Der Deutsche Schachgipfel 2027 soll vom 23. Juli bis 1. August in Stuttgart stattfinden und in die deutschen „Finals“ eingebettet werden. Schach soll dort im Jahr des 150-jährigen Bestehens seines Bundesverbands als Demonstrationssportart auftreten. Das geht aus einem Bericht von Carsten Karthaus, Präsident des Schachverbands Württemberg, an sein erweitertes Präsidium hervor.

In der Schachszene wird seit einiger Zeit erzählt, dass DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach den 2027er-Jubiläumsgipfel des 1877 gegründeten DSB nach Württemberg vergeben hat. Karthaus‘ Bericht bestätigt das nun. Die Vergabe in die Landeshauptstadt ist naheliegend: Die Austragung des Schachgipfels in Stuttgart fällt mit dem 75-jährigen Bestehen des Landes Baden-Württemberg zusammen.
Wegen dieses Jubiläums haben die Präsidien des Badischen Schachverbands und des Schachverbands Württemberg 2023 beschlossen, eine Fusion beider Verbände idealerweise im Jahr 2027 anzustreben. Die Funktionäre sähen die Vereinigung ihrer Verbände gern im Jahr des Jubiläums des Doppellandes. Ob es dazu kommt, ist offen. An Württemberg wird es nicht scheitern, umso größer die Beharrungskräfte in Baden. Das Thema nehme „sehr viel Zeit in Anspruch“, stellt Karthaus fest.
Die „Finals“
Die „Finals“ werden vom 31. Juli bis 3. August 2027 erstmals in Stuttgart ausgetragen. Das hat der Stuttgarter Gemeinderat im Juli 2025 beschlossen. Das Multi-Sportevent bündelt an einem verlängerten Wochenende zahlreiche Deutsche Meisterschaften verschiedener Verbände in einer Stadt – eine Art nationales „Mini-Olympia“. In der Regel fallen über mehrere Tage mehr als 100 Entscheidungen in 15 bis 20 Sportarten, darunter Leichtathletik, Schwimmen, Turnen oder 3×3-Basketball.
Die Wettbewerbe finden oft an zentralen Orten wie Stadien, Innenstädten oder Flussufern statt. ARD und ZDF übertragen rund 20 bis 25 Stunden live im Fernsehen und bieten zusätzliche Livestreams an. Seit der Premiere 2019 in Berlin wechselten die Gastgeberstädte regelmäßig; zuletzt waren Rhein-Ruhr und Dresden Austragungsorte, 2026 folgt Hannover, 2027 Stuttgart. Nach Angaben der Veranstalter verfolgten 2023 im Schnitt 1,09 Millionen Zuschauer die TV-Übertragungen, hinzu kamen mehrere hunderttausend Stream-Abrufe sowie über 200.000 Besucher vor Ort.
Die Idee, Schach als Teil der deutschen „Finals“ zu präsentieren, hat schon vor einigen Jahren Paul Meyer-Dunker, scheidender Präsident des Berliner Schachverbands, angeregt. Umgesetzt worden ist das bislang nicht – bis jetzt.
Finals-Wende in Österreich
In Österreich war Schach seit 2021 regulärer Bestandteil der „Sport Austria Finals“. Dort waren die Staatsmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach integriert. Allerdings wird die 2025er-Auflage der österreichischen Finals die vorerst letzte gewesen sein, in der Schach Teil der Veranstaltung ist. Das bestätigte jetzt auf Anfrage dieser Seite Sandra Schmidt, Geschäftsführerin des Österreichischen Schachbunds.
Bedingung für eine Finals-Teilnahme ist, dass die jeweilige Sportart dort ihre nationalen Meisterschaften austragen muss. Die Österreicher haben nun entschieden, ihre Staatsmeisterschaften von den Finals abzuziehen und zum Teil ihres „PlusCity Grand Prix“ zu machen. Im größten Einkaufszentrum Oberösterreichs in Pasching bei Linz wird vom 14. bis 17. Mai vier Tage lang Schach im Mittelpunkt stehen, und mehr als 100.000 Menschen werden zuschauen. Schmidt sagt, bei den Finals bekomme Schach wegen der zahlreichen anderen Sportarten vergleichsweise wenig Übertragungszeit. In Pasching hingegen werde es im Zentrum eines stark frequentierten Orts ausschließlich um Schach gehen.
Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften im Blitz und Rapid werden mit 80.000 Euro Gesamtpreisfonds dotiert sein, unterstützt vom neuen ÖSB-Hauptsponsor Freedom24. Dass Österreicher:innen ihre nationalen Meisterschaften gewinnen, ist alles andere als ausgemacht. Die Turniere werden offen sein, und wahrscheinlich wird eine Reihe internationaler Profis teilnehmen.

Nachtrag, 1. März: Carsten Karthaus, Präsident des Schachverbands Württemberg, stellt fest, dass seitens des DSB noch keine Vergabe des Gipfels 2027 erfolgt ist: „Der aktuelle Planungsstand bei uns und die große Unsicherheit auf Seiten des DSB über den Fortgang des weiteren Verfahrens machen eine Ausrichtung in Stuttgart noch ungewiss. Wir bemühen uns darum, ein attraktives Angebot zu machen und würden uns freuen, wenn es am Ende klappt, es sind aber noch etliche Fragen offen.“