Ein wesentlicher finanzieller Baustein des Schachgipfels in Dresden ist gesichert. 75.000 Euro Zuschuss zahlt die Stadt für die Veranstaltung mit ihrem 360.000-Euro-Etat. Das bestätigten jetzt während einer Pressekonferenz in Dresden Oberbürgermeister Dirk Hilbert und DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach. Für die Stadt dürfte es eine lohnende Investition sein. Sie rechnet mit einer Wertschöpfung von weit über einer Million Euro, wenn vom 16. bis 26. Juli rund 1000 Schachfreund:innen plus Begleitung nach Dresden kommen.

Die Debatte um die vermeintlich wackelige Finanzierung des Gipfels gärt seit dem Kongress 2025 in Paderborn, wo die Veranstaltung noch mit einem Etat von knapp 300.000 Euro angesetzt war. Anfang 2026 waren daraus 360.000 geworden, und es stand noch die Möglichkeit im Raum, die im Mai 2025 vereinbarte Finanzspritze aus Dresden könne ausbleiben. Die Stadt steckt selbst inmitten einer Haushaltskrise. 2026 wird Dresden voraussichtlich rote Zahlen in Höhe von jenseits 100 Millionen Euro schreiben. Aber nun dürfte feststehen, dass das Geld für den Gipfel kommt.
„Schach hat in Dresden eine große Tradition – und gleichzeitig die Kraft, Menschen aller Generationen zusammenzubringen“, sagte Hobbyschachspieler Hilbert. Lauterbach unterstrich die Dimension des bevorstehenden Events: „Das ist eine Riesenveranstaltung, wie wir sie seit Jahren nicht umgesetzt haben. Nach dem etwas kleineren Gipfel 2022 in Magdeburg gehen wir in Dresden den nächsten großen Schritt.“
Außergerichtliche Einigung mit Dirk Jordan?
Am Rande der Pressekonferenz wurde bekannt, dass die mehrjährige Phase der Sprachlosigkeit zwischen der DSB-Führungsriege und dem Dresdner Schachorganisator Dirk Jordan beendet ist. Lauterbach bestätigte dem Portal diesachsen.de, dass Verhandlungen laufen, um das seit sieben Jahren ruhende Zivilverfahren außergerichtlich beizulegen. Seinerzeit hatte der Richter das Verfahren unterbrochen, da zwischen den Parteien keine Einigung zu erzielen war. Er wollte deswegen den Ausgang des Strafverfahrens gegen Jordan abwarten.
Das steht nun trotz diverser Verzögerungen, zuletzt wegen eines Bombenfunds, vor dem Abschluss. Voraussichtlich am 14. April wird ein Urteil fallen. Eigentlich sollte danach zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt das Zivilverfahren DSB versus Jordan weitergehen, aus dem sich der Verband eine substanzielle Zahlung erhofft. Die nun laufenden außergerichtlichen Verhandlungen könnten dazu führen, dass es nicht zur Wiederaufnahme dieses Verfahrens kommt.
Der Förderverein Wolfgang Uhlmann
In seiner Berichterstattung weist diesachsen.de auf die pikante Konstellation hin, dass der DSB sich mit seinem 2026er-Gipfel ins Jordan-Kernland begibt. Diese Konstellation ließe sich an Hans Bodach festmachen. Der heutige Vorsitzende des Fördervereins Wolfgang Uhlmann hat 1990 mit Jordan das Unternehmen EuroSchach gegründet, zwei Jahren später den JugendSchach-Verlag. Auch über den Verein Dresdner Schachfestival sind die beiden einander verbunden.
Am Gipfel ist Bodach mit seinem Förderverein als derjenige beteiligt, der angeregt hat, die Veranstaltung nach Dresden zu holen. Dort jährt sich 2026 zum 150. Mal die Gründung des Dresdner Schachvereins und zum 100. Mal die Austragung des Schachkongresses zu Dresden, wo sich vor 100 Jahren ein Weltklassefeld versammelte. Aaron Nimzowitsch siegte mit 8.5/9 vor Alexander Aljechin mit 7 Punkten. Ganz so stark wird die Deutsche Meisterschaft 2026 nicht besetzt sein. Voraussichtlich wird sie ohne die anderweitig verpflichteten Vincent Keymer und Matthias Blübaum vonstatten gehen.

Der Förderverein Wolfgang Uhlmann ebnet nun dem Dresdner Gipfel mit zwei Veranstaltung die Bahn. Im Stadtmuseum läuft vom 1. Mai bis 2. August die Sonderausstellung „Großmeister Wolfgang Uhlmann – die Schachlegende aus Dresden“. Dazu kommt ein internationales Schnellschachturnier am 2. Mai im Rathaus.
„Dort jährt sich 2026 zum 150. Mal die Gründung des Dresdner Schachvereins (heute: USV TU Dresden)“
Der im Jahr 1876 gegründete historische Schachverein hat mit dem heute existierenden Schachbundesligisten Universitätssportverein TU Dresden e.V. nichts zu tun, die Gleichsetzung „heute:“ ist folglich nicht gerechtfertigt.