Arkady Dvorkovich
Russischer Ökonom, seit 2018 FIDE-Präsident. Seine Amtsgeschäfte ruhen seit seiner EU-Sanktionierung im Juli 2026; Viswanathan Anand führt den Weltverband seither als Interimspräsident. Prägend für seine Amtszeit waren der Machtkampf mit der privaten Freestyle-Serie, sein Umgang mit dem Iran-Israel-Konflikt im Turnierbetrieb und die Abschaffung der von ihm selbst eingeführten Amtszeitbegrenzung.
Amtszeit
Nannte Alireza Firouzjas Mini-Match-Serie in Chartres Ende Dezember 2023 eine völlige Verhöhnung des Wettbewerbsgedankens; die FIDE führte daraufhin kurzfristig eine 30-Tage-Frist für Turnieranmeldungen ein. Trat wenige Monate zuvor bei der Rapid- und Blitz-Team-WM in Düsseldorf im Team des FIDE Management Boards an und spielte dort mutmaßlich seine erste gewertete Schachpartie.
Schaffte die frühere Praxis ab, Paarungen zwischen israelischen und iranischen Spielern vorsorglich zu vermeiden – vier Jahre zuvor hatte er dem Iran mit „Konsequenzen“ gedroht, sollte der Verband sein Spielverbot gegen Israelis nicht aufgeben, gehört hat man davon seither nichts. Wegen dieser Regeländerung strich die zuständige FIDE-Kommission dem deutschen Talent Leonardo Costa 2025 rückwirkend eine GM-Norm.
Kündigte im Januar 2025 an, entgegen seinem Amtsantrittsversprechen für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, und ließ dafür die von ihm selbst eingeführte Amtszeitbegrenzung abschaffen; verteidigte dabei seinen umstrittenen Generalsekretär Emil Sutovsky gegen Magnus Carlsens Kritik und forderte den Norweger auf, stattdessen ihn selbst anzugreifen.
Konflikt mit Freestyle Chess
Ließ Ende Dezember 2024 kurz vor der Rapid- und Blitz-WM in New York über Emil Sutovsky Freestyle-Spielern androhen, sie bei Teilnahme an privaten Freestyle-Wettbewerben von FIDE-Turnieren auszuschließen; Hikaru Nakamura machte die Drohung publik, was fast zum Boykott der WM geführt hätte. Einigte sich daraufhin mit dem Freestyle Chess Players Club auf eine öffentlich verkündete „friedliche Koexistenz“, beklagte hinterher aber, die von Jan Henric Buettner und Daniel Rensch vermittelte Mitteilung sei nicht mit ihm abgestimmt gewesen.
Verlangte Anfang 2025 im Gegenzug für einen Sanktionsverzicht von der Weissenhaus-Seite die Anerkennung der FIDE als oberstes Regelorgan, besonders bei Weltmeisterschaften, ohne dafür Geld zu fordern. Plante Ende 2025 nach gescheiterten Gesprächen ein Treffen mit Buettner in Katar.
Sanktionierung
Sein Name stand Anfang 2026 auf einer möglichen neuen EU-Sanktionsliste, deren Verabschiedung sich wegen ungarischer Blockade verzögerte. Mit der Abwahl seines Schutzpatrons Viktor Orban im Juni 2026 entfiel der Blockierer; im Juli 2026 wurde er sanktioniert und ließ seine Amtsgeschäfte zum 23. Juli ruhen.
Trat danach gleichwohl weiter öffentlich als Vertreter der FIDE auf. Bei der Generalversammlung der African Chess Confederation in Addis Abeba sprach er im Wir-Modus der Verbandsführung – „We just took a decision“ – und verkündete einen direkten World-Cup-Startplatz für jede Kontinentalzone; Peter Heine Nielsen dokumentierte kurz darauf ein Treffen Dvorkovichs und Timur Turlovs mit dem äthiopischen Sportminister und fragte öffentlich, warum Dvorkovich weiterhin agiere, als repräsentiere er die FIDE. Eine Antwort blieb aus. Trat im Juli 2026 gemeinsam mit Turlov auch bei der von dessen Organisation ISCF ausgerichteten afrikanischen Etappe der Schulschach-WM in Stellenbosch auf. Wadim Rosenstein sieht das Lager um Dvorkovich und Turlov hinter den anonymen Kampagnen gegen sich.


