverfahren gegen den russischen Verband und Arkady Dvorkovich anzuschließen – nach Lektüre eines 139-seitigen Dokuments mit zahlreichen weiteren, laut DSB nicht beurteilbaren Vorwürfen.

ChessBase-Konflikt

Besuchte am 24. November 2023 die ChessBase-Zentrale in Hamburg; danach beendete ChessBase-Chef Rainer Woisin nach kontrovers verlaufenen Verhandlungen den seit über zehn Jahren bestehenden kostenlosen Software-Service für DSB-Kader- und Nationalspieler. Aktivensprecher Rasmus Svane und Josefine Safarli bezeichneten vor allem den Wegfall der Mega-Datenbank als schmerzhaft, weil sie für die Gegnervorbereitung zentral ist.

Konflikte und Abwahl

Kündigte im Oktober 2025 überraschend und ohne ihr eigenes Präsidium vorab zu informieren ihre Kandidatur fürs ECU-Präsidium im Team von Zurab Azmaiparashvili an. Nach der außerordentlichen Kündigung von Geschäftsführerin Anja Gering eskalierte im selben Monat beim Hauptausschuss in Hofgeismar ein offener Streit; fünf Landesverbände beantragten daraufhin einen außerordentlichen Kongress. In der Berliner Erklärung von Ende Oktober 2025 setzte sie durch, ihr Amt erst nach dem Schachgipfel im Sommer 2026 abzugeben. Der Widerstand eskalierte im Februar 2026 mit dem Rücktritt von Finanzchef Alexander von Gleich. Wurde beim außerordentlichen Kongress am 16. Mai 2026 in Frankfurt mit 125:99 Stimmen bei 7 Enthaltungen abgewählt und durch Paul Meyer-Dunker ersetzt; anschließend zog sie im Team Azmaiparashvili als erstes deutsches Mitglied ins ECU-Präsidium ein.

Als Spielerin und Funktionärin

Spielt weiterhin selbst: Sie wurde mit dem englischen Team Europameisterin der Seniorinnen und trat im September 2023 bei der Senioren-Mannschafts-WM in Mazedonien an. War Ende August 2023 bei der Rapid- und Blitz-Team-WM in Düsseldorf als Schiedsrichterin im Einsatz, vierstellig von der FIDE bezahlt – PvB wertete die Einbindung deutscher Funktionäre in eine FIDE-Veranstaltung mit Arkady Dvorkovich als Beleg dafür, dass es im Weltschach keine wirksame Gegenbewegung gibt. Nahm im März 2024 an einer von Judit Polgar mitgestalteten Solidaritätsveranstaltung für die israelischen Hamas-Geiseln im Paul-Löbe-Haus des Bundestags teil.