Personalien

Als Sekundant der Bronzemedaillengewinner richtete Dmitrij Kollars seinen Rhythmus nach dem der Spieler: Arbeitsbeginn um 21 Uhr, Frühstück um halb acht, dazwischen Koffeintabletten und Energydrinks. Jan Gustafsson nennt ihn liebevoll ein „broken human being“. Kollars: „Wenn die anderen wach waren, habe ich geschlafen. Und umgekehrt."

Autogramm- und Fotowünsche, Trauben von Fans – das erlebte Matthias Blübaum mit dem deutschen Team bei der Schacholympiade. Ob er das auch daheim erlebe, wollte Podcaster Greg Mustreader wissen. Blübaum winkte ab: In Usbekistan gebe es besonders viele Schachfans, ganz anders als daheim: „In Germany there wouldn't be so many fans.“

Nachtschicht in der Fabrik, dann ans Brett: Egon Mattaaq verpackt in Upernavik Fisch. Im April gewann er Grönlands Meisterschaft, die wegen der Entfernungen online ausgetragen wurde. In Samarkand hat der 24-Jährige nun sein erstes Turnier am Brett gespielt – als Nummer eins der Nationalmannschaft bei Grönlands Olympiade-Debüt.

Lily Schirmbeck, eines der größten Talente des Landes, hat sich in ihrem Heimatclub SK Halle den Spitznamen (oder ist es ein Titel?) "Lady 5 aus 5" erarbeitet, weil sie die fünfrundigen Rapid-Elo-Turniere in Halle mit 100 Prozent zu gewinnen pflegt. Ende September riss die Serie. Nico Glatt gewann - und trägt jetzt auch einen Titel: "Gentleman 5 aus 5".

Bei seiner ersten Schacholympiade 1980 auf Malta wusste Christian Krause bei der Anreise nicht einmal, welchen Job er dort übernehmen sollte. Als Schiedsrichter landete er am letzten Damenbrett. Jetzt, mit 84 Jahren und nach 16 Olympiaden, ehrte ihn die FIDE. Der Grund für seine lange Laufbahn? „Weil ich all die Jahre skandalfrei geblieben bin.“

Nach knapp sechs Stunden am Brett war bei Georgios Souleidis nicht die Kondition am Ende, aber die Saalmiete: Beim Jubiläumssimultan in Dortmund gegen 30 Spielerinnen und Spieler musste "The Big Greek" sieben Partien abbrechen und abschätzen lassen, weil vor dem Haus schon seit zwei Stunden die nächste Gruppe auf Einlass wartete.

Nach dem in Usbekistan gefeierten Sieg über Indien wollte ein Reporter wissen, wie das usbekische Team hinter den Kulissen arbeitet. Rustam Kasimdzhanov blieb stur: „Wenn wir die Olympiade gewonnen haben, erzähle ich dir alles. Bis dahin wirst du von mir nichts hören.“ Entspannen dürfen seine Spieler am freien Tag – aber, so der Coach, „nicht zu viel".

Bei Schulleiterin Prisca Poguntke an der Gemeinschaftsgrundschule Eicken in Mönchengladbach gehört Schach zum Programm: Die rund 250 Kinder spielen in einer täglichen Schachpause, im Ganztag und im Sportunterricht. Warum? Weil die Schüler es wollten. Dieses Interesse griff Poguntke auf und baute daraus ein kostenfreies Angebot für alle.

Ilja Schneider hat den Paul-Sahrhage-Pokal des SK Werther zum zweiten Mal in Folge gewonnen. Acht Punkte aus neun Partien, dazu 250 Euro kassiert, ein erfolgreicher Tag - sollte man meinen. Aber der 41-Jährige war nicht zufrieden. Es war ihm zu einfach. Bei seinem dritten Anlauf, das Turnier zu gewinnen, wünscht sich der Fast-GM aus Hannover stärkere Gegner.

Dem Spieler eine Banane geben, das darf der Bundestrainer nicht. Sie könnte ja mit guten Zügen beschriftet sein. Oder der Coach könnte im Moment der Bananenübergabe seinem Schützling Tipps zuflüstern. Und so musste jetzt in Samarkand Alexander Donchenko erst eine Bananenerlaubnis einholen, bevor Jan Gustafsson ihm den gelben Tropentorpedo zustecken durfte.

Sechzig Stunden war Awonder Liang zur 46. Schacholympiade in Samarkand unterwegs: Überbuchte Flüge, Verspätungen, verlorenes Gepäck. Er trug es mit Fassung. "Das ist halt manchmal so", sagte der US-Großmeister zu Lichess - und offenbarte, dass er bei der Aufstellung des topgesetzten US-Teams nicht mitreden konnte: "Die haben mich nicht in den Gruppenchat aufgenommen."

Mit Viernheim in der Bundesliga, schön und gut, aber Nationalmannschaft sei noch einmal eine ganz andere Dimension, da das ganze Land zuschaue. Das hat jetzt Dinara Wagner im DSB-Gespräch gesagt. Ihre Vorbildrolle für Mädchen im Schach, die zu ihr aufschauen, nimmt sie an: "Das ist aber auch eine große Verantwortung. Ich gebe mein Bestes, um dieser Rolle gerecht zu werden."

Der wichtigste Auslöser, um den Sport aus der Nische zu holen, sei sportlicher Erfolg. "Ich arbeite daran", sagte Vincent Keymer jetzt kurz vor Beginn der Schacholympiade. Vielleicht könne er erreichen, was Anand in Indien und Carlsen in Norwegen erreicht hat. Wachse der Erfolg, wachse das Interesse von Unternehmen und Institutionen. Ein anderer Faktor: den Sport zugänglicher präsentieren.

Ein Wettbewerb, der zeigen sollte, was künstliche Intelligenz in der Spitzenforschung leistet. Gewonnen hat ihn ein Mathematiker, der komplett auf KI verzichtete: DSB-Vizepräsident Jürgen Klüners. Der Professor aus Paderborn fand mehr als 143.000 der gesuchten Polynome. Während fast alle anderen Teams auf KI setzten, reichte Klüners und seinem Mitstreiter die menschliche Erfahrung.

Zeitlebens hat er Opern komponiert, trotzdem hat es mit der Musik als Broterwerb nicht geklappt. Gut, wenn man eine Alternative hat! François-André Danican Philidor (1726-95) wurde der beste Schachspieler der Welt, der erste, der sich systematisch mit Bauernstrukturen befasste. Sein "L'Analyse des Échecs" blieb bis ins 19. Jahrhundert das wichtigste Lehrbuch. Diese Woche hätte Philidor 300. Geburtstag gefeiert.

Das Ablegen des Kopftuchs repräsentierte das Ende ihrer Laufbahn im Iran - und den Beginn einer neuen Laufbahn in Frankreich. Mitra Hejazipour wollte ihre Opposition gegen das Regime zeigen. Ihre dank des Schachsports möglichen Reisen hatten ihr die Chance gegeben, andere Kulturen kennenzulernen – und zu sehen, dass sie in einem Land lebt, in dem Frauen elementare Rechte fehlen.

Fast sieben Jahre her, da stand Simon Williams als Mittäter im Mittelpunkt eines Betrugsfalls. Jetzt hat er im Perpetual-Chess-Podcast erstmals in aller Offenheit darüber geredet. Er habe unterschrieben, ohne zu verstehen, was er unterschreibt – und weggesehen, obwohl sich etwas falsch anfühlte, sagte Williams. Das kam ihn teuer zu stehen. Heute macht der englische GM, was er kann: Schach.

"Gukesh ist Weltmeister geworden, weil er ein Genie ist", sagt dessen Landsmann Nihal Sarin zur sportlichen Krise des Champions. Diese Krise führt Nihal Sarin allein auf fehlendes Selbstvertrauen zurück. Und stellt fest: "Form ist vorübergehend, Klasse dauerhaft." Er hofft, dass Gukesh bei Schacholympia im indischen Team zu alter Klasse zurückfindet. 2024 holte er Einzelgold an Brett eins.

Schach ist mehr als ein Sport, auch mehr als ein Spiel, und im Schach mangelt es gewiss nicht an Leuten, die nicht müde werden, das zu betonen. Einen wunderbaren kulturellen Aspekt hat jetzt Anne Czäczine betont. Schach sei ein Kulturgut, das im Mittelalter zu den sieben ritterlichen Tugenden zählte und als Kunstform neben dem Minnesang stand, erklärte sie vor dem jüngsten Chemnitzer Frauenturnier.

Mit Schach Geld zu verdienen, dafür gibt es mehr Möglichkeiten denn je. Thomas Elbern vom SK Union Oldenburg hat jetzt im Interview für die Vereinshomepage eine Möglichkeit aufgezeigt, mit Schach das Taschengeld aufzubessern. Als er 1973 elfjährig seine Oma in Bad Ems besuchte, verdiente er sich ein paar Taler dazu, indem er anderen die Riesenfiguren in den Kuranlagen aufbaute.

118 klassische Partien ohne Niederlage, verteilt über fast 38 Jahre: So lang war die Serie von Michael Adams bei der britischen Meisterschaft. Nach ihrem Ende im August 2026 war zunächst von 87 Partien die Rede, aber jetzt hat sich gezeigt, die Serie der englischen Schachlegende war deutlich länger. Nachdem der 16-jährige Adams 1988 gegen Stuart Conquest verloren hatte, erwischte es ihn erstmals wieder 2026 in Coventry.

Vandan Alankar Sawai wollte beim Titled Tuesday gar nicht antreten. Seine Eltern drängten ihn dazu. Der CM mit 2288 Elo spielte – und schlug in der zweiten Runde den Weltranglistenersten Magnus Carlsen. Dann ging der 15-Jährige ins Bett. Weder seinem Trainer noch seinen Eltern erzählte er, dass er die Nummer eins besiegt hat. Das kam erst heraus, als sein Vater sich die Partien des Juniors anschaute.

Wer 92 Elo gewinnt und Landesmeisterin wird, könnte jubeln. Ana-Maria Bursan zieht eine nüchterne Bilanz: Sie sei „relativ zufrieden“, sagt sie, denn aus Perspektive der 18-Jährigen von der TG Biberach war mehr drin. Nach der nun geschafften Qualifikation fürs DSB-Kandidatinnenturnier 2027 überlegt sie, nach dem Abitur das Studium aufzuschieben und ein Schachjahr einzulegen.

An sieben gesetzt, auf Platz eins gelandet. Dass Neil Albrecht wegen eines Schachverwaltungspassus' bei der Württembergischen Meisterschaft nicht Meister werden konnte, störte ihn nicht. Dem 15-Jährigen ging es um die IM-Norm. Und die hat er erreicht. Jetzt geht es darum, die 2400 Elo zu erklimmen und weitere Normen zu schaffen. Mittelfristig will Albrecht auch international von sich hören lassen.

Es ist schon ein paar Tage her, aber eine solche Fabelleistung sollte nicht unerwähnt bleiben. Mit dem perfekten Ergebnis von neun Punkten aus neun Partien hat Malte Colpe vom Hamburger SK die Hamburger Einzelmeisterschaft 2026 gewonnen. Ob es dafür Vorgänger gibt? Unbekannt. Sicher ist, Colpe hat sich als Hamburger Meister für das Kandidatenturnier der Deutschen Meisterschaft 2027 qualifiziert.

Übernimmt KI die Welt? Wäre es gut, wenn es so kommt? Oder wenn nicht, wie verhindern wir das? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Ex-Schach-Wunderkind und Nobelpreisträger Demis Hassabis. Und doch hatte er Zeit, bei den britischen Meisterschaften zuzuschauen. Deren Sieger Shreyas Royal und Bodhana Sivanandan freuten sich jetzt über eine Gratulationsnote vom Google-Wissenschaftler.

Dutzende Partien gleichzeitig zu spielen, ist eine Leistung. Das bei 35 Grad in der Sonne zu tun, ist nochmal eine andere Kategorie, in die jetzt Sachsen-Anhalts Landestrainerin Tatjana Melamed vorgestoßen ist. In Magdeburg spielte Melamed trotz drückender Hitze an 19 Brettern simultan. Ergebnis: 25,5:0,5. Erstaunlich: Einige hatten an diesem Tag noch Energie für Kondiblitz und Fußballschach.

Mario Voigt, DWZ 1981, Ministerpräsident Thüringens, kämpft weiter um seinen Doktortitel. Die Technische Universität Chemnitz hält zwar an ihrer Entscheidung fest, Voigt den Doktorgrad zu entziehen, aber mit diesem Zug hat der CDU-Politiker gerechnet. Voraussichtlich wird er klagen. Laut seinem Anwalt wirft die Entscheidung der Hochschule erhebliche rechtliche Fragen auf.

Deutscher Meister U16 ist er gerade geworden. Jetzt hat Alfred Nemitz vom USC Magdeburg in Spilimbergo seine dritte IM-Norm geschafft - nicht den Titel. Den bekommt er erst, wenn seine Elo über 2400 geklettert ist. Viel fehlt nicht mehr. Aus Oberitalien bringt Nemitz knapp 24 Elo mit ins heimische Potsdam, sodass er live bei 2394,6 steht. Die fehlenden 5,4 Pünktchen wird er bald einheimsen.

NBA-Star Victor Wembanyama hat jetzt zum zweiten Mal in Folge sein "Hoop Gambit Festival" organisiert, das seine Leidenschaften Basketball und Schach verbindet. Basketball, Schnellschachturniere und Nebenveranstaltungen mit Streamern wie Levy Rozman und Julien Song standen auf dem Programm. Mittendrin: "Wemby", der beim Basketball etwas besser aussah als beim Schach.



