Jan Gustafsson
Deutscher Bundestrainer seit Anfang 2023, Schachkommentator und Mitgründer von chess24. Beschreibt sich als Coach und zugleich Fan seiner Mannschaft, hält sich als solcher öffentlich aber zurück, um die Grenze nicht zu verwischen.
Vor dem Bundestraineramt
Gründete chess24 im Februar 2014 gemeinsam mit Enrique Guzman in Gibraltar, nachdem beide einander 2013 beim Vereinsabend des Hamburger SK begegnet waren; beide kamen aus dem Onlinepoker. Bildete dort mit Peter Svidler das Kommentatorenduo, das die Reichweite des Portals maßgeblich trug.
Als Bundestrainer
Übernahm das Amt Anfang 2023, zunächst auf ein Jahr befristet, und bezifferte den Aufwand auf etwa eine Fünftel- bis Viertelstelle. Sein Einfluss auf die Aufstellung ist begrenzt: Die ersten vier der deutschen Rangliste sind am Stichtag automatisch gesetzt, er bestimmt nur den fünften Mann und die Brettreihenfolge.
Führte die Nationalmannschaft im Herbst 2023 hauchdünn hinter Serbien zur EM-Silbermedaille und das Team bei der Schacholympiade 2024 in Budapest auf Rang sieben, dort unter anderem durch rotierenden Einsatz von Vincent Keymer und Matthias Blübaum. Organisierte gemeinsam mit dem DSB Ende 2025 ein Crowdfunding für Blübaums Kandidatenturnier-Vorbereitung und kommentierte 2026 in Wijk aan Zee dessen Sieg gegen Weltmeister Gukesh.
Spielt weiterhin selbst: Wechselte als Bundesligaspieler von Baden-Baden nach Deizisau und belegte bei der Deutschen Online-Blitzmeisterschaft 2025 Rang acht. Bot Ende 2023 auf Twitter jenen Spielern, die noch per Elozahl ins Kandidatenturnier 2024 rutschen wollten, scherzhaft Matches gegen sich selbst an – alt, schwach, Elo 2618.
Der Nominierungs-Patt 2023
Vor der Mannschafts-EM 2023 teilten sich Dmitrij Kollars und Rasmus Svane zum Stichtag 1. September mit jeweils exakt 2641 Elo den vierten Ranglistenplatz. Laut DSB entscheidet in einem solchen Fall der Bundestrainer, wer die Nummer vier ist – theoretisch hätte Gustafsson damit Rasmus Svane aussortieren und dessen Bruder Frederik, die Nummer sechs, ins Team holen können. Er tat es nicht; Frederik Svane fuhr als sechster Großmeister und Sekundant mit.
Sekundant-Affäre
Sekundierte 2024 beim Kandidatenturnier in Toronto zusätzlich zu seiner Bundestrainer-Tätigkeit Ian Nepomniachtchi, ohne den DSB vorab zu informieren – eine offenbar bereits seit 2023 bestehende Vereinbarung; als Honorarkraft muss er Nebentätigkeiten nicht anzeigen. Beide gehörten schon 2023 zum Team von Wadim Rosenstein.


